Vielen Dank
Bevor ich auf die Thematik "Furcht vor banalen Antworten in diesem Zusammenhang" eingehe, vorweg noch kurz das Folgende.
Dass Precht medial recht präsent ist und zu vielem (ich würde nicht soweit gehen und sagen "zu allem") eine Meinung hat, ist nichts Besonderes. Der große Philosoph Voltaire, der viel Zeit am Hofe König Friedrich II. von Preußen verbracht hat, hat im Rahmen seiner Möglichkeiten zu der damaligen Zeit seine "mediale Präsenz" mehr als ausgeschöpft und was ich so lese, ebenfalls zu vielem einen Meinung gehabt. Die Menschen, die zu vielem eine Meinung zu haben, wenn diese (wenigstens weitgehend) fundiert ist, sind mir persönlich sehr viel lieber als diejenigen, die nie eine Meinung zu irgend etwas haben oder fast noch schlimmer, dauernd eine Meinung haben, aber diese selten behämmert hergeleitet wird.
Da sehe ich einen Precht lieber im TV als z.B. Robert&Carmen Geiss, die leider immer und zu allem eine Meinung haben, die leider immer und zu jeder Zeit unerträglich dumm ist, was ihren Erfolg in monetärer Hinsicht jedoch nicht schmälert. Allerdings bin ich geistig ziemlich limitiert, so dass ich nicht selten eher Robert&Carmen Geiss folgen kann, als jeder Ausführung von Precht. Was aber die Ausführungen von Precht deshalb nicht schlechter machen muss.
Kant war sicher medial nicht sehr präsent, da er ja angeblich Königsberg nie verlassen hat. Trotzdem war er auch Professor an der Universität in Königsberg und publizierte. Tja und Sokrates und Platon waren wichtige Stimmen in Athen, sprachen und lehrten dort öffentlich und gehörten, was Sokrates anbelangte, der Volksversammlung an und waren für damalige Verhältnisse "medial" durchaus präsent.
Ob in der Philosophie nur das Gültigkeit haben kann und darf, was mit "gescheiter Methodik" gefunden wurde, möchte ich ebenfalls insofern kritisch beleuchten, als dass ja gerade das Wesen von Philosophie u.a. ist, bei aller zur Verfügung stehender und entwickelbarer Methodik auch zu einem Rest unmethodisch bleiben zu dürfen.
Ich kann nur so viel sagen, dass ich mich an verschiedenen Werken u.a. von Kant und auch von Hegel versucht habe. Manches, wenigstens bei Kant, war ich in der Lage mit meinem eingeschränkten Geist zu erfassen und im ein oder anderen Fall sogar auch methodisch zu verstehen. Bei Hegel muss man über Nerven wie Drahtseile verfügen, um nicht nach 50-70 Seiten Lektüre unverzüglich in der Klapsmühle zu landen, weil man (ich) nach dem 20. Mal des wiederholten Lesens von Passagen nichts aber auch gar nichts verstanden hat. Weder den Sinn noch die Methodik, falls es Zweiteres gab.
Ich verfüge nicht über Nerven wie Drahtseile und schreibe daher diese Zeilen direkt aus dem 5. Stock der geschlossenen Abteilung des Zentrums für Psychatrie Konstanz-Reichenau.
Ich habe diese "Verwurstelung" (in seiner negativen Konnotation) von Evolutionstheorie, Entwicklungspsychologie, Hirnforschung, Astronomie und ggf. weiterer bei Precht so nicht wahrgenommen. Ich habe nicht immer alles verstanden, aber das ist etwas anderes, zumindest was mich betrifft.
Was die Furcht vor den banalen Antworten anbelangt, so glaube ich nicht, dass es von denjenigen banale Antworten geben wird, die sich auf nicht banale Weise mit den Fragen und in der Folge mit den Antworten auseinander setzen. Wobei im Grundsatz eine banale Antwort keine schlechte Antwort sein muss, aber es ist - zumindest was meine Beobachtungen angehen - eher selten, dass sehr komplexe, nicht triviale Fragen der Menschheit am Ende in einfache, banale Antworten münden.
Ich glaube viel mehr, dass die Menschen sich gar keine banalen Antworten leisten können. Zum einen überzeugen banale Antworten meist nur diejenigen, die banale Antworten brauchen und zum anderen sind die Fragen und Probleme der Menschheit zu schwierig und zu komplex, als dass es darauf banale Antworten geben darf.