Mit Geld beschmeißen ist aber auch nur ein Notnagel, dadurch wird's für die Beteiligten nicht wirklich besser. Aus eigener Erfahrung: Irgendwann kommt man trotzdem an den Punkt, wo das Geld einfach egal ist (wir hatten mal einen Sommer lang 150% Zuschlag plus €100 steuerfrei pro Überstundenschicht. Am Ende wurde es trotzdem gefährlich). Alt wird man so nicht. Nicht zu vergessen: Des Geldes wegen ist von vornherein niemand in die Pflege gegangen, die Leute ticken prinzipiell anders und bringen ihren Einsatz oft hauptsächlich aus Verantwortungsbewusstsein für Gesellschaft, Patienten und Kollegen.
Aber natürlich ist ein angemessener Lohn auch eine überfällige Aufwertung und Anerkennung. Nur eben nicht nur für Intensivpfleger, das wäre ein weiterer Schlag ins Gesicht für alle anderen und würde den Beruf letztlich noch unattraktiver machen, weil die Verarsche so offensichtlich ist. Es gibt nur einen (insgesamt abgewirtschafteten) Pflegestand, was soll man mit der Unterscheidung nach augenblicklicher "Nützlichkeit"? Kann mir null vorstellen, dass das Gros der Intensivpfleger das überhaupt will, auch in Deutschland hat man in der Pflege allgemein Respekt für alle verschiedenen Fachbereiche, solange es um die sinnvolle Betreuung von Menschen geht.
Auf Sicht hilft nur ein angemessener Personalschlüssel, dadurch streng geregelter und ausreichender Freizeitausgleich, kompetenzfördernde Weiterbildung (=sicherer und deshalb stressfreier Arbeitsalltag) und vor allem ein attraktives Grundausbildungsangebot (fachlich und pädagogisch auf der Höhe, mit z.B. €1800 im 1. Jahr und Aussicht auf ein attraktives Einstiegsgehalt, dazu deutlich weniger reeller Verantwortungslast in der Praxis, wo es heute doch oft nur um's Aushelfen für die Stammbelegschaft und Zeitarbeiter unter Druck geht ("kannst Dich gleich dran gewöhnen")).
Und diesmal auch bitte nicht wieder einfach systematisch in Osteuropa und den Phillipinen billige (aber gute!) Fachkräfte wildern, die werden da gebraucht, wo der jeweilige Staat sich deren Ausbildung auch ordentlich was kosten lassen hat, nur, und dann nach bundesdeutscher Rechnung in die Röhre zu gucken. Üble Nummer von Spahn und Vorgängern.
Los, Karl!