Tendenziell ist dies für mich das Gegenstück zur fehlenden wirtschaftlichen Kompetenz von den Selbständigen, die entweder bald baden gehen oder für immer im unteren Mittelmaß versinken. Alles hat seinen Preis, aber wer für Leistungen den billigsten Preis wählt, bekommt eben oft auch deutlich weniger. Ich bin zum Glück Einzelkämpfer und kann mir meine "Kunden" daher handverlesen aussuchen. Wenn ich zu "teuer" bin, dann sollen die Herrschaften eben zu einem Buchhaltungshelfer gehen und bei der nächsten Betriebsprüfung viel Baldrian nehmen, wenn der ihnen im Zweifel mit den Nachzahlungen den Laden dicht zu machen droht. Ich habe schon so viel Schrott gesehen, was hier "billig" gebucht wurde, dass ich hier locker auf eine Art Darwinismus vertraue
Bezüglich der Betriebe, die jetzt indirekt von der Krise betroffen sind, habe ich offen gesagt allmählich das Gefühl, dass wir wieder zum normalen "Jammermodus" zurückfinden. Als Selbständiger gehört es ja eigentlich zum guten Ton immer etwas zu jammern, damit nicht alle neidisch werden Oder anders gesagt habe ich den Eindruck, dass viele aktuell besser durch die Krise gekommen sind, als anfangs erwartet. Und so gesehen jammern meine Mandanten aktuell "nur" darüber, dass sie in den letzten Monaten tendenziell kein Geld vom Geschäftskonto nehmen konnten, sondern stattdessen erstmals etwas von den Rücklagen aufs Geschäftskonto zurücküberweisen mussten. Also eine Situation, wie man sie aus früheren Krisen noch gut kennt und irgendwo ist dies ja der Grund, warum man seine Finanzen solide planen sollte.
Dass Flugzeuge am Boden bleiben und Autos nicht gebaut werden, weil sie keiner kaufen würde, mag tragisch sein. Da ich hier in diesem Bereich tendenziell aber nur Arbeitnehmer betreue, die teilweise in Kurzarbeit waren bzw. selbst Handwerker, die hier für solche Konzerne tätig waren, nicht daran zu Grunde gehen werden, weil sie noch andere Kunden betreuen, sehe ich hier zwar Einkommensverluste, aber keine Existenzbedrohung.
Dein Hinweis auf die Gastronomie ist aber eine andere Geschichte. Meinen "Kunden" versuche ich ständig "Unternehmergeist" inzuimpfen und das hat hier auch Früchte getragen. Auch wenn der Außerhausverkauf keine massiven Umsatzeinbrüche völlig verhindern konnte, war sich keiner meiner "Schäfchen" zu schade dafür auch diesen Weg zu gehen. Jetzt war es anfangs schwieriger und wird es noch teilweise etwas bleiben. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass auch hier in der Überzahl so viel Geld erwirtschaftet werden kann, dass Betriebe sich in die Zeit nach Corona hinüberretten können.
@Champ
Wir sehen beruflich oft hinter die Fassade und das Alter spielt hier in Wahrheit keine Rolle, ob jemand verschuldet oder stinkreich ist. Ich habe schon junge Leute Anfang zwanzig erlebt, die so viel Unternehmergeist besaßen, dass die innerhalb kürzester Zeit mehrere Immobilien besaßen und ihre Unternehmen in einem Tempo ausgebaut haben, wo mancher gestandener Unternehmer nur davon hätte träumen können. Und genauso gibt es die jungen Spinner, die sich als erste betriebliche Investition einen Benz oder etwas ähnliches anschaffen und teilweise bereits durch die monatlichen Raten in Schieflage geraten, wie umgekehrt auch die Generation Ü50, die das Gefühl haben sich endlich mal etwas "gönnen" zu müssen und den gleichen Fehler begehen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die kalte Progression und die hohe Abgabenlast in Deutschland es schon erschweren viel Geld auf die Seite zu sparen.