Vorbei ist's mit der Besinnlichkeit. Die Ausbaustufe IV des Athena 80 steht an....
Was ist der Plan? - ein letztes Aufbäumen des kleinen Rollerzylinders bevor er durch einen großvolumigeren Kollegen ersetzt wird. Grundsätzlich möchte ich ihn ja nicht für die Tonne fräsen, aber wer weiß was da nun rauskommt....
Vorbilder für die leistungsorientierte (drehzahlorientierte) Kanalgestaltung gibt es ja einige (Falc Top of Evo RR, GTM, DEA, MXS GP90, Roost Havoc, Bidalot WR 50, 70, 96, etc.) und keiner dieser Zylinder wurde Stück für Stück aus einem "nichts" herausgebastelt, sondern mit ähnlicher Kanalgestaltung wie nun im Verkauf erstausgeführt und dann erst bis zur aktuellen Ausbaustufe hin verbessert.
Die Stufe IV des 80er Athena ist nun die neue Ausgangsbasis. Vielleicht funktionierts auf Anhieb recht gut, vielleicht scheiße. Mir ist dabei völlig klar, dass kleine Veränderungen großes Ausmachen (können), aber irgendwo muss man anfangen und das ist hier und jetzt.
Wenn es, wider Erwarten, garnichtmehr läuft kommt der Zylinder weg und der Motor wird (Straßentauglich) mit einem neuen Zylnder aufgebaut. Wenn die Stufe IV fruchtet gehts weiter bis irgendwas aufgibt und dann wird ein neuer Zylinder draufgebaut
Wo lag das Problem bisher? - der Zylinder (Motor) hat einfach zu wenig Leistung und verbraucht dabei deutlich zu viel für das was er liefert. Unter 6 Liter auf 100km kommt man nicht. Bei ständig Volldampf kommt man knapp 50 bis 60km mit 5L.... Der Zylinder und der Auspuff harmonieren leider einfach nicht miteinander. Der Auspuff braucht nach meinem Empfinden und ich denke der Erbauer denkt da ähnlich, mehr Fläche von allem und dafür zahmere Kanalgestaltungen (wie eben bei einem Polini HP75). Das ist aber bei dem Zylinder, auch wegen dem 45x45 Stehbolzenabstand kaum möglich zu realisieren. Durch meine bisherige Fräserei hat sich das nicht so wirklich verbessert, die Spitzenleistung ist zwar geringfügig gestiegen, aber das Band hat deutlich gelitten. Das Ganze wird sich auch nun nicht verbessern, eventuell noch durch die größere Überströmerfläche, aber ein anderer, deutlich schärferer Auspuff ist hoffentlich bald am Start und dafür wird der Zylinder nun vorbereitet. Wobei der Auslass noch so bleiben soll wie er ist, da ein Microares Test schon noch durchgeführt werden soll um die Veränderungen 1:1 am gleichen Restsetup wie bisher zu erkennen.
Die einzelnen steps und die Gedanken dazu:
- Kolbenfenster (check): Hilft zumindest der Kolbenkühlung und vielleicht auch der Füllung des Kolbeninneren mit Frischgas
- Boyesenports durch die Stehbolzen (check): Da der Motorblock unbearbeitet ist und die Überströmereintritte dort etwas beengt sind, helfen die Boysenports vielleicht für eine bessere Frischgaszubringung zu den Überströmern; eine weitere Hilfe zum Öffnen der Membran sind sie bei dem riesen Einlass wohl eher nicht
- Zusatzstützkanäle "C" einarbeiten (check): bessere Zylinderfüllung (mehr Überstromfläche) und Spülhilfe
- Hilfsüberströmer "B" radialer ausspülen lassen und leicht nach oben winkeln (axial ~11°) (Spülwinkel vorher: 90° zur Laufbahn) (check): insgesamt geringfüg mehr tatsächlich genutzte Port- Fläche
- Hauptüberströmer "A" nach oben winkeln (axial ~18°) (Spülwinkel vorher: 90° zur Laufbahn) und fläche vergrößern (check): (Kolbendachwinkel:~7,4°) Spülhilfe um das sich im Zylinder im Kolbenbereich sammelnde Frischgas schneller zu einer Spülung zu bewegen anstatt es in den Auslass "fließen" zu lassen; mehr genutzte Fläche (auch als Auslgleich wegen Verengung durch höheren Einströmwinkel)
- Seitliche Boostport("D")wände radial an die Laufbahn anstellen (check): sauberere Spülung des Boostportes (axial Winkel: 60°)
soweit so gut. Ich denke aktuell ist das gute Stück zu ~75% fertiggestellt und folgendes muss nun noch gemacht werden:
- alles noch ein bisschen versäubern: Außer man sieht sich den neuen Barone Zylinder an, dann passts schon längst....
- die neuen "C" Kanäle noch weiter weg vom Auslass richtung "A" Strömer ausrichten: Sie spülen aktuell direkt (treffen sich) über den(m) Auslass, sofern sie nicht von den "B" Strömern abgelenkt werden. Ich denke sie sollten eher die Einströmung der "A" Strömer bremsen, aber dabei bin ich mir leider echt nicht gänzlich sicher, jedes Vorbild ist da anders.
- Alle Kanäle abgießen und etwaige Asymmetrien erkennen und beheben -> darauf achten, dass die "A" Strömer sich richtung Laufbahn hin als einziges leicht verengen und alle anderen sich vom Querschnitt her leicht öffnen
- Den divider zwischen "A" und "B" kürzen, sodass die Boyesenports leichten "Zugriff" auf beide haben
- Time area Rechnung durchführen. Ich habe drei verschiedene Berechnungstools und ein jedes liefert andere Ergebnisse- das muss ich wohl doch manuell angehen.
Wie habe ich das bisherige durchgeführt?
- Fräsen: Hängemotor, biegsame Welle und zwei Handstücke (3mm & 2,35mm) mit verschiedenen Fräsern, wobei der kleine Kugelfräser und ein Tropfenfräser meine besten Freunde sind
- Messen/Prüfen: Gesamt wurde bisher für Stufe IV knapp über 15 Stunden gefräst und gut 10 Stunden in die Überprüfung des gefrästen investiert. Optische Prüfungen wurden mit einem Wasserschlauch(strahl) in den jeweiligen Kanälen sowie mit an die letzten paar Millimeter (4mm) der Kanalwand angelegten Holstückchen durchgeführt. Der rest wurde bisher so gut es geht ausgemessen und hingerechnet.
Nun aber Bilder live aus dem Schlachthaus...