Ich vergleich das mal mit folgendem (in anderen Dingen ists ja ähnlich).
Vor ca 40 oder 42 Jahren:
Als Dreikäsehoch war ich mit meinem Eltern im Urlaub zum zelten. Wir hatten: Käfer (Auto), selbstgeschweißten Dachträger (hat Papi gebastelt), Zweimann Bundeswehrzelt (war vom Onkel ausgeliehen, hab den Geruch noch heute in der Nase), drei Luftmatratzen (davon hielt regelmäßig eine nicht die Luft bis zum nächsten Tag), Konserven von zuhaus (was eben noch so in die Hohlräume des Autos gepasst hat). Lauter verschiedene Campingstühle, wackliger Klapptisch. Kein Navi - klar. Befreundetes Ehepaar meiner Eltern fuhren damals im Audi 50 mit. Ansonsten war die Ausrüstung ähnlich spartanisch. Wir fuhren damit nach Frankreich an die Atlantikküste an einen Campingplatz. Gebucht wurde nicht, man hoffte auf Erfolg vor Ort was die Verfügbarkeit eines Zeltplatzes anging. Und hat ja auch geklappt! Super Urlaub, ich denke noch heute gerne daran!
Heute:
SUV oder Van wird gepackt, es ist ALLES an Bord. Das Auto bietet alleine schon mehr Extras als die Queen Mary. Hinten angehägt ist ein 7m Wohnwagen mit allem was das Herz begehrt. Der Campingplatz ist schon seit Ende Januar gebucht (obwohl man erst im August da hin fährt). Vor Ort dann wird das ganze Equipment aufgebaut, incl. Solarleuchten zur Parzellenbegrenzung, elektrischer Markise, Klima, viermal E-Bike ist ebenfalls an Bord. Daß sich die Klappstühle nicht von selbst aufstellen ist noch alles. Mutti hat von der Mikrowelle übern Backofen alles im WoWa, soweit alles ok. Aber man beschwert sich, der Nachbar hat unverschämterweise seine Gartenzwerge zu nah an den eigenen Gartenzaun gerückt, das Wasser im Sanitärhaus war am Dienstag nachmittag zwischen drei und halb vier auch nur lauwarm. Die Blöd Zeitung am Kiosk war an einem Tag schon frühorgens 10.45 ausverkauft. Und überhaupt... Nach dem Urlaub ist man gestresster als vorher.
Was will ich damit sagen: es ist dieses immer mehr, immer weiter, immer höher. Trotzdem werden die Leute nicht zufriedener. Die Erwartungshaltung steigt immer weiter. Diese "Vollkasko"-Mentalität geht mir immer mehr auf den Sack. Anstelle man darauf schaut wie gut es einem doch (in aller Regel) geht wird lieber über Lappalien rumgeheult. Den allermeisten leuten gehts besser den je, trotzdem: die meisten sind unzufrieden! Läuft auch nur die kleinste Kleinigkeit schief, dann wird ein Schuldiger gesucht! Und gefunden! Das ist im Privaten so, im Job ebenfalls. Soll keine Verallgemeinerung sein, aber wenn man manchen Leuten so zuhört ?!?
Vielleicht sollte man wirklich mal wieder darüber nachdenken daß weniger auch mehr sein kann. Das soll nicht heißen daß man auf alles Neue verzichten muß - keinesfalls! Nicht alle Entwicklungen sind schlecht. Aber vielleicht sollte man sich hin und wieder mal ein wenig erden um mal runterzukommen. Und die Äusserlichkeiten eben Äusserlichkeiten sein lassen. Und mal mit etwas Abstand auf das alles sehen, mit was man sich so umgibt und womit man den lieben langen Tag verbringt.
Ich sehe da Parallelen zum Beruf...