Kleiner Logistik-Post
Ich wollte noch ein paar Erfahrungen während der Restauration (kann man das so nennen?) teilen. Vielleicht hilft es ja der/dem Ein- oder Anderen, die sowas so selten machen wie ich. Als erstes soll es um die Planung, Beschaffung und Dokumentation gehen.
Vielleicht sollte ich vorweg schieben, dass ich vom Kauf bis zum Beginn der Restauration 3 Monate Zwangspause hatte, weil mir dann erst ein Raum zum Arbeiten zur Verfügung stand. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich das sicher wie die meisten Anderen gemacht. Bzw. so wie ich das auch von den Instandsetzungen zweier Vespas und zweier Kleintransporter gekannt habe. Man zerlegt die Baugruppen, legt alles päckchenweise zusammen ab und versucht sich zu merken was mit welcher Schraube wie verschraubt war. Hier und da schreibt man sich auch was auf oder macht ein Foto.
Weil ich aber kaum abwarten konnte los zu legen, bin ich da anders herangegangen.
Am Anfang stand erstmal das Sammeln von Fotos, Dokumentationen, Berichten. Ersatzteilkatalogen und Schaltplänen des Modells. Da halfen Google, Pinterest, alteroller.de, scooterhelp, einige Listen und Links aus dem GSF uvm. Dabei ist eine ganze Menge an Material zusammengekommen. Das GSF-Wiki und die Vespa Tecnica waren natürlich auch sehr wichtig, um die Details zu vergleichen. Außerdem habe ich mir viele Restaurationsberichte hier im GSF, aber auch im italienischen Forum durchgelesen. Das hat schon mal enorm geholfen die Differenzen zu den angrenzenden Modellen (VL1-2T, ACMA, Lampe unten, VB usw.) zu erkennen und den technischen Aufbau zu verstehen. Es sind ja doch viele Dinge anders als bei den Small- und Largeframe Vespas, die ich schon kannte.
Aus purer Langeweile ... nein ... Um tiefer in das Modell einzusteigen, habe ich die Explosionszeichnungen genauer studiert und mir unklare Teile in den bekannten Shops angesehen. Manche Tafeln sind leider etwas voll und eng gepackt, deshalb habe ich die in Photoshop in 29 Einzel-Zeichnungen zerlegt.
Dann ging es zur Ersatzteilbeschaffung. Nach meiner Erfahrung gibt es immer mal wieder neue Produkte, andere sind plötzlich nicht mehr aufzutreiben, die Qualitäten sind sehr unterschiedlich, die Preise können sehr variieren und die Frühjahrssaison trägt ihres dazu bei. Überrascht war ich, dass fast alle Teile für so ein altes Modell noch erhältlich sind. Jedenfalls habe ich versucht so früh wie möglich an alle zwingend benötigten Teile zu kommen, um später nicht ohne da zu stehen. Trotz des Risikos, dass einige später nicht passen oder benötigt würde.
Bei Motorrevisionen habe ich immer einfach mit Excel-Listen gearbeitet um Teilelisten zu erstellen und Preise zu vergleichen. Bei der Menge an Teilen habe ich aber diesmal lieber die zerlegten Explosionszeichnungen mit Tabellen ausgedruckt und dann händisch Notizen eingetragen. Dabei dann die einzelnen Teile gelistet, Preise der Shops eingetragen, Maße der Teile und ob ich sie schon bestellt, erhalten und abgelegt habe. Die Bestellungen habe ich mit unterschiedlichen Stiftfarben zusammengefasst und nach Erhalt in Hüllen mit Klettverschluss abgelegt. Am Ende hatte ich eine mittelgroße Kiste mit vielen, vielen Teilen.
Alle Rechnungen habe ich dann (doch wieder) in eine Excel-Liste (wobei es bei mir eigentlich eine Numbers-Liste war) eingetragen, die in Ersatzteile, Verbrauchsmittel, Anschaffungen und sonstige Ausgaben geteilt war. Damit hatte ich einen vollständigen Überblick über die Kosten.
Um alles korrekt wieder zusammenzusetzen habe ich aus allen Winkeln und von allen Einzelteilen Fotos gemacht. Insgesamt sind dabei 977 Fotos zusammen gekommen, die ich zum Teil hier für Fragen gepostet habe. Die Menge kam auch deshalb zustande, weil ich mit meinen fettigen, schwarzen Händen und Handschuhen einfach drauf gehalten habe. Durch die Menge waren aber auch einige Glückstreffer dabei, die im Nachhinein viele Probleme gelöst haben.
Zum Zerlegen sei noch gesagt, dass ich kein Originalteil weg geworfen habe. Die Teile die nicht wieder an den Roller sollten, habe ich separat in einem Karton gesammelt. Da konnte ich einige Muttern, Scheiben und Ringe wieder heraussuchen und wiederverwenden oder Maße nehmen wenn Ersatzteile nicht passen wollten. Prominentestes Beispiel: Kolbenringe. Zuletzt habe ich noch die Federringe für die Radmuttern gegen die Originale getauscht und die selbstsichernden Muttern für den Luftfilter raus gefischt. Der Karton wird dann eingelagert.
Zuletzt habe ich noch separate Explosionszeichnungen zur Dokumentation der verbauten Teile geführt. Damit kann ich später noch genau nachvollziehen welches Teil gefehlt hat, welches original verbaut war und welches ersetzt wurde. Da muss ich noch ein paar Dinge korrigieren, die sich zwischenzeitlich geändert haben.