Auch auf die Gefahr hin, dass einzelne Schwarzmaler das folgende als Blauäugigkeit verstehen:
Plädiere allgemein für deutlich mehr Gelassenheit (wobei Einzelschicksale hier jetzt mal bewusst ausser Acht gelassen werden):
1.) Viele sind zutiefst schockiert darüber, was sich für sie in den letzten Tagen alles verschärft/verändert hat. Zum Verständnis: Es HAT sich aber kaum etwas verändert, es WURDE (und wird) verändert, und zwar gezielt! Da stecken also handfeste Strategien dahinter, um die Bevölkerung zu schützen.
2.) Die Globalisierung ist erstmal gecrasht, über Nacht ist der quasi-Nationalismus eingekehrt. Macht aber politisch nichts, weil er als notgedrungen und zwangsverordnet erlebt wird. (Sorry, rechter Flügel, habt Ihr Euch anders vorgestellt). Was hier passiert: Der "grosse Haufen" Pandemie wird getrennt, sortiert und in kleineren administrativen Einheiten (Bund, Länder, Gemeinden, Betriebe, Haushalte) abgearbeitet. Je reibungsloser das funktioniert, desto schneller ist die Krise überwunden.
3.) Es steht also der kollektive Gedanke im Vordergrund, das "grosse Ganze", die Solidarität aller miteinander. Die Verantwortung dafür ligt, auch und gerade, bei jedem Einzelnen. Wer das nicht sieht oder bewusst sabotiert ist Teil des Problems und gehört gemassregelt, gesellschaftlich (z.B. Hamsterer) und ggf. juristisch (z.B. unseriöse Kettenbriefler).
4.) Wer genau hinterher (!) die Zeche zahlt, ist noch lange nicht klar. Im Zweifel unsere Ur-Enkel, aber das wäre gewohnt unelegant. Würde also lieber davon ausgehen, dass wirtschaftliche Schlupflöcher weiter oben gestopft werden als dass am Ende Zeltlager für Taxifahrer, Pfleger und Friseusen errichtet werden. Da zählt dann für die Politik nur noch die Stimmung in der Gesellschaft. Aber Autos anzünden kann man dann ja immer noch. Jetzt haben wir andere Sorgen. Nur soviel zur Beruhigung: Von der Staatspleite sind wir sehr weit entfernt, auch Dank Scholzen's schwarzer Null (die allerdings zu einem Teil leider auch auf dem "staatlich geförderten" Pflegenotstand basiert...)
5.) Die jetzt von internationalen Experten offiziell anerkannte tiefe globale Rezession stand nach deren Wissensstand soweiso kurz bevor. Bildlich: Ist wie die Buchsbaumhecke im Garten: stetiges schnelles Wirtschaftswachstum führt jedes mal auf's Neue auch zu strukturellen Verwachsungen, die müssen dann einfach mal weg. Anderes, drastischeres, Bild: Die Globalisierung hat gefressen und gestopft, bis sie einfach mal kotzen musste. Jetzt kommt eben die Zäsur. Das Konsumverhalten von vor der Krise können wir uns also auf Sicht eh abschminken. (Wie bescheuert wirkt es da, sich auf seinen eigenen Einkaufswagen mit Nudeln für 3 Wochen zu konzentrieren?) Aber gerade das grosse Bild birgt viele Chancen. Corona hat das jetzt alles vielleicht ausgelöst, aber bestimmt nicht verursacht.
6.) Jemand fragte, wo die EU in dem Ganzen steht. Antwort: verhältnismässig still und leise im Hintergrund. Und das ist auch gut so, denn wer braucht jetzt noch mehr Meinungen, Anweisungen, Anordnungen aus anderen Richtungen? Jetzt wird auf nationalen Ebenen abgeklärt. Wenn sich der Staub gelegt hat, schnürt die EU den Haufen wieder zusammen. Alles zu seiner Zeit.
7.) Ausblick: in 2 Wochen wird die "Attraktion des Unfalls" nachgelassen haben. Die Hamsterer haben auch nicht unbegrenzt Platz im Haus und irgendwann ist auch mal gut. Dann folgt eine längere Ruhephase, mit Netflix, Playstation, usw. Dann fängt es irgendwann an, den Leuten auf den Sack zu gehen, man fängt an, Regeln zu brechen. Bis dahin muss die Epidemie einigermassen unter Kontrolle sein. (z.B., wenn die Sterberate über den Neuansteckungen liegt, aber da gibt es mehrere Massstäbe).
Fazit: Wir sind jetzt als Gesellschaft nicht in unserer Existenz bedroht, sondern gefragt.
Die Krise bietet unglaubliche Chancen, wenn sich grosse Solidargemeinschaften bilden. "Ex- und Hopp", "Ich, Ich, Ich", solche Haltungen werden zwangsläufig immer weniger gefragt werden. Auf die harte Tour, aber, meiner Meinung nach, immerhin...
Wir sind nicht im Krieg, es hagelt keine Bomben um bewusst Infrastrukturen zu zerstören. Und die Apokalypse findet nur in den Köpfen einiger Spinner statt! Wer sich von denen anleiten lassen will: selbst schuld.
Die öffentliche Ordnung wird aufrecht erhalten werden. Wer zersetzend dagegen angeht, macht sich auf Sicht nur selbst das Leben schwer. Vertragliche Regelungen und Vereinbarungen behalten allgemein ihre Gültigkeit, auch wenn wohl einige obsolet werden und andere neu verhandelt/überarbeitet werden müssen. So einiges wird neu verhandelt werden müssen, tja...
Deutschland hat im Moment einen Riesen-Vorteil gegenüber vielen anderen Ländern: die Bevölkerung ist, im Vergleich, überdurchschnittlich strömungsfähig, seien es Lichterketten oder grüner Strom, man ist häufig auf der gleichen Welle geritten. Verträgliche Meinungen und fortschrittliche Lösungen finden hier oft einen günstigen Nährboden. Sowas ist jetzt gefragt.