Ich denke, dass eine Partei wie die AFD einen derartigen Zuspruch genießt, ist in erster Linie ein Versäumnis der Altparteien.
Werden AFD-Wähler nach Gründen für ihre Wahlentscheidung gefragt, ist oft von Zukunftsängsten, Sorgen vor sozialem Abstieg, Angst vor Veränderungen etc. die Rede. Ich denke, würden die anderen Parteien ihre Hausaufgaben machen, würde ein Großteil der Leute auch denen die Stimmen geben, und nicht der AFD. Klar, man kann natürlich markige Sprüche raushauen ("Wer Nazis wählt ist ein Nazi"). Aber zumindest Politiker sollten diese Leute und ihre Sorgen ernstnehmen.
Dass die AFD hier keine Lösung anbietet, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Das Parteiprogramm ist ja überraschend klar formuliert. Und wenn man dort mal einen Blick hinein wirft, wird auch ziemlich schnell deutlich, dass diese Partei nicht die "Stimme der kleinen Leute" ist, die viele ihrer Wähler in ihr sehen. Arbeitslosen soll es nach Willen der AFD ziemlich an den Kragen gehen. Ein vereinfachtes Steuerrecht würde in erster Linie Menschen mit hohem Einkommen zu Gute kommen. Arbeits-, Wohnungs- und Sozialpolitik zielen vorrangig darauf ab, diejenigen zu stärken, die tendenziell eher keine Probleme haben.
Nur: Was würde ein Verbot bringen? In erster Linie würden die Rechten in ihrem Narrativ, dass man heutzutage keine abweichende Meinung mehr haben darf, bestärkt werden. Dass Vakuum, dass die AFD hinterließe, würde mittelfristig durch eine andere Partei gefüllt werden, die zwar ähnlich rechts wäre, sich aber weniger Grenzübertritte leisten würde. Vor allem aber würden viele Bürger ihr Vertrauen in unsere Demokratie verlieren.
Ich denke, es ist Aufgabe der Altparteien, im demokratischen Wettbewerb gegen die AFD zu punkten. Ein Verbot würde eher Destabilisierung als das Gegenteil bringen.
Und sorry, der Vergleich mit 1933 ist hier fehl am Platz. Damals kam es zu einer illegalen Machtübernahme, die von weiten Teilen der demokratieskeptischen damaligen Bevölkerung gebilligt wurde. Das war eine gänzlich andere Situation.