Nennt mich Dirk (Diggler).
Es war anno 2007 und die Stuttgart Scooterists waren noch existent. Ein paar der wildesten Horste wie Philipp, Sven, Martin, Maic, Bazi-Bernd (Vesperados) und ich (seinerzeit zwar Vollmitglied bei den Stuttgart Scooterists, aber ohne je eine Anwärterprüfung absolviert zu haben) hatten uns zusammengefunden, um an dem legendären Run auf der Isle of Wight/England teilzunehmen.
Da die Fahrt von Stuttgart aus mit den Rollern sehr weit gewesen wäre und keiner von uns auch nur im Ansatz einen Roller zustande gebracht hätte, der die weite Strecke pannenfrei geschafft hätte, mieteten wir uns per Europcar zwei Mercedes Sprinter, packen jeweils 3 Roller in jeden Sprinter, kauften unterwegs in Belgien mehrere Bierfässer und palettenweise Dosenbier und fuhren über Dünnkirchen/Belgien mit der Fähre nach Dover/England.
Ich hatte meine damalige Lambretta GP200, genannt "Blauer Klaus", am Start bzw. im Sprinter.
Anmerk.: Die Machart des Fotos ist beabsichtigt. Jedes Teil im Hintergrund wurde mit Bedacht ausgewählt und arrangiert. Nichts ist zufällig und alles hat eine Bedeutung.
Unterwegs auf der Fahrt wurde mir von Philipp ununterbrochen angekündigt, dass auf der Isle of Wight meine nachzuholende Anwärteraufnahmeprüfung stattfinden würde und ich mich ordentlich auf etwas gefasst machen müsste.
Quadrophenia wie wir waren, wollten wir in Dover angekommen, per Roller dann über Brighton und eine Schlägerei mit den dreckigen Rockern, weiter nach Portsmouth und dann rüber auf die Isle of Wight.
Ich überspringe viele Begebenheiten wie einen Vollsuff mit Dünnschiss in Dover im Flagship (Hafenkneipe) und die Sichtung von gut 30 Öltankern, aufgereiht wie an einer Perlenkette im Ärmelkanal, die aber nur aufgrund der Promillezahl eines Rollerfahrers aus dem Allgäu vorhanden waren.
Vier Mann fuhren ab Dover mit den Rollern, während zwei Verlierer die beiden Sprinter bis zur Isle of Wight manövrieren mussten, was den Sprinterfahrern aufgrund des Linksverkehrs und Dosenbier massiv schwer gefallen ist.
Auf der Isle of Wight angekommen und kaum waren die Zelte auf dem Campingplatz gestellt, kam Philipp mit der Anwärteraufnahmeprüfung um die Ecke. Ich sollte mich komplett entblößen und dann einen beschissenen String-Tanga anziehen, der an der geilsten Stelle in Form eines - keine Ahnung - Ameisenbären mit Rüssel ausgebildet war. Das Ganze hatte kaum Mallorca-Schinkenstraßenniveau. Das war jedoch noch nicht alles, denn ich sollte in diesem Aufzug zwei Runden um diesen wirklich sehr ausgedehnten Campingplatz joggen, dann wäre die Prüfung bestanden.
Ich bin von klein auf geübt, mich zum Vollidioten zu machen, aber das war nun wirklich kein Spaß. Unabhängig davon, dass man kaum so viel saufen kann, als dass man so einen Kack mitmacht, trankt ich Unmengen an Bier und Schnaps und war dann nach 1 Stunde einigermaßen mutig.
Kaum hatte ich das spärliche "Beinkleid" angelegt und war los getrabt, versammelten sich ca. 300 Engländer, ein paar Schotten, Italiener und sonstige Continentale an den Rändern des Campingplatzes und brüllten und johlten mir zu. Das Beste was ich zu hören bekam war „Run, Forrest, Run!“ und die zwei Runden dauerten sehr lange 10 Minuten.
Nachdem ich es geschafft hatte, waren der mitgereiste Allgäuer und ein unbekannter Engländer derart geil geworden (lag 100%ig an mir), dass beide sich spontan ebenfalls entblößten. Der Allgäuer behielt dabei seine Unterhose in Animalprint an, der Engländer leider nicht.
Wie unschwer vorstellbar, soffen wir uns alle nackt annen Grund und schenkten vor Freude das berühmte Schleusenwasser (Schnaps mit Chili und Salzsäure) der Stoneheads an einige Engländer aus.
Ich hatte seinerzeit eine Snetterton-Sitzbank montiert, die mir Philipp, als er bei mir kurz als Sozius mit fuhr und wir auf dem Rückweg noch beim Ace-Café vorbei rollerten, mit seinem dicken Hintern hinten platt gedrückt hat.
Was gäbe ich darum, das Ganze 2021 oder wann auch immer nach diesem beschissenen Corona wiederholen zu können.