Kurzes Plädoyer für Mono:
Mono war ja das ursprüngliche Format, das Ende der 60'er massiv auf Betreiben der HiFi-Industrie von Stereo verdrängt wurde (weg mit dem alten, kauf mal das hier). Es gab dabei bis Ende der 70'er z.B. in GB eine recht grosse "Back to Mono"-Bewegung.
Man kann sich den Unterschied in etwa vorstellen, wie bei einer Wäscheleine: Bei Stereo stehst Du davor und hast die Wäschestücke eindimensional von links nach rechts gehen, sind alle da. Bei Mono stehst Du neben der Leine und die Wäschstücke gehen in die Tiefe, sind aber auch alle da.
Der Knackpunkt: Stereo erschafft also ein Bild der Platzierung der Musiker im Raum über die Boxen, starr und vordefiniert. Um bei der Wäschleine zu bleiben: Das kleine Schwarze hängt als drittes von rechts.
Bei Mono passiert das selbe, auch hier bildet sich tatsächlich ein Bild von links vorne und rechts hinten, nur passiert das im Kopf! Dynamik pur. Dabei ist das Klangbild aber einheitlich und fliessend, die einzelnen Instrumente meistens trotzdem sogar noch klarer differenzierbar, wenn man sich auf diese konzentriert. Da ist das kleine Schwarze, eingebettet ins Gesamtbild. (Ist alles natürlich auch eine Übungssache, gerade wenn man auf Stereo getrimmt ist, aber wenn einem Musik was bedeutet, geht das schnell und nebenbei, ganz von selbst)
Bis auf einige Ausnahmen wurden so gut wie alle Alben noch bis in die 90'er zuerst vom Produktionsleiter gewissenhaft in Mono gemixt, um dann dem Assistenten übergeben zu werden: "Mach mal Stereo.." Mono ist also von alters her die hohe Schule, Stereo wurde lange (und oft ganz richtig) als Gimmick betrachtet.
Zum Vergleichen: Bei Spotify liegen z.B. einige Sachen in HiRes Stereo und HiRes Mono aus, da kann man (am Besten über gute Kopfhörer) einen guten Eindruck bekommen (obwohl Vinyl natürlich noch 'ne Schippe drauflegt), Manchmal kann man dann echt nur grinsen: im Extremfall z.B, alles nach links, nur Gesang, Bass und Kazoo "irgendwoanders". Yeah, Stereo! Wer kauft sowas? z.B. 32 Millionen Sgt. Pepper Fans, die bis heute darin schwelgen, Grund dafür im letzten Absatz (Hörprobe: Lovely Rita. Platte mittlerweile allerdings auch neu abgemischt erhältlich).
Ein Grund, warum zum Beispiel Hi-End Auto-, oder Eventbeschallung i.a.R. Mono ist: Ein guter Stereo-Mix funktioniert nur wirklich in einem ziemlich exakt begrenzten, kleinen Sweet-Spot (ein schlechter wie gesagt, gar nicht). Man merkt ja auch in kleinen Räumen schon den Unterschied, ob man links oder rechts im Sofa sitzt. Mono funktioniert dagegen im ganzen Raum. Das merkt der Stereo-gewohnte Hörer allgemein gar nicht, lobt aber hinterher gerne den runden, vollen, guten Klang.
Ein Stereo-System, vor allem mit mehr als 2 Boxen, aufzustellen erfordert ausserdem Geschick. Dem Mono-System ist es dagegen egal, ob da eine oder zwanzig Boxen dranhängen, mit 2, 3.oder 4 zusammenpassenden, z.B. entgegengesetzten, Lautsprechern lassen sich normalerweise hervorragende Ergebnisse erzielen. Es geht ja nur um die Verteilung des 1-Kanal-Klangs im Raum: Dazu einfach ggf. über Balance die Lautstärke aufeinander abstimmen. Denn genau dafür wurde die Balance erfunden. (Diese also ursprüngliche Mono-Funktion ist bei Stereo folglich quasi sinnbefreit, weil man den Sweet-Spot für vollen Hörgenuss bekanntlich einzig richtig über die Positionierung der Boxen definieren sollte: Man verfärbt ja sonst ungewollt die Produktion, und das relativ unkontrollierbar. Aber Kunde kauft....)
Ein wirklich guter Mono-Lautsprecher kommt natürlich wunderbar alleine klar, oder man stellt, wie bei der normalen Stereo-Anlage, alles auf eine Seite, wobei hier allerdings die Positionierung ziemlich egal ist. Immer noch wesentlich besser.
Schummel-Mono bekommt man, wenn man die Stereoboxen einfach so nebeneinander stellt, aber wirklich gleich viel besser wird es, wenn man diese über Kanalweichen jeweils 2-Kanalig speist (=alle Signale in beiden Boxen). Ist schnell gemacht und lohnt sich in fast jedem Fall, vor allem, wenn man an seinen vorhandenen guten Boxen hängt. Das absolute Optimum ist allerdings die Anschaffung eines dedikierten Mono-Systems, da gibt es mittlerweile wieder eine zunehmende Bandbreite je nach Budget.
Wenn heute ein Album in Stereo UND Mono rauskommt, hat das meistens einen triftigen Grund: Mono ist der vom Künstler gewünschte Mix und für's geschulte Publikum. Stereo für die, die's nicht anders haben wollen, z.B. weil sie hochpreisige Stereo -Anlagen zu Hause haben, die sonst ja nicht zur Geltung kämen...
Die wenigsten haben aber einen Ohrensessel genau im Sweet-Spot stehen, und so verläuft sich bei den meisten der Klang auch bei teuren Hi-End Anlagen sowieso für den Hörer in ein diffuses "Quasi-Mono". Dabei ist ein mittpreisiges Mono-System auch, und gerade, hier absolut vorzuziehen. Das kann das gleiche. Nur viel besser! Weil's dafür gemacht ist.