Tag 8 Sonntag – Viora/Piemont bis Laigueglia/Ligurische Küste 278 km
Heute soll es zum Ziel der Tour, der Tornante della Boaria gehen. Alpin geht es in 11 Kehren bis auf die Passhöhe des Colle di Tenda mit dem brechend vollen Chalet Le Marmotte, die ein beliebtes Ausflugsziel bei Einheimischen, Touristen und Motorradfahrern zu sein scheint. Leider erst hier stellt sich raus, dass die Tornante della Boaria nur über die ligurische Grenzkammstraße zu erreichen ist, die ja weitgehend Schotterpiste sein soll. Auch, weil die hier zwar geteert, aber nur ca. 2 m breit, losgeht und wir während des Pausenstops keine anderen Motorräder einfahren sehen, aber einige Wanderer, Mountainbiker und Spaziergänger mit Kinderwagen, beschließen wir, das Wagnis der Grenzkammstraße aufzugeben. Leider ist die Passabfahrt Richtung Meer gesperrt und so müssen wir wieder zurück Richtung Cuneo und in einem weiten Bogen östlich um den Grenzkamm herum, bis wir bei Albenga das Mittelmeer erblicken. Von dort nehmen wir eine Schnellstraße bis zur Ortschaft Laigueglia auf halbem Weg zwischen Albenga und Imperia. Der Camping San Sebastiano dort ist versteckt zwischen den Häusern und terrassiert am Hang angelegt, die Zikaden geben eine laute Hintergrundbeschallung. Auf der Strandpromenade ein Gewühl von Touristen und Souvenirläden, der Strand ist säuberlich in Parzellen mit Liegestühlen und Sonnenschirmen aufgeteilt. Ein freies Baden ist wohl kaum möglich, aber am Abend ist der Strand leergefegt, die Parzellen werden geharkt und gesäubert und ich genieße – als einziger von uns – das Baden im warmen Meer.
Tag 9 Montag – Laigueglia/Ligurische Küste bis Tortona 232 km
Eigentlich hatte ich vor, am Meer einen Ruhetag zu verbringen, aber der Zwangsaufenthalt wegen der Bremsbacken am Idrosee hat Zeit gekostet und so geht es heute gleich weiter. Obwohl die Route noch ein Stück noch bis Savona entlang der Küste führen sollte, leitet mich das Kurviger-Navi schon wieder kurz hinter Albenga ins Landesinnere, möglicherweise hab ich vergessen, feste Streckenpunkte bis Savona zu definieren. Ziel ist heute, die Poebene via Piacenza bis zu einem der Seen westlich des Gardas zu fahren. Kurz vor Tortona kracht es dann beim losfahren an einer Kreuzung in Saschas Getriebe und das Hinterrad blockiert. Er schiebt die PX noch 300 m bis zur nächsten Tanke und es ist klar, dass da was gravierendes, nämlich das Schaltkreuz, kaputt gegangen ist. Während Sascha laut nachdenkt, sich vom ADAC abholen zu lassen, finde ich per Google einen Piaggio-Händler in Alessandria. Ich rufe dort an und frage radebrechend nach einem „crociera“ für PX-Alt, das sie auch da haben! Also fahren die zwei Rainers die 30 km einfach nach Alessandria das Schaltkreuz besorgen, während Dave und Sascha den Roller bei 38° ins gottseidank nur weitere 300 m entfernte Hotel Villa Giulia zerren und dort schon ein Zimmer klarmachen.
Es folgt dann am Abend das Spalten des Motors im eingebauten Zustand, mit Werkzeug sind wir ja gut ausgestattet und ich kann wieder mit meinem Akku-Schlagschrauber auftrumpfen. Lästig sind die Myriaden von Moskitos auf dem Hotelparkplatz, die sogar trotz Autan noch durch die Klamotten stechen. Den Seegerring auf der Antriebswelle ohne passende Zange runterzupfriemeln ist etwas mühsam, funktioniert aber auch. Tatsächlich sind alle 4 Enden des Schaltkreuzes abgebrochen und haben dabei aber wenigstens nicht weitere Schäden verursacht. Nach etwa 2 Stunden fährt Sascha eine Proberunde auf dem Parkplatz und alles funktioniert wieder wie es soll. Großes Aufatmen, Dave sagt, es kann ja nicht sein, dass wir nicht wie bei den bisherigen Touren alle auf eigener Achse wieder heimkommen, und wir haben uns Pizza und Bier/Cola verdient.
Tag 10 Dienstag – Tortona bis Lago d’Idro 240 km
Sehr angenehm, am nächsten Morgen im Hotel ein üppiges Frühstück zu bekommen. Bei anhaltender Hitze sind wir froh, wieder in die Berge zu gelangen und fahren den Camping Belvedere am Lago d’Idro an. Baden im See, gediegen essengehen, neues Ersatzrad montieren. Dolce Vita halt.