Also, ich habe mal im Vorlesungsumdruck "Verbrennungsmotoren Band II, Prof.Dr.-Ing. S. Pischinger, 21. Auflage" (RWTH Aachen, Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen) nachgeschlagen, was dort in Kapitel 11.3.1.2 bei Bild 11.3-3 zur Funktionsweise des "einfachen Vergasers" steht. Immerhin mein Brötchengeber für achteinhalb Jahre, auch wenn ich in der Sparte Dieselmotoren untergebracht war. Der Bereich der Teillast wird hier so erklärt: "Mittels Luftkorrekturdüse (7) und Mischrohr (8) wird der unerwünschten Anfettung bei steigendem Luftdurchsatz entgegengewirkt. Bei kleineren Differenzdrücken Delta_p_L arbeitet zunächst die Hauptdüse (4) ohne Korrektur. Mit zunehmendem Unterdruck im Lufttrichter sinkt der Brennstoffspiegel im Mischrohr (8), bis dort Bohrungen freigegeben werden und Korrekturluft in den Mischrohrschacht eintreten kann. Die Luftströmung durch die Luftkorrekturdüse baut dabei die Druckdifferenz Delta_p_B an der Hauptdüse ab und vermindert damit die Brennstoffförderung." Wir stellen also für unsere SI-Versager fest: Je höher der Unterdruck am Messingröhrchen, desto weiter sinkt der Brennstoffspiegel um unser vieldiskutiertes Mischrohr. Ab einem gewissen Absinken des Spiegels tritt Korrekturluft von oben in das Mischrohr ein und strömt durch dessen Bohrungen seitlich in den Brennstoff ein, wo sie - um es sich bildlich besser vorstellen zu können - eine Art "Schaum" erzeugt. Daraus lässt sich folgender Zusammenhang ableiten: 1.: Ein Mischrohr mit höher angesezten Bohrungen lässt bereits bei höherem Brennstoffspiegel, also bei niedrigerem Unterdruck am Messingröhrchen, Luft einströmen. --> Die HÖHEN der Bohrungen bestimmen also, AB WANN überhaupt Korrekturluft eintritt. 2.: Die GRÖßE, ANZAHL und ANORDNUNG der Löcher bestimmen dabei, WIEVIEL Luft WANN, also bei welchem Spiegel des Brennstoffes eintritt. Vergleicht man nun das Foto der einzelnen Mischrohre (s. etliche Postings weiter oben), so lässt sich GROB Folgendes aus dem optischen Vergleich der Löcher schließen: -BE1 lässt ab einem mittleren Spiegel offenbar linear (steigend i.Vgl. zum sinkenden Brennstoffspiegel) Luft einströmen. -BE2 lässt ab einem hohen Spiegel erst viel, bei einem sinkenden Spiegel proportional weniger Luft einströmen. -BE3 lässt ab einem mittleren Spiegel erst viel, bei einem sinkenden Spiegel proportional weniger Luft einströmen. -BE4 lässt ab einem niedrigen Spiegel linear wenig Luft einströmen. -BE5 lässt ab einem mittleren Spiegel linear wenig Luft einströmen. -BE6 lässt ab einem niedrigen Spiegel viel Luft einströmen. Dabei gilt: Hoher Spiegel = wenig Unterdruck am Messingrohr, niedriger Spiegel = viel Unterdruck am Messingrohr. Mehr Korrekturluft " magereres Gemisch" So wäre z.B. ein BE2 bei niedrigem Unterdruck wesentlich magerer als ein BE4. Daraus nach Lochgröße geschätzt abzuleiten: -BE1: nach "oben/höherem Unterdruck/höheren Drehzahlen&Last" hin gleichmäßig abmagernd -BE2: bereits sehr früh stark abmagernd -BE3: ab Mitte stark abmagernd, dann weniger Einfluss -BE4: erst obenrum und nur wenig abmagernd -BE5: ab Mitte gleichmäßig wenig abmagernd -BE6: erst ganz obenrum mittelmäßig abmagernd. Interessant dabei ist zu sehen, dass sich BE1&BE5 stark ähneln. Allerdings muss man unbedingt beachten, dass die einzelnen Löcher nicht bloß linear steigend Luft durchlassen, so können die oberen Bohrungen des BE2 bei hohem Spiegel wenig, bei niedrigem Spiegel viel Luft durchlassen. zum Vergleich mal hier Ölsaus Testreihe: Das passt nicht ganz überein, also unterstelle ich hier mal die (m.M. nach recht wahrscheinliche) Hypothese, dass das Strömungsverhalten im Mischrohr, am Mischrohr und um das Mischrohr herum keine so einfache Ableitung von Gemischzusammensetzungen erlaubt. Die Luftkorrekturdüse bestimmt über ihren Durchlass, wieviel Luft als Korrekturluft durchkommt. Dabei dürfte die drosselnde Wirkung ihres Querschnittes vor allem bei höherem Volumenstrom der Korrekturluft, sprich: bei hohen Unterdrücken zunehmenden Einfluss bekommen. Ich unterstelle jetzt mal, dass die unterschiedlichen Mischrohre dabei auch unterschiedlich auf die Änderungen der Luftkorrekturdüse reagieren. Fest steht meines Erachtens nach: die einzelnen Mischrohrtypen sind nicht einfach nur "fetter/magerer", sondern haben einen ganz individuellen Einfluss darauf, WANN bei WELCHEM Unterdruck WIEVIEL Korrekturluft beigemischt wird, sprich: wieviel das Gemisch abmagert. Wichtig dabei: wie groß dieser Einfluss wann genau ist, lässt sich durch bloßes Betrachten der Mischrohre nicht feststellen. Fazit: Und nun? Was bleibt? Probieren geht über studieren! Gefragt sind also ein paar Versuchsreihen mit sämtlichen Mischrohren. Denn dass sie nicht einfach fetter oder magerer sind, sollte so langsam klar sein. Aber wann und wie stark sie die Gemischzusammensetzung beeinflussen, lässt sich mit ein paar weitern Versuchsreihen bestimmt gut ermitteln. Danach widmet man sich am besten dem Einfluss der Luftkorrekturdüse. Andererseits: die Hauptdüse bestimmt, wieviel Brenstoff bei welchem Unterdruck angesaugt wird, bevor er dann im Mischrohr vorgemischt wird. Also dürft hier auch das Verhältnis von Hauptdüse zu Luftkorrekturdüse antscheidend sein, denn diese beiden Düsen stellen die Einlässe (Sprit & Brennstoff) für das Gehäuse des Mischrohres dar. Sie geben also grundlegend vor, in welchem Verhältnis Sprit und Luft zum Mischrohr strömen, während das Mischrohr sagt, wann in welchem Verhältnis Luft und Sprit in die Mischkammer angesaugt werden. Wie auch immer: noch mehr Versuchsreihen sind dringend nötig! Am besten läst man einen Satz Mischrohre kreuz und quer durch die Republik reisen, damit sie in möglichst vielen Motoren durchgeprüft werden können. Also, Freiwillige vor! Ich habe nur das BE4 und das BE3, wovon ich das BE4 fahre. Wenn mir einer zum Western-Run in Aachen ein BE-Set mitbringt, teste ich gerne mal die ganze Palette durch! Jetzt muss ich aber erstmal ein Bier saufen, nach all dem Text... Viele Grüße, Andreas