Mit dieser Selbsteinschätzung klingst Du schon mal sehr positiv denn wer ist schon ausreichend in der Lage, sich selbst realistisch einzuschätzen?
Demokratie hat diese Nachteile, aber es gibt nichts auf dieser Welt, was nur Vorteile und keine Nachteile hätte. Außer Bier.
Es gibt sicherlich Möglichkeiten, an gewissen Stellen zu schärfen und Dinge, die nicht optimal geregelt sind, zu verbessern. Aber im Grundsatz sehr ich keine andere, wirklich praktikable und realistisch umsetzbare Möglichkeit, außer der Demokratie, die dann den meisten Rückhalt im Volk hat, wenn jeder mittun darf.
Kein Mensch und sei er noch so dumm und ohne Sozialkompetenz und ohne egal was, wird es widerspruchslos hinnehmen, wenn er nicht wählen darf. Es ist ein großer Unterschied, ob man aus freien Stücken nicht zu einer Wahl geht oder ob man im Vorfeld von der Wahlmöglichkeit - aus welchen Gründen auch immer - ausgeschlossen wird.
Ansonsten könnte man einen Super-Computer als Herrscher programmieren, der alle Für und Wider hochkompetent abwägt, der wahnsinnig sozial kompetent ist und der auch sonst alle guten und wünschenswerten Eigenschaften auf sich vereinigt. Der würde dann entscheiden und reagieren, so wie es für alle am besten ist.
Aber es wäre eine furchtbare Schreckensherrschaft, weil sie eben nicht menschlich wäre und weil niemand - außer dem einen - Einfluss nehmen könnte.
Demokratie muss solche Menschen wie Trump, Berlusconi, Orban und andere "aushalten" und zwar so lange, bis diese - sofern demokratisch gewählt - auch wieder abgewählt werden. D.h. jedoch nicht, dass man bis dahin alles widerspruchslos hinnehmen muss, denn auch das ist Kennzeichen der Demokratie, dass man das sagen darf, was man sagen möchte und dass man auch gegen das demonstrieren darf, was man ablehnt.
Dass Politiker oft etwas anderes machen, als sie zuvor versprechen, ist manchmal sicherlich der Tatsache geschuldet, dass sie schlicht im Vorfeld lügen. Aber nicht selten ist es eben auch der Tatsache geschuldet, dass sie nach der Wahl Kompromisse in Sachen Regierungsbildung machen müssen. Zum Beispiel in Deutschland müssen sich, je nach Wahlausgang, Koalitionen von Parteien bilden und diese schließen einen Koalitionsvertrag miteinander. Und da müssen oft Kompromisse zwischen dem gemacht werden, was man mal wollte und sagte und dem, was nun nur noch - vielleicht auf kleinstem gemeinsamen Nenner - mit der anderen Seite möglich ist.
Und auch in den USA kann ein Trump (zum Glück) nicht alles machen, was er versprochen hat, sondern auch ein Trump braucht Mehrheiten für bestimmte Entscheidungen und Gesetze, die er treffen oder erlassen will und die hat er nicht selten nicht mal in der eigenen Partei.
Volksentscheide haben sicherlich an manchen Stellen ihre Berechtigung, aber man sollte nicht glauben, dass es immer und in jedem Fall sinnvoll ist und zu vernünftigen Ergebnissen führt, wenn Bürger im Rahmen von Volksentscheiden über komplexe Sachverhalte entscheiden dürfen. Die Schweiz mit ihrer Vielzahl an plebiszitären Elementen ist nicht nur Vorbild im positivem Sinn sondern manchmal eben auch im Gegenteil.