Moin!
Hartes Thema. Obwohl meine Jungs beide noch unter 5 Jahren und meistens vollkommen pflegeleicht sind, kann ich mir durchaus jetzt schon ausmalen, wer von den beiden später die Grenzen antesten wird. Ich finde Deine Sorgen und Probleme jedenfalls durchaus hilfreich, mich mental auf die Zeit in 10 Jahren vorzubereiten. Auch finde ich es schwierig, Dir Ratschläge zu geben, ohne dass es oberlehrerhaft bzw. überheblich klingt. Wieauchimmer. Nimm es als weiteren Denkanstoß.
Zum Thema: Oft hört man bei solchen Geschichten ja, die Nummer hast Du schon früh in der Erziehung vergeigt - nämlich mangels Konsequenz. Allerdings scheint Euch die Erziehung bei den anderen beiden ja gelungen zu sein. Also 2:1 für Euch! Wie viele hier schon schreiben, bin ich auch der Meinung, dass Ihr mit mehr Härte an die Nummer rangehen müsst. Der MIttelweg, nach dem Du suchst ist schwierig, aber in einigen Details durchaus umsetzbar. Ein Beispiel: Würde ich einen meiner Söhne auf dem Abflug zum Baggersee mit Kifferutensilien erwischen, wäre die klare Ansage, dass ich die Klamotten zu Hause nicht dulde. Die Baggersee-Aktion wäre erstmal abgesagt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die schulischen Leistungen nicht stimmen. In jedem Fall würde ich die nächtlichen Ausflüge unter der Woche heftig sanktionieren. Am Wochenende kann man ja mal ein Auge zudrücken, aber unter der Woche geht das nicht. Ich bin der Meinung, dass das Prinzip von klaren Regeln (inkl. Sanktionen) und Belohnungen schon funktioniert. Aus den Beiträgen kann man vermuten, dass Du die Sanktionen etwas schleifen lässt. Ich persönlich bin bei den Belohnungen vielleicht manchmal zu gönnerhaft - wenn man meiner Ehe-Rollerfahrerin glauben darf.
Klingt vielleicht hart, aber: Unsere Kleinen versuchen uns definitiv schon ab dem Alter von 1,5 Jahren zu verarschen. Es sind so Kleinigkeiten. Eine Ansage bei uns ist, dass wir beim Abendessen sitzen bleiben, bis alle fertig sind. Die Provokationen und Verzögerungen beim Abendessen mit breit grinsend aufstehen, rumrennen und dann doch wieder ein kleines Brotstückchen essen gingen mir igendwann dermaßen auf den Keks, dass ich nach mehrfacher Androhung eines Abends zum Auto gelaufen bin und den Kinderstuhl mit einem Spanngurt am Tisch festgemacht habe. Fazit: 10 Minuten Totaleskalation durchgestanden und damit war das Thema erledigt. Hat bei beiden geklappt. Und ich habe ein bisschen das Gefühl, dass Du die Nummer jetzt 16 mal so hart abbekommst. Wenn es um Erziehung geht, sind Kinder 100%ig in der Lage, Dich zu manipulieren, wo Du es nur zulässt. Und jetzt wieder die Oberlehrer-Nummer: Lässt sich leicht reden, bevor der Nachwuchs die Pubertät erreicht hat. Ich glaube allerdings fest, dass der Kern der Sache stimmt.
Mein Bruder war in unserer Jugend etwas härter drauf als ich. Meine Eltern hatten von Anfang an einen echt Bemerkenswert guten Erziehungsstil im Sinne von: Sieh zu, dass Deine Pflichten erfüllt werden (Schule, Aufräumen etc.), dann hast Du alle Freiheiten der Welt. Vielleicht muss man dazu aber auch die passenden Jungs haben - ich weiß es nicht. Kleine Geschichte noch dazu: Mein Bruder hatte damals die Ansage bekommen, sein teures neues Fahrrad nicht direkt am Bahnhof, sondern ein paar Meter weiter bei Bekannten im Hof abzustellen. Keine Riesen-Geschichte, nur eine Kleinigkeit und weit weg von dem was hier diskutiert wird, aber eine Prinzipfrage. Er hat das mehrfach ignoriert, was regelmäßig Stress gab. Irgendwann stand das Rad wieder am Bahnhof, als mein Vater dort vorbeifuhr. Stinksauer hat er das Rad kurzerhand mit dem Zweitschlüssel eingepackt, seinen Sohnemann nach Hause laufen und dann echt lang schmoren lassen, bis er irgendwann den vermeintlichen Diebstahl beichten musste. Das war durchaus lehrreich. Allerdings schwierig, hier den Bogen zu Deinen Problem zu spannen.
Setz Dich durch! Ich melde mich in ca. 10 Jahren dann in diesem Topic wieder. Viel Erfolg!
Jan