Egal wie schlau oder un-schlau, wie verrückt oder nicht verrückt jemand ist:
Eine Meinung haben darf jeder. Das ist ja das Großartige bei uns. Jeder der nicht entmündigt ist (weil er zum Beispiel geistig zu stark beeinträchtigt ist), darf deshalb auch wählen und auf Demos gehen ohne eingesperrt zu werden. Kommt sogar ins Fernsehen.
So soll das bitte auch bleiben.
Das Einzige was drüber steht, ist der Grundsatz, dass die eigene Freiheit da endet, wo sie andere gefährdet oder ungebührlich einschränkt.
Wenn also 100 Nazis oder Linke demonstrieren wollen, finde ich das inhaltlich nicht gut. Aber ich muss es tolerieren können. Ist auch ein Teil unserer Demokratie.
Scheiben einschlagen? Menschen Angst machen? 0-Toleranz.
In Gruppen keine Maske tragen, als Vorsichtsmaßnahme gegen eine Krankheit, von der wir noch so wenig wissen? Indiskutabel. Man kann eine Maske auch dann tragen, wenn man davon nicht überzeugt ist dass es diese Krankheit gibt, oder dass eine Maske wirkt. Weil es nicht schadet. So wie man 30 fährt vor der Schule, auch wenn man grade keine Gefahr(Kind) sieht. Vorsichtsmassnahme.
Da wünsche ich mir oft, dass diese Grenze viel deutlicher von unseren Vertretern und dem Volk in Form jedes Einzelnen gezogen wird.
Wer Angst davor hat, dass Frau Dr. Merkel vom Satan besessen ist, mag auf den ersten Blick amüsieren. Auf den zweiten habe ich für solche Menschen eher Mitleid, weil der Weg, den sie hinter sich haben, sicher kein angenehmer war, und das Leben jeden Tag eine große Herausforderung sein muss, wenn man das wirklich glaubt. Für viele psychische Erkrankungen gibt es keine einfache Heilung. Und auch nur wenig Hilfsangebote, wenn man nicht so akut krank ist, dass man stationär überwacht und untergebracht wird. Diese Menschen haben ja keine Freude daran, Euch davon im TV zu erzählen wie nen alten Kneipenwitz. Das ist nicht Samstag Nacht. Sie haben Angst.
Angst haben darf man auch (und hat man besonders schnell), wenn man Dinge nicht versteht. Und Menschen die Angst haben, kann man super instrumentalisieren und aufstacheln. Die werden also auch ganz schnell zu Opfern und in Situationen "reineskaliert", die sie gar nicht mehr überblicken. Besonders wenn sie noch viele weitere gesundheitliche Probleme und sorgen haben. Angst auf der Strasse zu kommunizieren ist erlaubt. Das ist auch gut. Wenn man dabei anderen nicht schadet.
Was ich bei all dem komplett vermisse, ist eine Antwort auf die Frage "Für welche Lösung demonstriert ihr denn?".
Gegen etwas zu sein ist ok. Hilft aber 0. Gegen Masken zu sein ist schön, ich bin auch gegen Masken, weil sie mich nerven und Kommunikation einschränken. Ich hab trotzdem den ganzen Tag lang eine auf. Manchmal würde ich auch gern jemanden zusammenschlagen, oder seine Frau mit nach Hause nehmen. Mach ich aber auch nicht. Gibt einfach so Regeln des Zusammenlebens, die sich aus guten Gründen etabliert haben.
Eine bessere Idee zu haben, wie man mit einem Virus umgehen kann, das würde helfen. Hat aber niemand. Trotzdem gegen die momentan beste Idee zu demonstrieren ist - häh?
Das Schlimmste für mich ist:
Wenn jemand dafür sorgt, dass im Ausland eine Zeitung schreiben kann "Nazis stürmen deutsches Parlament", dann schäme ich mich in Grund und Boden.
Und jeder, der sich davon nicht distanziert, auf so einer Veranstaltung nicht laut wird gegen die, die das tun, oder mindestens aus Angst vor der eigenen Unversehrtheit den Platz verlässt, macht sich mitschuldig.
In Berlin waren diese Situationen absehbar. Es ist mindestens fahrlässig, sich einer solchen Veranstaltung anzuschliessen.