Oh, da hat mich jemand gerufen.
Aus meinem beruflichen Alltag kenne ich das was Du beschreibst auch in Teilen, nur musst Du Deinen Bogen weiter spannen.
Die allermeisten Produzenten sind heutzutage so geil darauf nach irgend einem Standard (meist ISO und Derivate) zertifiziert zu werden, dass ihre Produktionsketten und Verfahren so stark reglementiert und überwacht werden, dass es wenig Spielraum für B- und C-Grades in der Produktion gibt. Die viel gescholtenen Bajaj Group legt u. a. großen Wert darauf zertifizierte Betriebe und Produktionsstätten zu haben, damit sie im internationalen Umfeld mitspielen kann. In China, ich rede nicht von den Millionen Klein- und Kleinstbetrieben die als Sub-Sub-Sub dort unterwegs sind, beginnt das auch schon. Ein nicht zertifizierter und standardisierter Betrieb könnte sonst z. B. nie für Apple die diversen Gerätschaften zusammenklöppeln.
Damit ist aber auch klar, dass es je nach Industrie, einen höheren Anteil an Ausschuss geben muss. An dieser Stelle beginnt dann das was man gerne unter Marktwirtschaft versteht.
Es ist für den Hersteller oft einfacher den Ausschuss zu verkaufen als wieder in den eigenen Herstellungskreislauf ein zu schleusen (Kanban, Just in time usw.). Daraus hat sich dann ein Spot Markt entwickelt. Ein Aufkäufer, der durchaus einen großen und klangvollen Namen hat nimmt sich der „Ware“ als Rohstoff an. Nun gibt es für den Aufkäufer den Moment, in dem er seine Ware prüft und feststellt, was er da hat und das es einen Markt dafür gibt. Nicht selten beim gleichen Zwischenhändler den auch der ursprüngliche Hersteller nutzt. Der Aufkäufer lügt den Zwischenhändler auch nicht an, wenn mit dem Namen des Herstellers als Qualitätssausage wirbt. Da der Zwischenhändler, der Exporteur oder der Importeur, spätestens der der die Teile in den Markt bringt ja sowieso Verpackungen usw. um die Produktionsware anbringen muss, landet so ein B-Grade Schaltkreuz schon mal in der Originaltüte, weil das Qualitätsmerkmal irgendwo auf dieser Strecke auf der Strecke geblieben ist.
Wenn es dann gut ausgeht, kommt das was Du mit Eingangskontrolle beschreibst. Wenn nicht, merkt es der Endverbraucher und ist auf den Hersteller, dessen Qualität er vermeintlich gekauft hat, stinksauer. Zunehmend ein Problem für manche Marke. Früher waren es klassische Fälschungen, gegen die Firmen markenrechtlich (wenn das über verschiedene Rechtssysteme hinweg überhaupt funktioniert) angingen, heute werden es zunehmen Waren aus den Spot Märkten. Ich kenne aus eigenem Erleben zwei große Markenhersteller, die sich wunder was ausgedacht haben um vermeintlich gefälschte, minderwertige Waren mit ihrem Namen darauf nicht in den Markt gelangen zu lassen oder aus selbigen heraus zu bekommen. Am Ende war es ihre eigene Ausschussproduktion.
So und jetzt Feile und Säge raus und schnell eine Schaltkreuz geschnitzt.