@mottin86
Kann vieles von dem was du geschrieben hast, durchaus unterschreiben.
Möchte noch hinzufügen. Deutschland hat es, wie kaum ein anderes Land in den letzten ca. 30 Jahren, geschafft, den Menschen von der eigentlichen Arbeit ein Stück weit zu entkoppeln und den Menschen bzw. seine Tätigkeit mit sehr viel mehr an Bürokratie zu versehen.
- Arzt:
Längst schiebt sich in diesem Job niemand mehr Unsummen in die Tasche so wie früher (nehmen wir mal Schönheitschirurgen und ein paar wenige andere aus), sondern schuftet als niedergelassener Allgemeinmediziner oder Internist wie ein Idiot und verbringt gut 50% seiner Tätigkeit mit Dokumentationen anstatt Menschen zu helfen.
=》kaum ein Mensch will noch niedergelassener Arzt werden und auf dem Land schon 3x nicht. Vom Krankenhaus und den dortigen Zuständen gar nicht zu sprechen.
- Landwirt:
In der Regel ärmer dran als die Schweine oder Rinder die er hat, denn er arbeitet von 4 Uhr früh bis oft 22 Uhr (oder länger) und muss jeden Scheißdreck dokumentieren. Was er wann wie füttert, welche Felder er wie und wann düngt etc. pp. und bekommt für seine Produkte nicht selten so wenig, dass er kaum seine Produktionskosten deckt.
=》kaum ein Mensch will heute noch Landwirt werden
- Soziale Berufe: (Alten-/Krankenpfleger, Erzieher etc.)
Katastrophe. Kohle ein Witz und auch hier 50-60% Dokumentation bei beschissenen Arbeitszeiten und Wochenenddiensten ohne Ende und überall fehlt Personal en gros.
=》kaum ein Mensch will sich das noch antun
- Menschen in Unternehmen in egal welcher Branche:
Wer macht noch einfach nur seinen Job und dokumentiert nicht wie ein Volldiot für das Risikomanagement, die Innenrevision, externe Aufsichten (Ministerien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften etc.), Finanzmanagement, das Controlling etc.?
Gut 40-50% bürokratische Dokumentationen sind in vielen Jobs "normal" und es wird immer noch mehr.
=》viele sind in ihrer Arbeit, in der sie durchaus gut wären, demotiviert und/oder haben innerlich gekündigt.
Ausnahmen bestätigen überall die Regel. Aber man kann sprechen, mit wem man will. Fast überall ist es ähnlich.
Wer so agiert und so agieren lässt, muss sich nicht wundern, warum andere Länder, die flexibel und mit einem vertretbaren Maß an Bürokratie auskommen, auf der Überholspur sind.
Überall wird laut krakelt, dass Bürokratie abgebaut, vereinfacht und verschlankt werden muss und das seit Jahrzehnten.
Geschafft wurde gar nichts bzw. das Gegenteil.
Ob Steuererklärung, Rentenbeantragung, Hausbau-/kauf, Beantragung von Fördergeldern, Beantragung von Krediten, Herbeiführung von Genehmigungen von Städten/Gemeinden, Kita-Plätzen, Neufestlegung von Grundsteuerbeträgen, Beantragung von Arbeitslosengeldern und was weiß ich.
Ohne Knowhow, ohne Beratung, ohne massig an Geduld, ohne Nerven wie Drahtseile, ist das für viele Menschen kaum mehr machbar. Und sind sie alt oder der Sprache nicht mächtig, kann man sich in der Regel gleich umbringen.
Und dann noch eine Regierung, die ich für die schlechteste halte, die Deutschland (nach dem 2. Weltkrieg) je hatte und das will etwas heißen.
Und das heißt nicht, dass die alles schlecht machen und es heißt auch nicht, dass es einfach wäre.