Es mag sein, dass es bezüglich Elektromobilität bei vielen eine negative Grundstimmung gibt. Ich selber kann mich davon auch nicht ganz freisprechen, obwohl ich eigentlich absolut kein Aluhutspinner bin, der hinter allem, was neu und anders ist, die große Volksverarsche sieht.
Aber das hängt einfach damit zusammen, was viele in der Elektromobilität sehen. Das E-Auto wird ja nicht als dritte Alternative zu Benzin und Diesel präsentiert. Nein, urplötzlich wird der Verbrennungsmotor, der immer so selbstverständlich zum Auto gehörte wie Räder und Fahrersitz, zum umweltschädigenden Anachronismus erklärt, den es schleunigst zu eliminieren gilt. Zylinder sind in der Radiowerbung von (ich glaube) Renault "nur noch ein alter Hut". "Die Zukunft fährt elektrisch" und das möglichst noch autonom.
Das finde ich persönlich sehr ärgerlich. Nicht nur, weil der Verbrennungsmotor eine Technologie ist, für die ich Sympathien habe, sondern auch, weil ich hier zahlreiche Vorteile sehe, die ich beim E-Auto nicht erkennen kann. Als Student zum Beispiel hatte ich einen alten Renault. Die Karre hatte ich für wenige Hunderter dem hochbetagten Vorbesitzer abgekauft, mit wenig finanziellem und viel persönlichem Einsatz über den TÜV geschraubt und mehrere Jahre gefahren.
Wie mag das wohl werden, nachdem die vielbeschworene "Verkehrswende" vollzogen wurde? Können sich Studenten, bzw. die alleinerziehende Mutter mit dem Halbtagsjob oder der Opa mit der kleinen Rente dann immer noch ein Auto leisten? Oder sind alle, die nicht mindestens über ein mittleres Einkommen verfügen dann von individueller Mobilität ausgeschlossen? Man weiß es nicht, aber wenn ich mir die heutigen E-Autos so anschaue, vermute ich, dass wir dann alle weniger und schlechter fahren und dafür wesentlich mehr Geld bezahlen werden.
Auch andere Dinge sorgen dafür, dass ich dem Thema nicht viel abgewinnen kann. Da kündigt VW-Chef Diess an, seinen Konzern zum Ökoprimus zu machen. Damit das gelingt, fordert er dicke Subventionsprogramme, im selben Atemzug kündigt er einen massiven Personalabbau an, da die Fertigungstiefe bei E-Fahrzeugen ja geringer ist. Okay, das ist vielleicht eher ein Beispiel für die Selbstgefälligkeit des Kraft-durch-Freude-Konzerns, als dass es jetzt gegen Elektromobilität an sich spricht, aber irgendwie auch wiederum ein nerviger Teilaspekt eines nervigen Themas.
Diese Liste könnte ich locker fortsetzen, aber das erspare ich euch, der Beitrag ist eh schon zu lang.
Man fragt sich nur: Wofür das ganze? Für einen ökologischen Vorteil, bei dem immer noch nicht ganz klar ist, ob er überhaupt existiert? Das kann es doch echt nicht sein...
Alles in allem ist es jedenfalls ein Thema, an dem man schwer vorbei kommt, wenn man sich für Autos interessiert. Daher haben die meisten eine relativ starke Meinung dazu, und die ist nicht immer positiv. Damit wirst du wohl leben müssen, wenn du ein "allumfassendes" E-Auto-Topik eröffnest.