Kann mich hier in erster Linie nur auf unsere nationale Gesundheitsbehörde FHI beziehen, die allerdings auch international hoch anerkannt ist.
Jo, die Genschere ist ein Ansatz von dem sich Teile der Wissenschaft in (ferner) Zukunft viel versprechen. Diese Art der Impfung fällt in den Bereich der Mutagenese (= Erhalt der Gesundheit durch kontrolliert herbeigeführte Mutationen in den entsprechenden Zellen). Klingt erstmal heftig, aber es geht konkret darum, bestimmte Gene auszuschalten, bzw. defekte Gene zu ersetzen oder zu reparieren, z.B. solche, die für die Disposition für erbliche Krankheiten wie Diabetes 1, Brustkrebs, aber auch Autoimmunkrankheiten wie MS, etc. verantwortlich gemacht werden. So könnte man sich in (ferner) Zukunft z.B. gegen Herzinfarkt impfen lassen (wenn eine erbliche Prädisposition besteht).
Bei der Covid-Forschung geht es speziell um den relativ neuen (Durchbruch 2012) Mutagenese-Unterbereich "CRISPR", der von den beteiligten Forschern als vergleichsweise preiswert und präzise angesehen wird. Ob gerade dies zu einem Durchbruch in der aktuell akuten Covid-Therapie führen wird, wage nicht nur ich zu bezweifeln:
Es gibt erhebliche ethische und bürokratische Hürden zu nehmen, ausserdem ist die CRISPR-Technologie in anderen Bereichen zwar schon erprobt, aber es steht alles noch ziemlich am Anfang. Langzeit-Studien, z.B. zur Gefahr, aus Versehen auch mal ein paar falsche DNA-Sequenzen abzuknipsen, sind noch lange nicht abgeschlossen. Auch in anderen Bereichen scheint die Datensammlung noch nicht abschliessend auszureichen.
Ich vertraue da voll und ganz auf die deutschen Gesundheitsbehörden, einen 2. Contergan-Skandal, wo ein unzulänglich erprobter Wirkstoff/Therapie auf den Markt kommt, halte ich heutzutage für nahezu ausgeschlossen (nahezu alle Faktoren, die damals zum Skandal geführt haben, sind heute gezielt ausgebessert). Eine Covid-Therapie wird es wohl in absehbarer Zeit geben, aber sie wird wohl aus einer anderen Richtung kommen. Dass aber trotzdem in diese Richtung geforscht wird, hat wohl mehr mit CRISPR zu tun, als mit Covid. Denke, der relevante Durchbruch der Technologie wird in der Virologie eher bei Ebola o.Ä. kommen. Das sind dann erstens erstmal, zynisch betrachtet, "die anderen" und zweitens haben Ebola-Patienten häufig eh keine Wahl.
Zu CRISPR und irgendwann mal darauf aufbauenden Therapien: sie werden sich vermutlich mal durchsetzen und damit unseren Nachkommen (freiwillig) ein längeres Leben bieten können. Zur Ethik: Medizinische Eingriffe ins Erbgut körpereigener Zellen ist längst akzeptiert, bei der Entwicklung moderner Strahlentherapien wird nicht mehr das Krebsgewebe an sich zerstört, sondern gezielt dessen DNA. Wenn's schonender und effektiver ist, sollte kaum ein Betroffener dagegen sein. Kommt also auch hier drauf an, wie präkär die Lage ist. Bei allem Stress, Covid scheint mir allgemein nicht präkär genug für derart radikale Massnahmen zum gegenwärtigen Zeitpunkt, CRISPR könnte wohl, wenn überhaupt, z.Zt. nur als freiwillige Testreihe bei terminal Erkrankten (nach vorheriger Einwilligung) zum Einsatz kommen.
Würde mir da jetzt also wirklich keine Sorgen machen. Wenn da jetzt allerdings ganz überraschend ein Quantensprung in der Forschung passiert (im Wesentlichen die wirklich umfangreiche Veröffentlichung verifizierter Massenstudien), können wir's aber gern weiterbesprechen.