Am 30.06.2018 startete ich nach ca 3 Jahren Vorbereitung auf das allergrößte Abenteuer meines Lebens.
Ich hatte im Vorjahr eine Stella Genuine 150 (LML/PX-Lizenz) von Virginia Beach 10.000 km an die Westküste nach San Diego gefahren und sie dort platziert. Im Mai hatte ich noch einen weiteren Roller mit 177ccm in Utrecht bei einer Freundin eingestellt. Danach fuhr ich mit meinem 3ten Roller im Van nach Pamplona und ließ den Van dort stehen, um mich an den Start nach Madrid zu begeben auf meiner Bajaj 177.
Dort stand ich nun am 30.06. um 10 Uhr Morgens am Kilometro 0 der spanischen Straßen und startete mit einer Gruppe spanischer Rollerfahrer aus der Stadt, um die Welt ostwärts in 80 Tagen zu umrunden wie damals Phileas Fogg in der fiktiven Geschichte von Jules Verne. Ich hatte mich wirklich auf vieles vorbereitet, aber man kan bestimmte Dinge nicht planen:
Wenn man in 80 Tagen allein mit einer klassischen Vespa mit 10 Zoll Rädchen, Handschaltung und einem 2-Takt-Motor aus den 70gern um die Welt fahren will, muss man jeden Tag und jede Stunde, die der Roller funktioniert, fahren.
Man wird in viele Nächte hineinfahren.
Man wird fahren, wenn es regnet.
Man wird fahren, wenn es heiß ist (bis zu 46-48 Grad Celsius)
Man wird fahren, wenn es kalt ist ( 0-7 Grad Celsius )
Man wird möglicherweise fahren, wenn ein Gewitter ( Montenegro-Gebirge bei Nacht ), ein Taifun ( Wladiwostok ), ein Hurrikan ( Hawai und Virginia ) oder ein Tornado ( Kansas ) auf einen zukommt.
Man wird durch Überschwemmungen, Sandpisten, Baustellen und andere Hindernisse fahren.
Man wird wahrscheinlich fahren, wenn man krank ist (Durchfall, Erkältung, schlechter Magen, blutende Hämorrhoiden)
Man wird vielleicht nach einem Unfall verletzt fahren (verschobenes Schlüsselbein nach einem Reifenplatzer)
Man wird vielleicht fahren, nachdem die Regenkleidung bereits kaputt ist.
Man wird fahren, wenn der ganze Körper von 500 oder 600 oder 700 km am Vortag schmerzt.
Man wird bis zu 16 Stunden fahren.
Man wird fahren, nachdem man kaum geschlafen hat.
Man wird fahren, wenn der Roller nicht richtig funktioniert.
Man fährt und fährt und fährt, auch wenn es dunkel wird und deine Lichter nicht mehr funktionieren.
Man mus immer fahren und versuchen, den Durchschnitt von 350-450 Kilometern zu schaffen, oder man scheitert!
Und warum?
Weil man wahrscheinlich viele Pannen haben wird und Tage für Reparaturen oder das Warten auf Ersatzteile verlieren wird ( 6 in der Türkei )
Man wird möglicherweise bis 5-7 Tage im Hafen von Baku am Kaspischen Meer warten, weil der Fährhafen keinen Fahrplan hat und die Fähre von Wladiwostok nur alle 7 Tage fährt.
Man muß 2-4 Flugzeuge nehmen und könnte eines verpassen oder es wird gestrichen.
Man wird unvorhersehbare Grenz- oder Polizeikontrollen haben, bei denen man Stunden oder sogar Tage verliert (4, 5 und 12 Stunden).
Man wird kein Tourist sein und Sehenswürdigkeiten besichtigen können.
Es ist ein Wettlauf mit der Zeit und all die unvorhersehbaren Dinge, die vor einem liegen, zwingen einen dazu, sich ständig zu bewegen.
Vielleicht hast Du auch sehr, sehr viel Glück und nichts davon passiert. Dann hast du immer noch das Risiko, dass Dich ein Tier angreift, ein Auto in deinen geparkten Roller kracht, dir das Benzin ausgeht, ein betrunkener Fahrer dich fast überfährt oder du den voll beladenen Roller einfach fallen lässt, weil du todmüde bist.
Genauso gut könntest du abends fast mit Tieren zusammenstoßen (Kamel, Hunde und Kojoten).
Es kann auch passieren, dass du unterwegs Teile oder Ausrüstung verlierst, die du unbedingt brauchst, und du rennst, um sie zu reparieren oder zu ersetzen.
Vielleicht passieren noch viel mehr Dinge und das war nur der Anfang der Liste.
Oder es ging einfach nur mir so .
Aber hey, es ist alles Teil eines Abenteuers, alles Teil der Geschichte und man wird eine Menge davon haben 😉 . Hier nur ein paar Beispiele für die Dinge, die Mir passiert sind auf der verrücktesten meiner bisherigen Reisen.
Nach 76 Tagen fuhr ich dann wieder in Pamplona über die Grenze und verbrachte dann noch 4 Tage bei gutem Wein und gutem Essen mit Freunden und auf der Hispanovespa.
Meine Freunde vom SC MAdrid hatten mir eine Überraschung am Tag 80 versprochen - ich wusste nicht was. Am 17.09.2018 bin ich schließlich wieder zurück an den Kilometer 0 am Plaza del Sol gefahren - dem belebtesten Platz Spaniens. Der Platz wurde kurz gesperrt und ich rollte mit einer Eskorte mt Polizeimotorrädern und dem Nationalfernsehen dort ein und erfüllte mir einen Lebenstraum. Seit ich als Teenager die Bücher von Jules Verne gelesen hatte wollte ich auch mal so ein Abenteuer bestehen.
Start in Madrid
Kamele in Kasachstan
Nationalstraße in Sibirien (3 Tage komplett ohne Empfang )
Mit Roller Nummer 2 auf dem HWY 50
Einsamste Straße Nordamerikas
Höchster Punkt der Reise
Doof war nur, daß ich ohne Düsenwechsel da hinkam
Ziel in Madrid am Kilometer 0
Vorbereitung 2017
Route 2018
Ein wenig Statistik für die Freunde blanker Zahlen und Fakten :
Tage : 77+3 auf der Hispanovespa
Kilometer: 27.113
Tagesdurchschnitt: 399 km
Fahrzeit pro Tag 8-16 Stunden
Länder: 18
Kontinente: 3
Roller: 3
Sprit: ca 1100l
Öl: ca 24l
Reifen: 12
Flüge: 4
Fähren: 2
Zugfahrt 1
Sprit ausgegangen 2 mal trotz 7l extra
Unfälle: 2
Verletzungen: Schlüsselbein raus
Krankheiten: Erkältung und Durchfall
Verluste: 1 Motorradjacke, 1 Powerbank, 1 Cap
Tierangriffe: 4 ( 1 mal Stier und 3 mal Hunde )
Beinahe Crashs: 1 Kamel, 1 Coyote und ein Betrunkener Fahrer 200km vor Vladivostok
Schäden: 1 Zylinder, 2 Kupplungen, 3 CDIs, 2 Reifen geplatzt, Bremse komplett hinten, 2 Zündkerzen, 2 Zündkerzenstecker, Gepäckträger gebrochen, Dämpfer verschlissen .
Stürme: 1 Gewitter Montenegro, 1 Taifun Sibirien, 2 Hurricanes Hawai und Virginia, 1 Tornado Kansas
Gewicht Gepäck : ca 40-50 kg
Und weil ich für das Abenteuer Meine Wohnung, den Job und die Freundin
aufgeben mußte habe ich dnach erst mal paar Monate in Faro im Van gelebt.