Oh wie schön, eine Triggerliste am freien Morgen. Na, dann wollnwirma.
Als Akademiker habe ich entweder aus privater Neigung, oder aus beruflichem Interesse, ein spätestens vor der Diss(-ertation, der Diss folgt noch) klares Forschungsfeld, in dem man sich nachweislich mehr oder weniger gut hat bestätigen lassen. Angenommen, ich habe ein klar definiertes Problem, aber keine bis vage Vorstellung der Ursache: Was wäre zu tun? Schlägt man das Internet/die Gelben Seiten auf, und sucht sich die erstbeste Anlaufstelle, auf Vermutung anderer, die nachweislich genauso wenig wissen wie man selbst? Läuft man die Stadt ab und fragt bei jedem Laden, bei dem irgendein Roller davorsteht, nach Rat? Oder schaut man sich erst die Website an, ruft kurz durch, ob man dort auch richtig ist? Recherche, Empirie (wenn man's wirklich wissen will und sich holzwurmartig in die Materie reinknabbert), you name it. Wie würde der BMW C1 Rollerfahrer im Forum für klassische Zweiventiler-BMWs aufgenommen werden? Wie würde der Schlagende-Verbindung-Student empfangen werden, der sich in das AntiFa-Café des besetzten Hauses verirrt; der Banker in der traditionellen Psychobilly-Kneipe?
Lesen hilft, immer, denn der bon sens soll ja cartesianisch verteilt sein, nicht wahr? Daher hat es sich als gängige Praxis bestens bewährt, erst mal die FAQs, die Beschreibung der Haupt- und Unterforen reinzuziehen. Welche exakt für diesen Zweck erstellt sind. Spätestens da kommt der nachdenkliche Mensch zu der Erkenntnis, dass er mit seiner GTS125 hier keine Dose auf dem Jahrmarkt der Blechrollereitelkeiten schießen wird, und wendet sich der nächsten (Internet-)Adresse zu. Man muss schon etwas merkbefreit oder schlicht zu faul sein, um sich nicht einfach einzugestehen, dass man sich den denkbar ungünstigsten Ort für sein Anliegen ausgesucht hat. In einem Quentin Tarantino Stunt wäre das der Moment, wo sich die Antagonisten einem nach dem ersten Moment der Verwunderung zuwenden, und die Tür nach draußen leider nicht mehr aufgeht. Ha, ha!
Jetzt zur Liste, das geht schnell:
Fortschritt ist ziemlich sexy, dazu bitte die regelmäßig vorgestellten Forschungsarbeiten in Form von Leistungskurven und technischen Angaben, dokumentiert im Bewegtbild bei besonders spektakulären Ergebnissen, zur Kenntnis nehmen. Was hier an Literleistungen rausgekitzelt werden, möchte ich erst mal in einer anderen Domäne zeitgenössisch gleicher MarkenkollegInnen belegt sehen. Eine EZ vor/um 1990 hat bei der Legalisierung des zuvor beschriebenen eminente Vorteile. Aber auch Teile mit BJ post 90 werden hier regelmäßig goutiert und verheizt. Bei Zündungen und Lichtmaschinen, LED Licht und Leistungsprüfständen, also der praktischen Anwendung von Elektronik und Elektrik, wird hier viel entwickelt und eingesetzt, sogar im Forum als Kleinserie angeboten und vertrieben. Eine regelrechte DIY Kultur, mikroökonomisch agierend, von und für seinesgleichen, die manche sogar in Folge zur Selbständigkeit führt. Von, für, Traum, ukwis.
Posertum gibt es überall, es ist soziologisch und semantisch entsprechend kodiert, unter seinesgleichen nach Regeln goutiert, und das Posen von jenen, zu denen man ein subkulturell etabliertes Distinktionsverhalten betreibt, entsprechend geächtet. Dass man mit einem hochexklusiven, hochpreisigen Gefährt, dass selbst meine Oma als Statussymbol klar identifizieren kann, in einer DIY und low budget Kultur nix reisst, ausser sich zum Gespött bis zum Hasssubjekt macht, bedarf hoffentlich keiner weiteren Ausführungen.
Zum Thema: Kaputt blablabla selbst schrauben blablabla. If you didn't build it, you don't own it. Customizing. Darin sind sich alle Szenen, Subkulturen, Kohorten gleich. Muss man das wirklich noch erklären?
Zum Thema Attraktion of the same or opposite sex durch Statussymbole, unabhängig davon, ob diese populär oder spezifisch sind: Wer's braucht, wer's kann, wer's mag … bitte. Warum sollte das GSF anders als die übrige, restreale Gesellschaft sein? Und ist das zu kritisieren oder soll man sich darüber amüsieren, darin reüssieren?
Im GSF gibt's viel Platz für jene, deren Anliegen hier wie GSF-üblich diskursiviert wird. Anders geartete Anliegen sind tatsächlich woanders besser aufgehoben. Eine allseits bekannte Suchmaschine bringt bei der Suche nach "vespa motoroller forum" im ersten Treffer ein Forum, in dem es tatsächlich u.a. um die GT, GTS, LX et al Modelle geht. Warum man sich hier her verirrt, und dann nicht merkt, dass man hier falsch ist, vielmehr noch sich ob der Rauskomplimentierung beschwert und bräsige, tabloide Behauptungen aufstellt, kann ich alleine deswegen nicht nachvollziehen. Das prangere ich an!
Zuletzt: Ich finde den Umgang im GSF sehr angenehm, hilfreich, erkenntnisreich, zumindest was meine Erfahrung und Partizipation betrifft.