Servus zusammen!
Dieser Beitrag könnte vermutlich ebensogut unter der Rubrik "sinnfrei" laufen, aber ich dachte ich versuch's mal hier.
Es geht um die Anmeldung meiner ersten Vespa hier bei mir in Österreich, Behörden, Ämter usw.
Wer gerne Schadenfreude hat, ist hier richtig. Wer vor einer ähnlichen Aufgabe steht und lernen möchte, wie er's ev. besser machen kann, vielleicht auch.
Los geht's.
Alles begann hier im Forum mit einer Kaufberatung und einem (wie ich meine) sehr erfolgreichen Kauf einer P200E.
Das Besondere: Die P kam ursprünglich aus Österreich, und war fast 40 Jahre lang hier in Österreich angemeldet.
Dann ist sie ein Jahr in Deutschland gelaufen.
Jetzt hab ich sie wieder zurückgeholt und wollte sie wieder in Österreich anmelden.
Soviel zum Einstieg.
Es folgt chronologisch der Ablauf der letzten zwei Wochen.
Woche 1
Freitag, 30.9.2022
Dank der sensationellen Laufzeiten der österreichischen Post konnte ich schon am Freitag die Papiere für meine P in Händen halten, die mir am Montag Morgen aus DE zugesandt worden waren. Fantastisch.
Ich hatte mir sogar extra dafür freigenommen und bin noch am gleichen Vormittag zur Zulassungsstelle, um die Vespa anzumelden.
Dort wurde mir dann gesagt, dass das nicht möglich wäre:
Die Fahrgestellnummer sei nicht in der österreichischen Datenbank vorhanden.
Da müsse ich mich wohl an die Landesprüfstelle wenden und eine Einzelgenehmigung machen lassen.
Sicherheitshalber solle ich auch gleich mal am Finanzamt anrufen, ob steuerlich noch etwas zu beachten sei.
Der vorhandene österreichische(!) Typenschein und der Nachweis, dass die Vespa erst 2020 hier abgemeldet worden war, lösten zwar etwas Verwunderung aus, aber nichts desto trotz war hier nichts zu machen.
Also hab ich bei der Landesprüfstelle angerufen und mich dort erkundigt, wie das sein könne.
Die Auskunft kurz vor Mittag (und Dienstschluss): Kommen's doch am Montag mit den Papieren vorbei.
Fazit: Wird wohl nichts mit der ersten Ausfahrt am Wochenende.
Wenigstens meinte die Dame am Finanzamt, dass wohl keine Steuer mehr zu entrichten sei, wenn die Vespa schon mal in Österreich angemeldet war.
Nur in seltenen Fällen (wenn die damals in Österreich bezahlte Steuer bei der Anmeldung in Deuschland zurückgefordert worden wäre) sei das notwendig.
Na wenigstens das.
Woche 2
Montag, 3.10.2022
Ich bin am Morgen mit dem gesamten Stapel an Papieren bei der Landesprüfstelle vorstellig.
Dort sieht man alles durch und bemerkt: Die Vespa sei doch in der Datenbank, alles kein Problem?
Man dürfe bei der Fahrgestellnummer das VSX1T nicht mit eingeben, sondern nur die nachfolgende Nummer.
Mein Hinweis auf den "ungültig" gestempelten Typenschein wurde relativ gelassen aufgenommen.
Das sei doch kein Problem.
Also fahre ich wieder zur Zulassungsstelle (sind ja bloß 15 km) und siehe da, jetzt geht's auf einmal!
Der notwendige und vorhandene Prüfbericht vom TÜV war zwar schon abgelaufen, aber man darf ja 4 Monate überziehen (man stelle sich vor der wäre im September, also am Freitag davor, abgelaufen...).
Sicher könne man die Vespa anmelden. Aber: "Wollen's nicht gleich einen Eintrag als historisches Fahrzeug? Dann müssten's nur alle zwei Jahre zur Pickerlprüfung (das ist bei uns der TÜV)".
Natürlich möchte ich das.
"Da müssen's aber zur Landesprüfstelle um einen Eintrag in der Datenbank als historisches Fahrzeug machen zu lassen".
Also ruf ich wieder bei der Prüfstelle an.
Dort sagt man mir, dass das Fahrzeug auf jeden Fall original und ohne Umbauten und in einem Zustand 1 bis 3 sein müsse, und dass man dafür eigentlich noch ein Anmeldegutachten brauchen würde... aber wenn's in einem guten Zustand und original wäre, naja, dann könnte man vielleicht das TÜV-Gutachten nehmen.
Ich solle einfach morgen mit dem Fahrzeug vorbeikommen, dann könne man sich das mal anschauen.
Obwohl etwas zögerlich, machte der Beamte jedenfalls den Eindruck, dass er mir schon helfen würde.
Also hab ich einen Anhänger organisiert und die Vespa verladen.
Dienstag, 4.10.2022
Wie vereinbart fahre ich mit der Vespa am Anhänger zur Prüfstelle.
Dort sitzt eine andere Dame als am Vortag am Schalter, und die ist von meinem Vorhaben überhaupt nicht begeistert.
Wie ich mir das vorstelle? Es sind ja viel zu wenig Daten von meinem Fahrzeug in der Datenbank? Da muss ich auf jeden Fall einen Reimport und eine Einzelgenehmigung machen lassen.
Da falle ich natürlich aus allen Wolken und erkläre, dass das am Vortag noch ganz anders ausgesehen hatte.
Dass ich gestern die Vespa schon hätte anmelden können? Dass ich eigentlich nur wegen der Eintragung als historisches Fahrzeug den Termin habe?
"Na dann fahren's doch und versuchen sie's. Das geht sicher nicht.", war die charmante Antwort.
Es folgten weitere Ausführungen über eine Datenbank, die erst 2007 eingeführt worden war, und dass meine P dort ja gar nicht drin sein könne und überhaupt...
Meine Hinweise, dass die P doch seit den 80ern bis 2020 durchgehend in Österreich angemeldet war, sprachen zwar gegen die Argumente der Dame hinterm Schalter, aber sie wollten an diesem Tag offensichtlich sehr bestimmt recht haben.
Kurz: Es half alles nichts. An einer Einzelgenehmigung (einer bereits jahrzehntelang nachweislich in Österreich zugelassenen Vespa!!!) führte offenbar kein Weg vorbei.
Nur: "Heute geht das aber nicht mehr. Sie haben dafür ja gar keinen Termin!".
Gottseidank war der Techniker im Hintergrund gnädig und meinte, dass wenn ich schon mal mit dem Fahrzeug hier wäre, da wohl schon was zu machen sei.
Ich sollte sie mal abladen, man schaue sich das an.
Also hab ich knapp 85 Euro für die Einzelgenehmigung bezahlt und auf den Techniker gewartet.
Dabei ist mir gedämmert, dass dieser sicher eine Probefahrt machen wolle.
Und jetzt ratet mal, was ich nicht dabeihatte: Richtig, den Zündschlüssel.
(Mittlerweile weiß ich, dass das wohl auch ohne gegangen wäre, aber...)
Ihr könnt euch vorstellen:
Stimmungsmäßig war ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr wirklich gut beieinander.
Wenigstens war der Techniker über den Zustand der Vespa halbwegs erfreut und meinte, dass das schon passe.
Eine Probefahrt müsse aber schon sein.
Als ich der Dame hinterm Schalter dann erklären musste, dass ich noch schnell den Schlüssel holen müsse, war sie noch unentspannter als zuvor.
Das könne sich ja nie ausgehen. Sie wohne auch in meiner Gegend und wisse, dass man das gar nicht mehr schaffen kann. Usw. Usw.
Wundersamerweise ist es sich trotzdem ausgegangen.
Der zuständige Techniker ließ mich die Vespa in der Zwischenzeit in der Werkstatthalle parken.
Als ich mit dem Schlüssel retour kam, meinte er, ich solle sie mal warmlaufen lassen.
Und es wäre ihm noch doch noch was aufgefallen, nämlich dass die Traglast des Hinterreifens nicht passen würde.
Da kamen erste Zweifel auf, dass das mit der Genehmigung noch etwas werden könne...
Die P ist dann natürlich erstmal gar nicht angesprungen.
Wieder mein Fehler: Ich hatte am Vortag den Benzinhahn nicht zugedreht.
Nach gefühlt 50 mal Ankicken war's dann doch soweit.
Der Techniker machte die Probefahrt, und alles lief OK.
Nur: Das Lämpchen für das Fernlicht (die österreichischen P's haben das) ging nicht.
Noch ein Mangel.
Wir sind dann so verblieben, dass ich dem Techniker per E-Mail Bilder des gewechselten Hinterrads (das Reserverad war glücklicherweise geeignet) und des ausgetauschten Lämpchens schicken solle.
Dann würde er die Einzelgenehmigung fertig machen, und ich müsse nicht nochmals mit der Vespa vorstellig werden.
OK!
Mittwoch, 5.10.2022
Hinterrad gewechselt.
Beim Abschrauben des Reservereifens nicht nur die Felge, sondern versehentlich auch die beiden Felgenhälften gelöst.
Ganz große Leistung, als mir der aufgepumpte Schlauch die letzte Mutter weggefetzt hat. Wieder was gelernt.
Lämpchen gewechselt.
Bilder an den Techniker der Prüfstelle gesandt.
Donnerstag, 6.10.2022
Info vom Techniker, dass die Einzelgenehmigung am Freitag abholbereit wäre.
Jawoll!
Freitag, 7.10.2022
Ab zur Landesprüfstelle, die Einzelgenehmigung abholen.
Damit bin ich dann zur Zulassungsstelle. Dort amüsierte man sich schon etwas über meinen Spießrutenlauf, und es ging an die Anmeldung.
"Oh je, da ist jetzt eine Sperre der Finanz (des Finanzamts) drin".
Da geht es darum, dass ev. noch keine NoVA (Steuer) für das Fahrzeug abgeführt worden sein könnte.
Bei einer neuen Einzelgenehmigung oder eine Änderung der Fahrzeugdaten in der Zulassungsdatenbank wird so ein Eintrag automatisch gemacht.
Da hilft's auch nichts, dass diese Steuer damals bei der ersten Anmeldung schon entrichtet worden, und deshalb für mich nichts mehr zu bezahlen war.
Netterweise hat die Dame an der Zulassungsstelle dann direkt beim Finanzamt angerufen und den Fall geschildert.
Anwort: Es wäre ein Formular auszufüllen, etc.
Nachdem an diesem Tag an der Zulassungsstelle nicht viel los war, konnten wir das freundlicherweise gleich zusammen machen und per E-Mail (so modern!) an die zuständige Stelle am Finanzamt übermitteln.
Dann hieß es warten auf die Rückmeldung. Die kam erstaunlicherweise innerhalb einer Viertelstunde: Die Sperre vom Finanzamt war raus, der Anmeldung stand nichts mehr im Weg.
Dachte ich.
"Oh je, da ist ein Fehler in der Einzelgenehmigung: Der Eintrag für die Prüfplakette ist fehlerhaft (anstelle von "rot" stand dort "keine"), jetzt können wir keine Plakette ausdrucken. Das muss die Prüfstelle korrigieren."
Da war's dann beinahe endgültig vorbei bei mir.
Das konnte wohl doch alles nicht wahr sein.
Die Damen an der Zulassungsstelle hatten dann aber schon sichtlich Mitleid mit mir und haben bei der Prüfstelle angerufen.
Der Techniker dort korrigierte den Eintrag in der Datenbank und meinte, ich solle aber demnächst noch vorbeikommen, um die korrigierte Einzelgenehmigung abzuholen.
Jetzt können wir endlich zulassen!
Dachte ich.
"Oh je, jetzt ist wieder die Sperre der Finanz drin."
FFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFFUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU.....
Die Dame an der Zulassungsstelle ruft wieder bei der Finanz an.
Erreicht dort die zuständige Person nicht, vereinbart aber einen Rückruf.
Der kommt wenige Minuten später, alles wird besprochen, alles wird geklärt.
Die Sperre in der Zulassungsdatenbank wird wieder entfernt.
Ich bezahle die Zulassungsgebühr.
Ich bekomme den Zulassungsschein.
Ich erhalte die Prüfplakette.
Danke.
Übrigens: Die Einzelgenehmigung wollte ich am gleichen Tag noch an der Prüfstelle eintauschen.
Da waren aber schon alle Techniker auf Dienstbesprechung.
Ob man mir die nicht zusenden könne, wenn ich die aktuelle (fehlerhafte) Genehmigung dalasse?
Ja, na gut, das könne man schon machen...
Beim Notieren meiner Adresse bemerkt man dann noch, dass ich ja eh gar nicht so weit entfernt wohne, die hätte ich wohl schon auch selbst abholen können.
Ich überlasse es mal euch sich vorzustellen, was ich mir dabei gedacht habe.
Immer höflich bleiben!
Und falls ihr auch mal so was vorhabt: Viel Glück.