Wir (damals Stuttgart Scooterists) haben erstmals vor ca. 20 Jahren das sog. "Merry Crossmas" für Vespas immer jedes Jahr zu Weihnachten organisiert und ca. 10x durchgeführt. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, entweder als Fahrer oder Zuschauer.
Das war ein Crossrennen für Vespas, anfangs sehr behelfsmäßig und auf illegalen Strecken (im Wald oder in annektierten Kiesgruben), wo man nach dem Rennen sehen musste, dass man schnell wieder verschwindet und die entstandenen Flurschäden notfalls auf Wildschweine schieben konnte. Alle (!) waren extremst betrunken und war zwingende Voraussetzung für die Teilnahme als Fahrer oder Zuschauer.
Später wurde das Ganze professioneller und die Strecken waren entweder angemietete Wiesen von geistesgestörten Bauern oder sogar richtige Motocross-Strecken von Motorradclubs/-vereinen.
Wer schon mal mit einem Roller (i.d.R. Vespa) ein richtiges Crossrennen gefahren ist, der weiß, dass das extrem anstrengend und durchaus anspruchsvoll ist, vor allem wenn das Gelände zusätzlich Steigungen bzw. Hügel aufweist oder die Strecke aufgrund vorangegangenen Regens aus komplettem Matsch besteht.
Zusätzlich gab es die Kategorie "Kill the hill", was nichts anderes war, als ohne Gehirn einen steilen Hügel so weit es geht mit Vollgas hochzufahren und dann beim Sturz vom eigenen Roller von oben totgeschlagen zu werden. Sieger war der, der am weitesten nach oben kam oder schlicht überlebte. Ich kann mich erinnern, dass ich in einem Fall den Pokal an eine Leiche überreicht habe, weil keiner der Kill-the-hill-Teilnehmer mehr atmete.
Nach 10-15 Minuten Crossen waren die Fahrer in der Regel körperlich kaputt und das waren seinerzeit keine Opas, sondern potente Burschen zwischen ca. 20-35 Jahren, die regelmäßig ausdauernden Geschlechtsverkehr mit Clubmiezen, Hang-arounds*innen und abgehalfterten Clubkollegen hatten.
Deshalb hat man mehrere Race-Durchgänge mit Pausen dazwischen oder Ausscheidungsrennen bis zum Finale gemacht. Und nicht selten war dann auch während des Rennens der ein oder andere Roller im Eimer (Kupplung defekt, Motorschaden, Matsch in allen Ritzen und beweglichen Teilen etc.).
Langer Rede kurzer Sinn:
Das Ganze ist sehr herausfordernd für Mensch und Maschine, wenn man das unter richtigen Wettbewerbsgesichtspunkten betreibt.
Gleiches gilt für die Orga, wenn alles legal, angemeldet und vor allem auch weitgehend sicher sein soll. Verpflegung und Saufware organisieren, diverse und verlässliche Helfer finden, Sanitäter, Streckenfindung, Pokale im Vorfeld bestellen, kleines Regelwerk aufstellen, Streckenposten, Schreiberling zu Dokuzwecken, Kontakt mit zuständiger Gemeinde aufnehmen, Werbung im Vorfeld machen, After-Race-Partylocation finden und VOR ALLEM 2-3-4 wirkliche Vollidioten mit Unmengen an Idealismus finden, die die "Zügel in der Hand halten" und das trotz Alkoholismus schaffen etc. pp.