Die SS in Weiß oder Rot... Das war das erste Mal, dass man ab Piaggio-Werk zwischen 2 Farben wählen konnte. Das Blau kam ja erst einige Jahre später. Das Weiß sollte die Tradition fortsetzen (alle GS160 waren weiß) und das Rot einfach mal so richtig reinknallen in den damals allgemein doch etwas konservativen Rollermarkt. Da war Rot schon ein ziemliches Statement... Mit klarem Querverweis zu einigen Werksrennern der 50er.
Das Rot passt auch sehr gut in den damaligen Zeitgeist: Die Schwarz/Weiß-Kultur der Nachkriegsjahre war perfektioniert worden, in der Mode, Kunst (z.B. Op Art), Filmen und Photographie. Erst subtil, dann fast schlagartig, explodierten Mitte der 60er die Farben in die kommerzielle Welt... Mods wurden Hippies, Zeitschriften wurden richtig bunt und der S/W Fernseher hatte ausgedient. „A wonderland of colour and of sound...“
Die Zeit der effizienten Massenkonsumvergüterung nach Henry Ford ("Du kannst das Auto in jeder Farbe haben, die Du willst, solange sie Schwarz ist") war vorbei. Die erweiterten Auswahlmöglichkeiten haben den Individualismus entscheidend befeuert, quasi als kommerzielle Konsequenz aus derdamals in den kulturellen Eliten angekommenen Philosophie des Existentialismus ("Du darfst alles") und des von den Amis vorgelebten Überflusses ("Du kannst alles"). Man musste nicht mehr nur für den Aufbau der Gesellschaft arbeiten, man konnte sich jetzt auch selbst verwirklichen. Die Güterrationierung war aufgehoben, es wurde nicht mehr"gegessen, was auf den Tisch kommt". Das Ende der Mangelwirtschaft wurde entsprechend gefeiert, in allen Farben.
Die SS in Rot war genau am Knackpunkt mit dabei. Vorsichtig noch, es gab sie ja auch in weiß, aber immerhin. Ein kleines Stück sehr signifikante Kulturgeschichte.