Keine Ahnung, ob das für jemand im Forum interessant ist. Ich habe meinen ersten Roman fertiggestellt. Hier ein kleiner Ausblick : Keine gute Geschichte fängt jemals damit an, dass ein Mann in seinem ergonomischen Bürostuhl sitzt und eine Tasse Fencheltee trinkt. Gute Geschichten brauchen glühende Kolben, den Gestank von verbranntem Zweitaktöl und die absolute Bereitschaft, alles gegen die Wand zu fahren. Kai Ritter ist 43, Versicherungsvertreter aus Kempten und seit Kurzem unfreiwilliger Single. Sein Leben war bisher so aufregend wie eine Raufasertapete in Altweiß. Beim Ausräumen der Bar seines verstorbenen besten Freundes Miguel findet er dieses eine Foto: Miguel, 1973, auf einer schneeweißen Vespa GS150 mitten in der glühenden Hitze von La Mancha. In diesem Moment, zwischen alten Bierdeckeln und der stickigen Luft einer leeren Kneipe, wird Kai klar, wie tief er eigentlich in seiner Midlife-Crisis steckt. Um Miguel zu ehren, trifft er eine Entscheidung, die jeder Vernunft widerspricht: Er wird genau so eine Vespa in Spanien finden. Der Haken? Kai hat keinen Plan, von Rollern keine Ahnung und saß in seinem ganzen Leben noch nicht mal auf einer Vespa. Ein wunderbares Rezept für totales Chaos. Er findet das Teil tatsächlich irgendwo im spanischen Hinterland, aber der Deal ist gnadenlos: Die Kiste wird nicht geliefert. Er muss sie auf Achse nach Hause fahren. Durch halb Europa, bis zurück ins Allgäu. Was soll schon schief gehen, oder?! Was folgt, ist ein skurriler Höllentrip. Kai verbrennt sich unter der Sonne Spaniens, verliert seinen Geldbeutel und phasenweise jede Form von Selbstachtung. Er stolpert von Panne zu Panne und von einem bizarren Abenteuer ins nächste. Aber irgendwo zwischen öligem Dreck unter den Fingernägeln und dem Dauerregen am Brenner findet er nicht nur eine alte Blechkiste, sondern ganz langsam auch sich selbst wieder. „Out of Office“ – Ein Roman über das Glück des Scheiterns und die Freiheit, die man erst findet, wenn man endlich aufhört, alles vorher in Excel zu planen. Das Buch basiert auf zwei meiner realen Reisen und echten Erfahrung aus meinen 12 Jahren auf großen Touren. Viele der Charaktere basieren auf Bekannten von mir. Wer Lust auf Fernweh, Zweitakt im Blut und ein bisschen Scheitern (mit Stil) hat schaut mal rein: https://amzn.eu/d/eG5JtPK P.s: Diesmal auch als E-book erhältlich! Und hier eine Leseprobe: PROLOG (Disco Inferno)Ich kauerte in der engen, schmuddeligen Kabine einer Gemeinschaftsdusche des Hostels „Paraiso" in Gandia – wobei „Paraiso" vermutlich das spanische Wort für „Ort, an dem Träume und persönliche Hygiene zum Sterben gehen" ist. Jede Berührung des Wasserstrahls fühlte sich an, als würde man mir mit einem stumpfen Messer die oberste, glühende Hautschicht langsam vom Fleisch schaben. Ich war gerade erst unter dem Strahl hervorgekommen. Das Wasser war nicht einmal heiß gewesen, aber auf meinen Unterarmen hatte es sich angefühlt wie flüssiges Blei. Jetzt beobachtete ich, wie die letzte dunkle, ölige Brühe von meinen Ellbogen in den Abfluss rann – der verdichtete Dreck und der Zweitakt-Qualm von hundertachtzig Kilometern spanischer Landstraße, gemischt mit dem schwarzen Schmodder aus Lolas Motor. Ich starrte auf meine Füße auf dem nackten Beton und presste die Lippen zusammen. Ich war mir sicher, dass meine Zehen bereits im Takt der Fußpilzsporen juckten, die hier vermutlich seit der Ära von Generalisimo Franco eine eigene, stolze Zivilisation gegründet hatten – inklusive kleiner Flaggen und einer strengen Grenzpolitik. Meine Haut war nicht mehr meine Haut. Sie war ein brennendes, tiefrotes Territorium, das die Sonne von La Mancha als ihr Eigentum markiert hatte. Mein Nacken, meine Unterarme, meine Knie – alles on fire. Der Rest meines Körpers? Weiß wie die gekalkten Wände der Windmühlen, an denen ich heute vorbei gerollt bin. Ich sah aus wie ein stümperhaft lackiertes Warnschild: Oben Gefahr, unten Käse. Mit zitternden Fingern griff ich nach der Tube Aloe Vera, die ich vorhin in einer Apotheke am Hafen gekauft hatte. Die Apothekerin hatte mich angesehen und die extra große Tube gewählt. Sie musterte mich wie einen Verkehrsunfall, bei dem man nicht weiß, ob Krankenwagen oder Gnadenschuss angebracht wäre. Ich klatschte das eiskalte, grün-glibberige Gel auf meine glühende Haut. „Aaah … oh Gott … jaaaa …", stöhnte ich. Es klang weniger nach Erleichterung und mehr nach einem äußerst verstörenden Casting für einen Low-Budget-Erotikfilm aus den Achtzigern. Genau in diesem Moment wurde ein anderer schimmeliger Duschvorhang zur Seite gerissen. Ein hagerer Brite mit Sonnenhut und Union-Jack-Badeshorts starrte mich an. Er hielt eine Zahnbürste in der Hand und sah mich mit einer Mischung aus Abscheu und englischer Höflichkeit an. „Everything alright there, mate? Sounded like you were having … a moment", sagte er trocken. Ich erstarrte, die Hände voller grünem Glibber, halbnackt und rot wie ein Hummer. „Aloe Vera", krächzte ich. „Sunburn." „Right! Lovely", murmelte er und verschwand kopfschüttelnd Richtung Waschbecken. Um die Scham zu übertönen, rammte ich mir die AirPods in die Ohren. Ich brauchte Ablenkung. Der Shuffle-Algorithmus, dieses emotionslose digitale Arschloch, hatte ausgerechnet jetzt seinen großen Moment. [Now Playing] The Trammps – Disco Inferno („Burn, baby, burn …") „Sehr witzig, Gott", murmelte ich. „Sehr witzig!" Während ich mit glitschigen Fingern versuchte, den Song wegzudrücken, vibrierte mein Handy auf dem speckigen Rand des Waschbeckens. Miguel hätte gelacht. Der hatte immer gesagt: „Gott hat Humor, Amigo. Schwarzen Humor. Wie ein Spanier." Miguel war tot. Drei Monate. Und ich stand hier in einer Dusche, die nach seinen Albträumen roch. [Notification] LinkedIn: „Stefan feiert heute sein 10-jähriges Dienstjubiläum als Area Sales Manager. Gratulieren Sie ihm zu diesem Meilenstein!" Ich starrte auf das Display. Stefan. Stefan trug jetzt sicher ein hellblaues Businesshemd, das so faltenfrei war wie sein Lebenslauf, und nahm Glückwünsche für ein Jahrzehnt kontrollierter Langeweile entgegen. Er hatte Meilensteine. Ich hatte Verbrennungen ersten Grades und eine alte Blechkiste namens Lola, die im Hinterhof stand und vermutlich gerade leise vor sich hin rostete. Er stieß vielleicht gerade im Büro mit Prosecco an, während ich hier in einer Dusche, die nach Chlor und Verzweiflung roch, gegen Pilzinfektionen und den Spott meines eigenen Handys kämpfte. Und als wäre das nicht genug, ploppte direkt die nächste Nachricht auf: [Notification] Amazon: „Ihre Spar-Abo-Lieferung: ‚Premium-Entkalker für Kaffeevollautomaten (3er Pack)' wurde an Ihren Nachbarn zugestellt." In Kempten war mein Entkalker angekommen. Mein altes Leben wartete also darauf, entkalkt zu werden, während mein neues Leben hier gerade versuchte, nicht einfach von meinen verbrannten Knochen abzufallen. Ich hatte mich die letzten Monate körperlich etwas gehen lassen, und die Quittung stand nun vor mir im beschlagenen Spiegel: Ein roter Hummer im Körper eines Versicherungsfachwirts und ein kleines weiches Bäuchlein lehnte sich ungefragt über den Bund der Shorts. „Was zur Hölle mache ich hier?" Ein leises Grummeln im Magen verriet mir, dass der fantastische Döner vorhin wohl doch nicht so fantastisch war. Die ganze skurrile Situation hat vor ein paar Wochen in jener kleinen, verrauchten Bar in Kempten begonnen. Mit einer Schublade, die ich vielleicht besser nie geöffnet hätte, und einem Mann namens Miguel. Um zu verstehen, warum ich hier in Spanien im Hostel aus der Hölle eine kleine Midlife-Crisis zelebrierte und gegen den Sonnenbrand meines Lebens kämpfte, während draußen zwischen den Müllcontainern eine alte Vespa auf mich wartete, müssen wir zurück. Zurück an den Tresen. Zurück zum Anfang. Living the Dream!