Kürzlich, vor ein paar Tagen, hieß es im Dorf im Bodenseehinterland, man trifft sich beim Alois im Heizungskeller.
Mit zwei Kumpels schlugen wir gegen 19 Uhr an besagtem Ort auf und tatsächlich führte die Tür im Hinterhof zu einem Heizungskeller. Zwischen Heizkesseln stand eine Kücheneckbank aus Holz und darüber hing ein Pirelli-Tittenkalender von 19xx. Anscheinend war der Treff im Heizungskeller eine Institution, die bisher an mir vorbei gegangen war.
Ein paar Dorfalkis waren auch schon da und dann gings abrupt und ansatzlos "hoch die Tassen". 2 Stunden später hatten alle die Lampen an und wo ich mich anfangs konzentrieren musste, den Dorfdialekt in seinen Feinheiten zu erfassen, war ich nach den 2 Stunden topp drauf und sprach und verstand nahezu perfekt.
Ohne dass ich wußte wie, saß ich plötzlich auf der Rückbank eines Kfzs auf dem Weg in eine ca. 15km entfernte und bewirtschaftete Hütte, sollte dort doch eine aus dem österreichischen Burgenland eingeladene Combo, feinste Polkamusik zum Besten geben.
Seit den Tagen von den Sex Pistols, Ramones, Sisters of Mercy, Joy Division, Nirvana, Rage against the machine u. ä., war ich ein riesen Fan von Polkamusik und kotzte demzufolge im hohen Bogen, wenn ich solche Bläser auch nur von Weitem zu sehen bekam.
Allein es war zu spät, ich willenlos und angetrunken.
Nur mit Mühe kamen wir den Berg zur Hütte im Schneetreiben hochgefahren (der Fahrer hatte zum Glück nichts getrunken), lag dort doch ordentlich Schnee auf den Wegen. Innen lange Tische längs vor eine Bühne stehend und fesche Madeln mit dicken Okolyten hatten sich schon in Position gebracht.
Erst mal alle an die Bar und weils so kalt draußen war, ein paar Runden Obstler gestürzt.
Merke: "Niemals Schnaps saufen, außer es wird welcher angeboten."
Und prima, aus dem Dorf waren ne Menge Bekannte auch anwesend und alle - außer uns - im Trachtenoutfit. Und weiter gings schnell und unkontrolliert wieder ans Bier, während die Burgenländer die Polka krachen ließen. Das gesamte Dorf war text- und melodiesicher und wir drei Reingerutschten dann mit zunehmender Zeit auch.
Am Ende weiß ich nur noch, dass ich in einer riesigen Vesperplatte aus Schinken und Käse gelandet bin, die sich in anderer Konsistenz am nächsten Morgen neben meinem Bett zuhause im Erbrochenen wieder fand.
Wie ich ins Haus meiner mir Angetrauten zurückgekommen bin, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest hatte ich noch alle Klamotten an und auch die Schuhe, als ich am nächsten Morgen im Bett aufwachte.
Blöd war, dass dann Sonntag war und ich am Tag zuvor versprochen hatte, mit meinem Augenstern den Tag auswärts zu verbringen. Das musste leider verschoben werden, da ich einen Schädel wie ein Rathaus hatte und noch um 15 Uhr mit Schweißausbrüchen (heiß/kalt) im Bett lag.
Das sind so Abende, die ungeplant und spontan in der Volleskalation enden, obwohl man es gar nicht wollte. Immerhin, seit vorgestern sprechen wir wieder miteinander und sie lächelt dann und wann.