da hab ich was passendes von letztem jahr...
Letztens im Supermarkt.
Hastig nach der Arbeit ein paar lebenswichtige Bierdosen holen, da mein hochgeschätzter Mitbewohner das Einkaufen vergessen hatte. Dort fand ich mich zwischen gefühlten 130 Biersorten wieder (was meiner Meinung nach deutlich zu wenig ist) und fragte mich, ob das gute 5.0 Export überhaupt Export ist, wenn es in Deutschland gebraut und in Deutschland verkauft wird! Wenn es nie eine Grenze passiert hat, kann es ja nicht wirklich Export sein, oder? Und wenn es aus Deutschland kam, ins Ausland exportiert wurde, und dann anschließend wieder nach Deutschland importiert wurde, dann wäre es ja Import. Genauer gesagt Reimport!
Alles eine Frage des Standpunktes.
Aber kann ja auch sein, dass der Weg des Bieres aus Braunschweig nach Kiel durch das Ausland führt. Bayern oder so. Zählt eigentlich Bundesausland auch? Macht zum Beispiel die freie Hansestadt Hamburg durch ihre Landesgrenzen das Export zum Export? Dann wäre es ja auch kein Reimport mehr, oder? Ach egal! Genug jetzt!
Ich habe dann einfach das 5.0 Original genommen. Das Export, Reimport oder wie auch immer, hatte mir einfach zu viel auf dem Buckel.
Nachdem ich das Abendessen gesichert hatte, machte ich mich, immernoch in bierphilosophischen Gedanken über die Namensgebung der alkoholreicheren, weniger gehopften Biersorte "Export", auf den Weg zur Kasse
Am Ende des Bierregals kamen mir zwei Studenten meines Alters entgegen. Beide etwas größer und viel cooler als ich. Unglaublich viel cooler! Der eine die Strickmütze, der andere die Billabong Cap extra salopp leicht schräg auf dem Blondschopf. Das Longboard durfte nicht fehlen. Und wenn man ein Longboard unterm Arm hat, darf man mit hippen Anglizismen auftrumpfen. Da sie mir eh den Weg versperrten und nicht im Entferntesten Anstalten machten, mich vorbeizulassen, blieb ich also in sicherer Distanz von zwei Longboardlängen stehen und beobachtete die beiden Unartgenossen.
Sie fingen an, sich ihre noch nicht bezahlten Einkäufe gegenseitig zu zeigen! So wie die Jäger abends nach der Treibjagt die Pimmel der erlegten Hirsche auf den Tresen ihrer Lieblingskneipe klatschen und den mit dem Kürzesten zum Bezahlen der Zeche verpflichten, so verglichen sie nun ihre ökologische A+++ Ware.
"Fresh! Tomaten aus der Dose. MIT Kräutern!"
"Tighter, eingeschweißte, vegane Salami. Hält sogar extra long!"
Mir ist die Fresse heruntergeklappt und ich konnte die beiden nur noch angaffen. Irgendwas in mir sagte: "Setz dich auf ne Bierkiste, mach dir ne Dose auf und wirf den Äffchen Fairtrade-Erdnussflips, fettarm, schonen mit Kerosin entfettet und in Glutamat gewälzt, zu."
Da labert mich tatsächlich einer von denen an: "Ey Bro, sorry, is was? Sag doch wenn du vorbywalken willst", und macht tatsächlich Platz.
Also bin ich durch tighte Regalgänge an freshem Dosen- und TK-Fraß vorbygewalked, hab mir noch n Päck Chips zum wegsnacken eingepäckt und bin zur Kasse gegangen. Ich komme mir langsam alt vor.
Ob die Menschen im schönen Anglizismien eigentlich auch finden, dass die Bezeichnung "Export" rassistisch ist? Man sollte niemanden nur aufgrunf seiner Herkunft kennzeichnen! Wenn das mal rauskommt... Ich bin mir sicher, der Zentralrat der Empörten wäre empört! Aber das ist glücklicherweise ein ganz anderes Thema. Ich bin sehr konservativ mit meinem 5.0 Original. Da fällt mir ein: Bierdosen sind ja Konserven und damit auch konervativ... RUHE im Gehirn!
Ich fürchte mich schon vor dem nächsten Einkauf...