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pepper_hh

Blechfahrt Africa -> 30.12.2012 HAMBURG !

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Moinsen allerseits !

Oft habe ich mich in den letzten Wochen gefragt, wo all die bisher verstrichene Zeit geblieben ist, seid ich im eiskalten Januar 2011 einen großen Schritt gewagt habe und in Richtung Süden aufgebrochen bin, ohne wirklich einen genaueren Plan zu haben, wo ich überhaupt hin will, wie lange ich dort bleiben möchte und vor allem wann ich wieder deutschen Boden betreten würde. Mir schwebte eine Zeit vor ohne Verpflichtungen, ohne Termindruck, mit der Freiheit alles zu tun was ich wollte ohne irgendjemanden Rechenschaft schuldig zu sein. Was auch kommen mochte, irgendwie würde man schon einen Dreh dran bekommen und wenn man noch so tief dafür in der Trickkiste der Improvisation graben müsse, ich war mental vorbereitet, bis an die Zähne mit Optimismus ( oder war es doch Leichtsinn ? ) bewaffnet und hatte die Wanderlust persönlich im Gepäck, sprich wer mich aufhalten wollte, musste sich warm anziehen, früh aufstehen und danach gut frühstücken. Lange hatte ich die Idee, zu lange hatte ich sie aufgeschoben und nun war es Zeit Nägel mit Köpfen zu machen, zu beweisen, dass ich es ernst meinte und nicht wie die allermeisten nur daher redete eines Tages aus dem Käfig des Alltags auszubrechen und das große Abenteuer durchzuziehen. Das Leben ist zu kurz um auf Worte keine Taten folgen zu lassen und man sollte es für die Dinge nutzen, die einem am Herzen liegen, solange man die Zeit dafür hat oder sie sich irgendwo her nehmen kann.

Einige wenige Leute hier wissen ja wo ich gerade stecke und nun dachte ich mir zum nun leider wegen einem durchgebrannten Netzteil meines Laptops 5 Tage verstrichenen "Jahrestag" meiner Reise könnte ich doch eigentlich mal ein kurzes Lebenszeichen hier im GSF von mir geben, das letzte mal wo ich etwas gepostet habe ist ja nun schon knapp 8 Monate her, zu dem Zeitpunkt verbrachte ich gerade meinen 25. Geburtstag in Mali und genoss ein paar Tage zuvor aus dem Senegal angekommen in Bamako am Fuße des Fluss Niger etliche Heineken mit einer guten Freundin aus Ethiopien.

Viel ist passiert seit dem, 6 weitere Länder habe ich durchquert, unbezahlbare und mich für immer prägende Erfahrungen gemacht, hatte mit etlichen Pannen zu kämpfen und habe es inzwischen bis in die Hauptstadt Kameruns geschafft, wo ich mich gerade mit den Botschaften Gabons, der Republik Kongos und der demokratischen Republik Kongos ( ehemals Zaire ) rumschlage um an entsprechende exorbitant teure Visas zu kommen. Wenn ich teuer sage, bedeutet das in Zahlen knapp 400 Euro für 4 Stempel / Länder !

Je weiter man in Richtung Zentral-Afrika kommt, desto kräfteraubender wird der Fortschritt an Strecke. Was auf der Landkarte nach einem Katzensprung ausschaut, nimmt in der Realität mehrere Tage in Anspruch, eine mit knapp 40kg Gepäck beladene Vespa über mit Schlaglöchern und Matsch gespickte Pisten zu manövrieren lässt die Geschwindigkeit manchmal auf weniger als 40kmh zusammenschrumpfen und dutzende male musste ich in kleinen Dörfern am Straßenrand Unterschlupf suchen oder mein Zelt mitten im Urwald aufschlagen wenn die Tageskilometer Planung mal wieder nicht aufgegangen ist, oft bedingt durch Reifenpannen. Viele Leute fragen mich immer wieder, wie sicher es denn ist, alleine auf einer Vespa durch Afrika zu reisen. Klar muss man gestehen, dass ich schon ausgeraubt, betrogen und bedroht wurde aber alles in einem Maßstab, wie es in Europa ebenso an jeder Ecke passieren könnte und auch täglich passiert. Wenn man einige Grundregeln beachtet, kann man sagen, dass ich mich in Afrika an fast allen Orten sicher gefühlt habe und die Probleme die ich bisher hatte ehr dumme Zufälle waren, wo ich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen bin. Selbst Nigeria incl. das Niger-Delta hat mich entgegen dem schlechten Ruf äußerst positiv überrascht mit unfassbar gastfreundlichen Menschen und erstaunlich unkompliziert korrekten Polizisten.

Einer der vielen Gründe für diese Reise war u.a. das wahre Afrika in seinen positiven sowie negativen Facetten kennenzulernen, ansatzweise zu verstehen wie die Menschen hier ihr tägliches Leben bewältigen, welche Probleme sie dabei überwinden müssen und vor allem wie unterschiedlich die europäische und afrikanische Mentalität wirklich ist. So oft ich dabei auch beeindruckende Gemeinsamkeiten entdeckt habe, unterscheiden sich unsere Kulturen jedoch teilweise enorm, vor allem auf der Ebene wie Probleme gelöst und zwischenmenschliche Angelegenheiten behandelt werden. Täglich stellt mich dieser Kontinent vor neue Rätsel, überrascht in positiver Hinsicht, hält neue Herausforderungen bereit und ich denke man kann sagen, dass darin wohl auch der Grund meiner Faszination für diesen Teil der Welt begründet liegt.

Inzwischen bin ich seit einem Jahr on the road, habe knapp 17.000km Strecke hinter mich gebracht, Antworten auf viele Fragen gefunden, mehr als 700 Liter Sprit verfahren, 13 Länder auf meiner Primavera durchquert und bin trotzdem noch lange nicht an meinem Ziel angekommen, denn obwohl das Motto lautet "der Weg ist das Ziel", werde ich wenn alles glatt läuft innerhalb der nächsten 10 Monate wieder auf eigener Achse in meine Heimatstadt Hamburg zurück fahren. Dabei versuche ich im Moment über Land und auch per Boot auf dem Kongo Fluss in den nächsten 2-3 Monaten einmal durch das Herz Zentralafrikas nach Kenya zu gelangen. Die Route wird der schwierigste und definitiv auch gefährlichsten Teil meiner Reise werden, bedingt durch viele Faktoren von korrupten Polizisten über die einmonatige Reise auf einem in besorgniss erregendem Zustand befindlichen Ponton-Schubschiff abseits jeglicher Zivilisation mit 300 anderen Menschen bis zum von mir zu durchquerenden östlichen Teil der demokratischen Republik Kongo, welcher seid Jahren eines der gefährlichsten Gebiete Zentralafrikas darstellt und praktisch voll unter Kontrolle von Rebellen und zersplitterten Anti-Regierungs Truppen ist. Leider gibt es keine alternative Route und ich muss das Risko in Kauf nehmen ! In Kenya werde ich dann weiter über den Sudan, Saudi Arabien, Jordanien, Syrien, den Nord-Irak und die Türkei über Russland und den Balkan zurück in meine geliebte Hansestadt in der Elbe gelangen !

Was für Probleme und Strapazen auf meiner Route liegen, wage ich noch nicht vorrauszusagen aber einfach wird es nicht werden, soviel steht fest. Ich bin auf mich alleine gestellt, muss die Vespa wenn wieder mal irgendwo am Arsch der Heide etwas abraucht selbst wieder flott machen, zusehen dass ich am Ende des Tages einen Schlafplatz habe, die Route planen und in der Zwischenzeit aufpassen, dass ich nicht von verrückten Kamikaze-Taxifahrern oder jeglichen anderen Straßenteilnehmern über den Haufen gefahren werde, was gerade vor 2 Wochen wieder der Fall war, als mich ein selbiger mit 70km/h beim überholmanöver gerammt hat und ich das Moped gerade noch auf Kurs halten konnte. Wäre das Heck 10cm weiter ausgebrochen, würde ich dank kurzer Hose, Flip-Flips und offenem Klapphelm wohl nicht diese Zeilen schreiben.

Ich hoffe jeder hatte ein paar entspannte Feiertage und konnte optimal ins neue Jahr reinfeiern. Ich selbst habe Weihnachten damit verbracht, auf den 4090 Meter hohen Mount-Cameroon zu klettern, musste danach 3 Tage meinen Muskelkater kurieren und konnte Sylvester dann feucht fröhlich volltrunken mit einigen guten Freunden in Douala verbringen.

An dieser Stelle auch noch ein kurzer HInweis, die Macher des Bands-of-Gold Buches haben einen längeren Bericht von mir bekommen und man darf auf selbigen gespannt sein in Kombination mit etlichen Bildern meiner Reise.

Mir gehts soweit blendend, mich hat es trotz Monaten im weltweit risikoreichsten Malaria-Gebiet ohne jegliche Prophylaxe noch nicht erwischt, das Bier und Leben generell hier ist günstig, das Wetter tropisch heiß, an jeder Ecke hübsche Frauen, das Moped läuft zur Abwechslung mal recht anständig und eigentlich kann ich mich gerade über sehr wenige Sachen beschweren !

In dem Sinne wünsch ich allen einen relaxten Abend, freue mich jetzt schon einige Kollegen hier Ende 2012 endlich mal wieder zu sehen und hoffe für ein wenig Kurzweil gesorgt zu haben ! Lasst euch nicht vom Winter fertig machen, ich würde gerade einiges geben für ein wenig kältere Temperaturen. Für mich ist seid März Sommer und die Durchschnittstemperatur lag seit dem nie unter 25°, meistens allerdings deutlich höher und es wird wohl noch ein halbes Jahr so bleiben auf meiner Route. Wer ein wenig mehr hören will muss noch auf das Buch warten oder kann mir gerne auch ne PM schreiben. Vielleicht nutze ich in Zukunft das Topic hier auch mal um von Zeit zu Zeit kurze Statusmeldungen abzuseilen, mal schauen.

Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an die Leute, die mich vor und während der Reise mit Teilen oder Know-how unterstützt haben und es teilweise auch jetzt noch tun. In alphabetischer Reihenfolge wären das die Firmen Damspeed, Grand-Sport, gelb, Heidenau, Kobold, MMW-Racing, MRP-Racing, das Scooter-Center und Scooter-Zilla.

Beste Grüße aus Yaounde ,

Christoph

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Edited by pepper_hh
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Hey Christoph.

Freue mich schon auf ein Bier mit dir, wenn du wohlbehalten zurück bist. Wann auch immer das sein mag.

Weiterhin gute Reise!

Edited by Brosi

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solltest Du auf Deiner Heimreise in Frankfurt am Main vorbeikommen, steht hier kühles Bier (oder Äppler) für Dich bereit!

Sag aber rechtzeitig vorher Bescheid!

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Der Hammer! Inspiriert von "Long Way Down" war / ist so eine Reise schon immer ein Traum. Wenn Du in HH mal einen Diavortrag machen solltest, wäre ich gerne dabei.

Viel Glück und Gesundheit weiterhin.

Gruss,

C

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hallo Christoph,

was du machst ist ja der totale Hammer, riesen Respekt vor deinem, Mut und deiner Energie.

Ich war selbst in Südafrika, Mosambique, Botswana und Zimbabwe mit dem Pickup unterwegs...

Zentralafrika hätte ich mich nie getraut, das sind andere Welten für uns...

Viel Glück, beib gesund, ich freue mich weiter von deinem Abenteuer zu lesen...

Herzliche Grüße

Bernd

Edited by Bernd K

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