Natürlich ist diese E-Diskussion im GSF für viele nichts anderes, als am Sonntag in die Kirche zu latschen und vor versammelter Mannschaft den Pfarrer/Priester zu verfluchen.
Der Zwotakter und seine Möglichkeiten sind seit 20+ Jahren das Filetstück des Forums, darum sind wir hergekommen und darum sind wir hiergeblieben. Aber wenn die Zeit gegen uns arbeitet, kann man eben entweder a) Greta verteufeln und dann, wenn's irgendwann wirklich mal hart auf hart kommt, die Kiste wutschnaubend für immer einmotten oder b) sich jetzt schon mal Gedanken machen, wie eine realistische Alternative zum eventuell gegebenen Zeitpunkt mal aussehen und sich anfühlen sollte, damit wir eben nicht vielleicht plötzlich mit 'nem China-Twist'n'Go-Motor von der Stange wie der Ochs vor'm Berg stehen. Gerade wir sollten doch in der Lage sein, technische Finessen auszubrüten, anzuregen (und zu realisieren?). Bis hin zum modellspezifischen (oder frei einstellbaren) Leistungskurven-Emulator mit passend abgestimmtem Knatter-und-Stink-Modul und drehzahlgesteuertem Maxi-Vibrator unter der Backe/Haube sind da wohl kaum Grenzen gesetzt? .
Aber bevor hier jemand deshalb Panik schiebt, noch werden Verbrenner gebaut und verkauft, es steht noch nicht fest, wann diese Flotte hinterher wieder abgewrackt wird, und noch ist nicht geklärt, ob und ggf. wann bestimmte Fahrzeuge nicht vielleicht einfach so zum historischen Kulturgut erklärt werden und deshalb vielleicht überhaupt nie von der Landstraße verbannt werden, auch, weil sie dann vielleicht als seltene Liehaber-Stücke mit Sonderstellung in der Gesamt-Ökobilanz nicht mehr ins Gewicht fallen. Oder ob es nicht doch irgendwann ein sinnvolles und bezahlbares E-Fuel/Liquid-to-Power zur Marktreife schafft. (Im Moment besteht da allerdings eher wenig Hoffnung auf bevorstehende Durchbrüche in Sachen Ökonomie und Ökologie).
Und genau deshalb interessiert das Thema wohl viele hier: weil man es eben nicht weiß und deshalb lieber vorsorgt, als darauf zu warten, dass einem die geliebte Kiste vielleicht irgendwann einfach mal unter'm Arsch weggerissen wird. Wer sich an der Diskussion nicht konstruktiv beteiligen will: bitte, muss ja nicht. Aber vielleicht wird der eine oder andere später noch mal ganz froh sein, wenn sich andere vorher schon um maßgeschneiderten und dann auch verfügbaren Ersatz gekümmert haben.
Fakt ist: Bei der Motoren- und Akkuentwicklung passieren aktuell Quantensprünge, in China ist z.B. gerade eben erst die E-Auto-Produktion mit der nächsten Generation Super-Akkus (mit Graphen) angelaufen, in etwa 5-6 Jahren werden sie wohl soweit verfügbar und erschwinglich sein, dass sie auch für Sportroller als sinnvolle Alternative attraktiv sind (50% größere Reichweite, alternativ auch kleinere Baugrösse, dazu mögliche Ladezeiten von ca. 8 Minuten bei entsprechendem Ausbau der Infrastruktur an Tankstellen, etc.). Bei den Motoren hat man gerade eine Verdreifachung des Drehmoments bei 20% Energieersparnis zur Marktreife gebracht (was z.B. auch bei gleichbleibender Leistung die Baugrösse verringern kann).
Aus diesen und sehr vielen anderen aktuellen Entwicklungen ergibt sich eine für einige wohl unbequeme Wahrheit: Die Wirtschaft hat sich mittlerweile offenbar für ein grünes "E" entschieden (oder was man als solches verkaufen kann, wobei VW sein blaues E gerade herzhaft und als allgemeine Warnung an alle um die Ohren geklatscht wird), und wenn die Wirtschaft erstmal einschert, dann schert sie so schnell nicht wieder aus (siehe aktuell den trägen AKW- und Kohlekraftausstieg). Die Forschung und Entwicklung der berührten Bereiche wird sich die nächsten Jahrzehnte also aller Voraussicht nach wohl weiter fast ausschließlich auf diese Alternative konzentrieren (und so wird sich z.B. wohl auch die aktuelle englische Forschung zu betankungsfreien Kleinst-Atomkraft-Motörchen trotz theoretischer Machbarkeit nicht durchsetzen). Viele von uns werden voraussichtlich dann mitumsteigen, wenn (!) es für sie aus verschiedenen Gründen wirklich sinnvoll ist, z.B. bei Fahrverboten in Ballungsräumen, wie sie etwa in Amsterdam oder Mailand längst Realität sind. Und wenn's tatsächlich mal passiert, werden wir Politik und Wirtschaft wohl einfach nicht viel entgegenzusetzen haben. Da kann man doch jetzt schon anfangen, Freunde zu bleiben, auch wenn einige sich dann eben der Gesetzgebung anpassen müssten...
Aber das hier ist nicht die E-Wende im Forum, und es will wohl auch niemand in vorauseilendem Gehorsam den politischen Entscheidungsprozessen voranpreschen. Es ist z.Zt. nur ein Nebenschauplatz unserer Schrauberkultur, von dem man nicht endgültig sagen kann, wie wichtig er mal werden kann. Und für viele ist das Thema offensichtlich auch einfach nur ein weiterer spannender Aspekt unseres, doch zugegebenermaßen, seit jeher sehr vielseitigen Hobbies.
Dazu abschliessend: E-Umbauten wurden schon in den frühen 90'ern in der Scootering gefeatured - klar fanden das die meisten damals schon einfach nur skurril, aber am Rande wurden solche Geschichten, neben anderen Extrem-Basteleien wie PX-Motor am Vorderrad, Lachgaseinspritzung oder auch hydropneumatischer DS-Federung im Handschuhfach, eben auch damals schon immer irgendwie bestaunt.
Der Unterschied liegt wohl darin, ob man so etwas machen will oder ob man es machen muss. Ich jedenfalls wünsche den, sagen wir mal, "Hardlinern", dass sie und wir noch sehr lange die Wahl des Antriebs haben, würde mir aber persönlich im Gegenzug auch wünschen, dass sie, aus den genannten Gründen, den, naja, abenteuerlustigeren hier im Forum weiterhin in gegenseitigem Respekt verbunden bleiben. Wer weiß schon, was da kommt, lassen wir uns doch einfach zusammen überraschen...