Es hat mir keine Ruhe gelassen, vor allem weil ich gerade neulich erst ebenfalls ein solches Zahnrad bei nem Kumpel verbaut habe - wäre doof wenn ihm dasselbe passieren würde wie Dir .
Ich hab mir das drum heute in der Werkstatt nochmal genauer angeschaut und wollte Dir meine Schlüsse nicht vorenthalten: Ich vermute es war in Deinem Fall ein zu hohes Anzugsmoment, möglicherweise in Verbindung mit Axialkraft durch das bei jedem Lastwechsel hart anlaufende Kuluritzel:
Der Durchmesser der Kuluplatte ist nämlich leider etwas kleiner als der Innendurchmesser des Lagers (siehe Bild rechts). Dazu kommt die starke Rundung an der kante des Lagerinnenrings. Unter der gezahnten Scheibe sind zudem noch etwa 0.4-0.5mm Luft bis zur Kurbelwelle (alte Piaggio 200er: Absatz hat 11.5mm, Lagerbreite 11.95-12.0mm). Das Zahnrad kann sich also bei der Montage durchgebiegen, wenn auch wegen der Härte nur minimal - dennoch steht das Teil unter grosser Spannung, vor allem, wenn man das mit zu viel Anzugsmoment anzieht. Wenn das Gewinde nicht vom Öl befreit wurde und man dann noch 60-65 Nm anknallt, ist man schnell an ner Grenze.
Man sieht auf dem gebrauchten Zahnrad (im Bild links) rot angemalt den Abdruck des inneren Lagerrings. Auf der anderen Seite des Zahnrades (mittig im Bild) den "Abdruck" des Aussendurchmessers der Kuluplatte. Das Zahnrad wird also 1a geschert, etwa so wie ein Locher der durch Papier drückt:
Wenn das zum "Teller" gebogene Zahnrad nun immer wieder vom anlaufenden, weil schrägverzahnten, KuluRitzel (jeder Lastwechsel!) hart in die Gegenrichtung gedrückt wird, kann ich mir gut vorstellen, dass sich, ausgehend von der leider sehr scharfen Kerbe, Risse ausbilden, die letzten Endes und nach vielen Zyklen zum Bruch führen.
Die alten Scheiben ohne Verzahnung die ich hier liegen habe, haben übrigens eine etwas grössere Kerbe aber mit verrundeten Ecken, die neigen sicher etwas weniger zum Brechen.
Bezüglich der Fase die am Radius anstehen könnte:
Wenn man das Zahnrad verkehrt herum (ohne Fase Richtung KuWe) auf die Kurbelwelle setzt, dann steht der Innendruchmesser am Radius des Kurbelwellenabsatzes an. Es passt noch geradeso ein 0.1mm Blatt dazwischen (Pfeil). Wenn aber das Lager drauf sitzt ist, steht der Wellenabsatz ca 0.4-0.5mm hinter dem Lagrring zurück. Das Zahnrad ist also meilenweit entfernt davon, die Kurbelwelle auch nur ansatzweise zu touchieren:
Das kann nat. bei Zubehörwellen anders sein...
Ich werde bei der Kupplungsmutter zukünftig noch viel genauer auf das korrekte Anzugsmoment achten und sicher nicht über die 45 Nm gehen. Und sowieso Schraubenkleber.
@Goof Es kommt nicht immer nur auf die Grösse der Kraft/Spannung an, sondern auch auf die Zyklenzahl. Viel Materialversagen geht auf Schwingungsrisse zurück: Eine mittlere, statische Grundlast plus zusätzliche kleine, aber häufige Schwingungsamplituden.