Es muss nicht immer gleich gefällt werden!
Baumpflegemaßnahmen nach Schräglage und Starkholzspaltungen durch Sturmtiefs der letzten Jahre bei einem Juniperus chinensis (Baumwacholder).
Die Vorgeschichte: Durch das Sturmtief Kyrill (2007) kam es zu Wurzelabrissen bzw. Anhebung des Wuzeltellers, wodurch der Baum in eine Schräglage gelangte (ca. 20° zur vertikal Ausrichtung).
Nachdem leider die Winddynamiken in den letzten Jahren immer mehr zunahmen, konnte sich der
Wurzelballen auch nicht mehr wirklich im Erdreich neuerlich stabilisieren. Dazu kamen diverse Ast und Stammspaltungen durch extreme Schneelasten. Da sind leider immergrüne oder benadelte Gehölze besonders anfällig, weil sie genug Auflagefläche liefern.
Der Eigentümer hat dann noch versucht, das Ganze laienhaft selbst abzustützen, wobei leider auch aufgrund der verwendeten Eisenstange nochmals erhebliche Schaden dem Stamm zugeführt wurde. Auch das Sichern der Kronengabel mittels Kunststoffseil ist jetzt nicht wirklich optimal erfolgt. Nachdem es im Winter 2018/19 wieder massive Schneelasten gegeben hat, kam es neuerlich zu schweren Astspaltungen und ich wurde erstmalig um Hilfe gebeten um den Baum von den schweren Schneelasten zu befreien.
Im Zuge dieser Tätigkeiten konnte ich die massiven Beschädigungen am Baum auch feststellen und es war klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Weniger wegen der Verkehrssicherungspflicht, vielmehr zum Schutz von baulichen Einrichtungen. Im Falle eines Baumwurfes wäre es zu hohen Sachbeschädigungen gekommen (Nachbarzaun, Hecke, Solitärgehölze bzw. teuerste Terrassenausstattung. Da die Eigentümer grundsätzlich immer in Richtung Erhalt tentieren, kam eine Fällung nur als letzte Konsequenz in Frage und somit durfte ich mir Gedanken bezüglich Statik und Kronensicherung mit baumchirurgischem Eingriff machen.
Juniperus ca. 7m hoch und einem Alter von ca. 50 Jahren
Hauptkrone mit Spaltung notdürftig mit Seil fixiert
Eisenstange als Sicherung gegen Umstürzen, die tatsächliche Schräglage ist auf den Fotos nicht wirklich zu erkennen.
Nach Abklärung der Sanierungskosten (eine Fällung wäre am günstigsten gewesen) haben wir uns für eine Stahlseilabspannung am Mauerwerk und den Einbau von dynamischen Kronensicherungen entschieden. Ich hätte gerne eine Abspannung nach drei Seiten gehabt, aus optischen Gründen wurde dann aber ein Kompromiss mit zwei Seilen ausgeführt.
Bei den Abspannungsmaterialien habe ich die Ausführungen in Edelstahl gehalten. Bei den Kronensicherungen verwende ich GEFA-Gurtbänder und Schnallen, bei den Kambiumschonern bzw. Schlaufen, Produkte der Marke Treesafe (2-8t Bruchlast). Da gibt es zwar deutlich schönere gespleißte Ausführungen. Da ich aber alleine tätig bin, komme ich einfach im Baum mit den oben angeführten Komponenten besser zu recht, da die Geschichte einfach Plug and Play funktioniert.
Im ersten Arbeitsschritt wurde von mir das Totholz aus dem Kronenbereich entfernt und schon mal kleinere Entlastungsschnitte in der Krone vorgenommen. Wichtige Regel so wenig wie möglich, soviel als nötig!
Die wichtigste Voraussetzung ist aber die Einhaltung der naturschutzrechlichen Vorgaben!
Diese Tätigkeiten sind ausschließlich nur von Oktober bis Februar gestattet! Danach treten die Artenschutzbestimmungen in Kraft und man hat im Baum nichts mehr verloren. Das ist nun mal der Lebensraum vieler Tiere und uns steht es nicht zu, diesen empfindlich bzw. permanent zu stören.
Bei den Spaltungen wurde es dann ein wenig komplexer. Hier habe ich Gewindestangen eingebaut und die Risse geglättet (bessere Überwallung) an den Enden der Risse wurden Entlastungsbohrung vorgenommen und diese leicht angesenkt. Die Gewindestanden wurden nach der stärke der betroffenen Durchmesser dimensioniert (M6-M10). Auf zusätzlichen Wundverschluss wurde verzichtet (bin auch kein wirklicher Freund davon), da der in der Regel bei Koniferen vom austretenden Harz erfolgt. Diese Maßnahmen sind als statische Verbindung zu sehen, daher gehören sie im oberen Bereich aufgrund der Hebelwirkung mit den Gurtbändern dynamisch nachgesichert um möglichst wenig Verwindungsmoment bei Drucklasten an den Gewindefixierungen aufkommen zu lassen.
Ich habe dann immer einzelne Äste mittels Gurtband vorgespannt und die "Astsicherungen" eingebracht. Es muss nicht immer sauteures Baumbindematerial verwendet werden, als Privatanwender kann man natürlich auch einen normaler Spanngurt mit einem improvisierten Kambiumschoner verwenden.
Bei den Abspannungen zum Haus wurden Edelstahlhalterungen und Seilspanner verwendet.
Die Gewindestangen der Halterungen mit Spezialkleber eingebaut und mit Hutmuttern befestigt.
Dann mittels Flaschenzug die notwendige Vorspannung erzeugt um das Stahlseil einzubauen.
Einmal im Jahr überprüfe ich die Kronensicherungselemente und die Verspannungen, wobei sich
da aufgrund der "Überdimensionierung" noch nicht wirklich eine Lockerung erkennen lies.
Bilder folgen im zweiten Beitrag!