Ich wurde von einigen Kollegen hier gebeten mal etwas zu den Basics meiner Tourenplanung und meiner Erfahrung zu Reisen bezüglich Ausrüstung, Gepäck, Setup etc zu erzählen.
Habe in den letzten 8 Jahren mehrfach große Touren gemacht (zwei mal über 20K und zwei mal über 10K) mit insgesamt 120.000 km in 44 Ländern auf 4 Kontinenten. Für die Touren habe ich von Ape50 über V50N bis zu P200E alles mögliche verwendet in verschieden Setups. Ich gebe hier nur meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wieder und diese müssen nicht mit dem übereinstimmen, was andere gemacht haben.
Wenn ich morgen auf eine Tour über 10.ooo km aufbrechen würde und könnte die Waffe meiner Wahl auswählen, dann wäre wohl eine Largeframe Vespa wie eine PX oder Sprint, LML 150 Star 2t oder Bajaj Chetak 150. Mit allen dreien habe ich sehr sehr gute Erfahrungen gemacht. Also wenn möglich jenseits von 150ccm. Smallframe Vespas sind mir für sehr lange Touren meist zu anfällig und zu nervös zu fahren.
Zum Setup: Ich weiß viele im Forum wollen gerne viel Leistung und viel Hubraum. Wenn man gerne und gut schraubt und nicht risikoscheu ist kann man das gerne so machen.
Ich habe meine besten Erfahrungen allerdings mit P200 12 PS Variante komplett Ori, Stella Genuine 150 (LML) mit Box Auspuff sowie Bajaj Chetak DR 177 mit langer Übersetzung einer 200er gemacht. Heute würde ich wohl am ehesten eine PX150/ LML 150 2T mit nem Box Auspuff für ne Fahrt wählen, weil der 150 ccm Motor der weltweit am weitesten verbreitete ist und somit Ersatzteile an so ziemlich jedem Punkt der Erde ausser den ehemaligen Sovietrepubliken verfügbar sind. Würde mich auch eher für ne leisere als ne stärkere Box entscheiden, weil ich gerne auch mal 600-800km am Tag gemacht habe und der Lärm einem dann auf den Keks geht.
Für Sitzbank empfehle ich falls möglich den der Correos Vespa aus Spanien oder etwas ähnlich straffes ohne Federn. Hat man das nicht zu Hand gibt es die Möglichkeit mit einem "Airhawk" zu schummeln. Ist ein aufblassbares Sitzkissen, das einfach die Zeit im Sattel verdoppelt ohne Schmerz.
Scheiben sind oft Geschmackssache, aber speziell in der Wüste oder generell bei Hitze und auf sehr langen Fahrten war eine niedrige Scheibe, die gerade so den Wind über den Helm führt angenehm. Mit der großen Scheibe war ich nicht ganz glücklich, weil sie zu viel Seitenwind aufnimmt und ich auch mal gezwungen war von London bis zur Fähre in der Nacht bei Nieselregen und Nebel stehend zu fahren, weil die Scheibe komplett beschlagen war.
Gepäckverteilung: Bei meinen ersten Touren habe ich mir selbst ein Alu-Koffer System gebaut und hatte vorn und Hinten Gepäckträger. Heute fahre ich auch vorne und hinten Gepäckträger, aber Standard in Verbindung mit Rollersack/Sea and Sand Tasche. Für mich hat bei Smallframe der Rollersack gut funktioniert und bei Largeframe die Sea n Sand. Versucht das Gewicht so gut es geht nach vorne zu verteilen, um Schlingern durch ein zu leichtes Vorderrad zu vermeiden. Wichtig war für mich auch, die Gepäckträger vor beladen mit fetten Kabelbindern zu fixieren, damit nichts federt und auf dauer abbrechen kann. Auch empfehle ich ein bis zwei lagen Panzertape unter den Gummiauflagen des Frontträgers zu packen, weil das sonst nach 10.000 km durch ist und den Lack beschädigen wird.
Reifen: Meine besten Erfahrungen habe ich mit dem K58 von Heidenau gemacht, da ich damit bei jedem Wetter und jedem Strassenbelag gut durch kam. Ich wurde bei meiner Weltreise von denen gesponsert, aber hatte den Reifen davor schon immer selbst gekauft. Am übelsten sind jedwede Weißwandreifen. Habe ich in Ligurien bei Starkregen auf nem Kreisverkehr mal getestet- 30 Meter auf dem Arsch is wenig lustig.
Werde das Topic noch erweitern... das war mal n Anfang!