Ist alles eine Frage der Perspektive. Aus der Mikroperspektive kann einem bei genauer Betrachtung des einzelnen auffallen, dass wirklich jeder authentisch ist, weil er irgendwie sein Ding durchzieht. Letztlich können sich die Leute ja nur durch sehr harte Disziplin (oder, konträr, durch Kapitulation) ändern, also richtet sich jeder im Leben ein, wie es ihm mit seinen Möglichkeiten passt. Wenn also z.B. jemand mit Leib und Seele Plastikkasper (Hypstr) ist, dann hat das zwar keinen gesellschaftlichen Wert (außer der Konsumentenrolle) und wohl auch keinen Bestand. Es scheint auch nicht sonderlich originell, einfach die neuesten Trends aus dem GQ-Magazin, Wallpaper, etc. zu kopieren bevor es jemand anderes tut, aber solange der Typ das selbst glaubt und lebt ist da durchaus eine gewisse Wucht dahinter. (Was mir dabei allerdings persönlich auf die Nüsse geht, ist diese Haltung: "Mach mir mal 'ne Soul-Compilation, aber nicht zu viel, nur die 10 besten Stücke". Das ist echter Retro und deswegen der Spruch in meiner Signatur.) Wenn man die gebührliche Distanz wahrt, kann man sich entsprechend echt alle Leute interessiert ansehen, wohl wissend, dass man die nicht mit nach Hause zu nehmen braucht. Klar gibt es da welche, denen man einfach nur 24h am Tag Verstand einbläuen möchte (in meinem Fall selbstverschuldetes Prekariat, Neoliberale, etc.), aber man braucht sich ja zum Glück nicht mit absolut jedem näher zu befassen. Aus der Makroperspektive erschließt sich dann die Summe der einzelnen, eben die Gesellschaft, und nur die sollte man wirklich kritisch betrachten und bewerten, alles andere ist kleingeistig. Durch diese Reflektion, also dem Vergleich zwischen sich und der Masse der anderen, entsteht die bildungsbürgerliche Authentizität, die du wohl vermisst. Eben eine persönliche Sensibilisierung für die Werte, die du verteidigen würdest, sei es nun, in diesem Fall, konkret, dein Qualitätsfahrzeug oder, abstrakt, deine eigene Ideologie dahinter. Das eigentliche Problem mit der heutigen Gesellschaft ist die neue Art sie zu betrachten. Dieses sprunghafte Hin und Her der Meinungsströmungen kann einen an der Beständigkeit der Werte zweifeln lassen, aber der Schein trügt: vorgestern Lichterketten, gestern Pegida, heute allgemeine Ratlosigkeit. Das sind alles jeweils nur die Stimmen, die gerade zu Wort kommen, der einzelne ist (in der Mikroperspektive) in seinem Tun und Denken sehr viel gefestigter und damit eben auch auf seine Art authentischer. Ausnahmen zur Regel sind unreife, geltungssüchtige Menschen und Hedonisten ohne Tiefgang, eben diejenigen, die die sogenannten neuen Medien zu beherrschen scheinen und dadurch das Gesamtbild verzerren. Mein FB heißt GSF.