Moin Leute,
habe der Zündgrundplatte (ZGP, 7 Kabel) meiner P200E"alt" mit Batterie eine neue Kabelpeitsche spendiert.
Hier einige Fotos dazu:
Ausgangsstand - die Kabelmäntel waren teilweise brüchig, ein Kabel praktisch schon "skelettiert" und nur mit Schrumpfschlauch geflickt.
Eine Ersatz-Kabelpeitsche habe ich bei Kabel Schute bestellt - Verarbeitung ist gut, die Kabellängen sind mehr als ausreichend. Leider fehlten die Verschrumpfungen zw. Kabeln und Steckern bzw. Kabelschuhen. Bougierrohr und Kabelbinder liegen bei. Isolierlack habe ich keinen verwendet. Als Isolierlack habe ich einen Acryl-Harz-Lack aus dem Modellbaubereich (Tamiya) verwendet.
Hier sieht man die bereits aufgetrennten Kabelstränge - ich habe vorher alles penibel beschriftet und Fotos gemacht. Das rote Kabel gibt es z. B. zwei Mal - einmal mit Stecker und einmal mit Kabelschuh.
Dann habe ich mich an's Abtrennen der alten Kabel gemacht: ich habe die Kabel sehr knapp abgeschnitten, was den Vorteil hatte, dass ich die Anschlussfarben noch erkennen konnte und gleichzeitig die Kabellänge +/- 5 bis 10mm abmessen konnte.
In meinem Fall haben sich folgende ca.-Längen ergeben:
Kabel (grün) mit Schuh ca. 318mm
Kabel (weiss) mit Schuh ca. 328mm
Kabel (rot) mit Schuh ca. 295mm
Kabel (lila) mit Stecker ca. 323mm
Kabel (gelb) mit Stecker ca. 363mm
Kabel (rot) mit Stecker ca. 323mm
Kabel (schwarz) mit Stecker ca. 288mm
Hier die "nackte" beschriftete Vorderseite
Danach die neuen Kabel eingefädelt und positioniert. Die längsten Strecken (z. B. gelb) habe ich zuerst und ganz innen verlegt. Hinweis: Kabel eng verlegen, damit das um die ZGP sausende Polrad sie nicht verletzt oder abreisst. Die Kabelenden werden sehr knapp abisoliert, ca. 5mm reichen aus. Bei Weiss und Schwarz, die auf "Masse" gehen sollten es ca. 10mm sein. Tipp: Adern der Kabelenden vor dem endgültigen Anlöten schon mal verlöten, damit sie nicht so aufspleissen. Es sollte mind. ein 50W-Lötkolben verwendet
werden. Gerade beim Löten "auf Masse", d. h. auf der Grundplatte reichen 30W nicht aus und man läuft Gefahr, dass der Lötpunkt nicht völlig
durcherhiltzt wird. Bei den Lötpunkten an den Wicklungen dagegen sind 15-30W völlig ausreichend.
Das neue "Kabelsträusschen" und das Endergebnis.
Durchmessen mit dem Multimeter:
(Besser am Kabelschuh messen, als am Lötpunkt)
Ladespule: Zwischen Grün und Masse: 0,49 kOhm (Soll 0,50 kOhm bzw. 500 Ohm)
Pickup: Zwischen Rot und Masse: 112 Ohm (Soll 110 Ohm)
Passt also!
Danach ging es an's Bestimmen des Zündzeitpunktes [ZZP]. Ich hatte mich mit dem Thema Vorzündung, Zündzeitpunkt etc. hier im GSF informiert. So richtig klar geworden ist mir das Ganze erst, nachdem ich es selber einmal durchgespielt hatte. Ich habe mich gegen Zeiger aus Draht und irgendwelche Gradscheiben etc. entschieden. Meine Lösung sah wie folgt aus:
Ich habe eine vorhandene Gussrippe im Luftkanal "oben" am Gehäuse. Hier habe ich einfach mal meinen Bezugspunkt am Gehäuse festgelegt ("OT am Gehäuse"). Es kann aber auch einfach eine Markierung an dieser Stelle sein.Mein P200E-Ori-Motor mit 10 PS benötigt einen ZZP von 23° vor OT. Mittels eines Rechentools habe ich passend zum Umfang des Kreises auf welchem sich die Markierung "OT" und "ZZP" befinden (sollen) die Bogensehne für 23° errechnet (hier ca. 33,5mm) und mittels Schieblehre gegen den Uhrzeigersinn abgetragen (Danke an GSF/Blutoniumboy für den Tipp mit der Sehne). Wer möchte, kann natürlich gleich noch Markierungen für z. B. 19° oder 21° anbringen. Anmerkung: Ein Gewebemassband aus Frauchens Nähzeug hatte übrigens eine lausige Massgenauigkeit , falls einer diese Alternative verwendet.
So sehen meine Markierungen am Gehäuse aus:
Jetzt ging es darum den "Oberen Totpunkt" [OT] des Kolbens zu bestimmen und am Polrad zu markieren. Hierzu Polrad
montiert und mittels Umschlagmessung mit einem Kolbenstopper Marke Eigenbau aus einer alten Zündkerze den "OT" am Polradrad bestimmt.
Ich haben die Markierung "OT am Polrad" hinter dem Lamellenkranz in der Nähe der vorher erstellten Gehäusemarkierung positioniert, um später beim Blitzen die Markierungen besser in Deckung bringen zu können. Umschlagmessung wie folgt:
Zündkerze aus dem Zylinderkopf heraus und Kolbenstopper fest eindrehen. Dann am Polrad im UZS drehend den ersten Stopp des Kolbens am Stopper feststellen und an dieser Stelle den "OT Gehäuse" auf das Polrad übertragen (= 1. Hilfspunkt). Das gleiche Prozedere nochmal ggUZS für den zweiten Kolbenstopp (= 2. Hilfspunkt). Die Mitte zw. diesen beiden (Hilfs-)Markierungen ist nun "OT am Polrad" (Bestimmung der Mitte mittels Papierstreifen oder Massband). Plausibilitätsprüfung: Wenn nun die Markierungen für "OT am Polrad" und "OT am Gehäuse" in Deckung sind, sollte sich der Kolben am oberen Totpunkt im Zylinder befinden, d. h. am oberen Wendepunkt. Hier hatte GSF/Motorhead einen guten Tipp parat: Durch das Kerzenloch kann man mittels eines sauberen Fühlstabes (z. B. Schraubendreher oder Holzstäbchen) grob prüfen, ob der Kolben wirklich oben am Umkehrpunkt ist, d. h. bei leichten Hin- und Herdrehen ist der Wendpunkt fühl- und sichtbar.
So sehen meine Markierungen am Polrad aus:
Kontrolle mit der Zündlichtpistole bei erhöhter Drehzahl (alle Teile ordnungsgemäß verbaut, festgezogen, etc.):
Die Markierung "OT am Polrad" scheint im Stroposkoplicht der Zündlichtpistole auf Höhe der Markierung "ZZP 23°" am Gehäuse zu verharren, d. h. der analog zum Zündfunken des Motors entstehende Lichtblitz der Pistole erwischt die Markierung "OT am Polrad" 23° vor dem OT des Kolbens, was der gewünschten Vorzündung für diesen Motor entspricht.
Hinweis: beim ersten Abblitzen lag der ZZP leicht nach rechts/ im UZS verschoben, die 23° waren noch nicht ganz erreicht. Ich habe darauf hin die ZGP sehr wenig nach links/ ggUZS gedreht (dazu Polrad wieder runter, etc.), quasi in die Richtung, in die ich den ZZP verschieben wollte. Beim zweiten Versuch haben die Markierungen dann exakt gefluchtet.
Hier noch ein Bild der Werksmarkierungen zum ZZP an der ZGP und am Gehäuse wie ich sie vorgefunden habe.
Meine Kontrolle mit der Zündlichtpistole hat ergeben, dass nur eine sehr geringe Korrektur notwendig war (in meinem Fall die zweite Plausibilitätsprüfung). Ich hatte übrigens Schwierigkeiten die gem. Expolsionszeichnung notwendigen Beilagscheiben und Federringe unter den drei M5-Schrauben zu positionieren, die die ZGP am Gehäuse halten, ohne dass die Schraubenköpfe innen am Polrad streiften - habe dann nur die Beilagscheiben und Schraubensicherung von Weicon verwendet.
Möglicher Werkzeugeinsatz:
Polrad-Haltewerkzeug
Polrad-Abzieher
Lötkolben (bis 50W)
Abisolierzange
Kolbenstopper
Drehmomentschlüssel
Multimeter
etc.