Das heißt, ich soll mir eher Ace als Jimmy zum Vorbild nehmen?
Ich habe jedoch den Hang zu underdogs, fühle Symathie mit Jimmy und seinen vermurksten Eltern, die vom 2. Weltkrieg und der Nachkriegszeit geprägt, keinen Sinn für die Bedürfnisse und die Zerissenheit der "Generation Jimmy" hatten. Aufgewachsen im Arbeitermilieu von London, in einem Reihenhaus, eines wie das andere. Mit einem verrückten Onkel, der eines Tages, weil er so verrückt war, tot gegangen ist.
Man braucht Leid und Schmerz im Leben, um zu fühlen und um sich zu spüren. Die Lederpeitsche von ner Domina reicht da nicht aus.
Und jeder von uns war doch schon auf einer Party in seiner "eigenen" Kitchener Road und hat miterleben müssen, dass alle Kumpels irgendwelche Girls in Badewannen und auf Betten durchhämmern, während man selber auf der Suche nach einer willigen Spalte, keine findet und dann aus Frust die Blumenrabatten mit dem Roller niedermäht.
Und selbstverständlich hätte ich auch eher Steph in Brighton in der Seitengasse auf ner Mülltonne gevögelt, als mich von englischen Polizisten auf Pferden zusammen treiben zu lassen.
Und wer die Schlacht am Strand gesehen hat, der hat auch registriert, wie Jimmy in vorderster Front draufgehauen hat.
Wenn dem die Sicherungen durchbrannten, so wie mir tagtäglich, dann konnte der wie jeder Flipper tillen.
Nein nein, über meinen Jimmy lasse ich nichts kommen.
Die Lambretta gerade von Postboten übergemangelt und zerquetscht.
Dann mit diesen mit schwarzem Kajal geränderten Augen im Zug nach Brighton sitzend, nur mit seinem kleinen Weekender, völlig desillusioniert aus dem Fenster starrend.
Das ist nicht einfach nur Jimmy, das bin ich!
Ich habe noch nie verstanden, warum man diesen Film nur 20x gesehen hat. Man muss den Film 100x ansehen und zwar, weil es gar nicht nur um die Geschichte eines Mods geht. Es geht auch um jeden von uns, denn jeder war doch irgendwie und auf seine Art Jimmy und hatte irgendwie und auf seine Art Eltern wie Jimmy.
Und jeder war doch alleine, hat sich nicht verstanden gefühlt. Es geht ums Erwachsenwerden und ich hab es bis heute nicht geschafft. Und ich bin froh darüber! Und sogar mehr als das!
Update:
Ich merke gerade, ich bin bereits Mod. Tief im Herzen! Mehr geht gar nicht! Mod kann man auch mit 93 sein.
Morgens raus ausm Zelt, 2.8 Restoktan auf der Uhr und dann ansatzlos den Liegestuhl auf den Rücken von so nem dreckigen Rocker krachen lassen!
Und dann, so frei bin ich, stürmen die ganzen Typen, mit denen ich noch gestern an der Bar zusammen gesoffen habe, wie eine Bullenherde gemeinsam mit mir über diese Horde Rocker und ihre verschissenen Motorräder und walzen alles nieder!
It isn't just the clothing! It's the attitude!
Dirk "Jimmy" Diggler