Hier der Auszug aus dem Text auf der Nukes Page unter Tuning "Zündzeitpunkte". Sowohl die Umrechnung von mm in ° Kurbelwellenwinkel als auch andersherum. Falls einige Zeichen nicht vom Forum mit übernommen werden,dann bitte auf der Nukes Page nachlesen !!! (...und die Formeln stimmen,da mir mein Matheprof. beim herleiten geholfen hat!) Im folgenden geht es nicht um das richtige Einstellen der Zündung, sondern um ein wenig Theorie die dahintersteckt. Was ist eigentlich gemeint wenn man sagt: "19° v.OT."? Je später der Zündzeitpunkt (z.B. 18°), umso kälter bleibt der Zylinder. Hierbei verschiebt sich die max. Leistung in höhere Drehzahlen. Je früher der Zündzeitpunkt (z.B. 23°), umso heißer wird der Zylinder. Die max. Leistung verschiebt sich in Richtung niedere Drehzahl. Das mit den max. Leistungen darf man jetzt nicht wortwörtlich nehmen. Die Theorie hierfür besagt folgendes: Um Erreichung max. Leistung bei einem 2 Takt Motor wäre es im Grunde genommen von Vorteil, genau zu dem Zeitpunkt das Gemisch zu zünden, wenn sich der Kolben an seiner höchsten Stelle befindet, also genau am oberen Totpunkt. Jeder kann sich hier bildlich vorstellen, was dann geschehen würde. Der Kolben würde mit voller Wucht zurück geschleudert werden und die Ausbeute an Drehmoment, sowie Leistung wäre enorm. Auch hier ist der Begriff "zurück schleudern" falsch gewählt. Der Kolben bewegt sich natürlich weiterhin in Drehrichtung der Kurbelwelle (also im Uhrzeigersinn). Jedes entzündliche Gemisch braucht eine gewisse Zeit bis es sich vollständig entzündet hat. Auch wenn diese Zeit sehr gering ist, so bewegt sich der Kolben ja weiter und bleibt nicht stehen. Bis zur vollständigen Entzündung des Gemisches vergehen hierbei noch ca. 20° Kurbelwellenumdrehung. Ergo stellt man den Zündzeitpunkt so ein, daß das Gemisch vor erreichen des OT. gezündet wird. Wie gesagt bewegt sich der Kolben weiter, erreicht den OT. und ist sogar auf seiner Abwärtsbewegung. Das Gemisch zündet nun und entfaltet seine Kraft auf den Kolben. Bei einem Zündzeitpunkt von 18° könnte man die Kurbelwelle ja um 18° weiter drehen, bis der Kolben den OT. erreicht hat. Bei 23° ist der Weg länger, bis der Kolben den OT. erreicht. Der Kolben ist bei einem späteren Zündzeitpunkt schon viel weiter in Richtung UT. und bekommt weniger effektive Energie ab. Bei einem späteren Zündzeitpunkt ist der Kolben zwar ebenfalls in Drehrichtung auf dem Weg zum UT., aber immer noch nah genug und bekommt nun mehr Energie durch das entzündete Gemisch ab, wodurch höhere Leistungen erzielt werden können, weshalb dies aber nun für niedere Drehzahlen bis 6000 U/min geeignet ist, da sonst die Wärmeentwicklung zu hoch wäre und den Kolben zerstören würde. Ein 210er Malossi könnte ohne weiteres mit 23° Vorzündung gefahren werden, aber nur bis zu den knappen 6000 U/min und er würde sogar noch mehr Power haben, danach würde er aber kläglich überhitzen. Ich hoffe hiermit ist klar, das bei 23° Vorzündung ein Kolben mehr "Energie" abbekommt, als einer bei dem das Gemisch bei 18° v.OT gezündet wird. Soweit zur Theorie der richtigen Wahl des Zündzeitpunktes. Hier noch ein kleiner Denkanstoß an mögliche Auswirkungen bei der Benutzung einer Langhubwelle mit 60 mm Hub bei einer PX 200. Kolbenweg bei geänderten Zündzeitpunkten (umgerechnet in mm Kolbenweg v.OT.): orig. Kurbelwelle Hub = 57 mm Pleuellänge = 110 mm Zündung 18° v.OT. = ca. 1,75 mm v.OT. Zündung 23° v.OT. = ca. 2,83 mm v.OT. Langhubwelle Hub = 60 mm Pleuellänge = 110 mm Zündung 18° v.OT. = ca. 1,86 mm v.OT. Zündung 23° v.OT. = ca. 3,01 mm v.OT. Ihr seht also das die Zündzeitpunkte nicht direkt übertragbar sind. Eine Einstellung von 18° bei der orig. Welle ergeben nicht den gleichen 18° wie bei der Langhubwelle. Nun ist der Unterschied nicht gerade sehr groß, genauer gesagt nur 0,11 mm (Differenz zwischen 1,86 und 1,75). Um die gleichen Werte zu erhalten, müßte (rein rechnerisch) bei der Verwendung der Langhubwelle folgendes eingestellt werden: Zündung 1,75 mm v.OT. = ca. 17,50° v.OT. (entspricht 18° bei orig. Welle) Zündung 2,83 mm v.OT. = ca. 22,30° v.OT. (entspricht 23° bei orig. Welle) Auch diese Werte sind nur grob errechnet und es können Abweichungen auftreten. Beläßt man es aber bei den Einstellungen so wie sie sind, so dürfte man aber dennoch keine Schwierigkeiten bei der Zündeinstellung erwarten, da z.B. 22,3° sehr nahe bei 23° liegen. Dies war ja auch nur als Denkanstoß gedacht. Aber für alle die es interessiert, hier die Formel nach dem man den Kolbenweg aus der geometrischen Beziehung zur Umdrehung der Kurbelwelle berechnen kann. Der Kolben führt zwischen oberer und unterer Totpunktlage eine geradlinige Bewegung aus, welche durch die Welle in eine kreisförmige umgewandelt wird. Diese Beziehung läßt sich wie folgt darstellen: x = R + L ? R * cos α ? L * cos β x = den Kolbenweg aus dem oberen Totpunkt R = den Achsabstand der Kurbelwelle und des Pleuelzapfens (den halben Hub) L = die Länge des Pleuels α = den Umdrehungswinkel des Kurbelzapfens ß = den Winkel der Pleuel - Ausschwenkung aus der Kolbenachse Für die praktische Überführung des Kolbenweges auf die Kurbelumdrehung (z.B. für Angaben der Vorzündung oder der Steuerzeiten) muß der Winkel ß, d.h. die Pleuelschwenkung, ausgeschaltet werden. Deshalb wird das Verhältnis des halben Kolbenhubs zum Pleuelabstand eingeführt und mit ? bezeichnet: λ = R / L λ ist das Verhältnis des Achsabstand des Kurbeltriebes zum Achsabstand beider Pleuelaugen. Nach einer vereinfachenden Ergänzung des trigonometrischen Ausdrucks für den Kolbenweg (mit einem maximalen Fehler von l/2500 im dritten Glied) gilt dann: x = R * ( 1 + λ / 4 ? cos α ? λ / 4 * cos 2α ) R ist immer der halbe Hub und Lambda der Quotient aus dem halben Hub und der Pleuellänge. Nach dieser Formel errechnet sich dann der Kolbenweg in mm bei einer gegebenen Vorzündung. Eine Berechnung der Wegstrecke des Kolbens z.B. zur Umrechnung von Auslaß- oder Überstromhöhe in Grad Kurbelwellenumdrehung oder andersherum bedarf einer anderen Formel. Aber hierfür entnehmt ihr am besten das Programm auf der Homepage von Dr. Worbel. Und jetzt noch die Formel umgestellt nach a : α = cos ־¹ [ - 1 / λ ± √( 1 / λ² + 2 / λ + 1 ? 2 * x / R * λ ) ] Wichtig bei der Eingabe der Werte über den Taschenrechner ist: Falls euer Rechner Speicherstellen besitzt solltet ihr sie benutzen. Die Umrechnung einer mm - Angabe in Grad wird umso genauer, je mehr Nachkommastellen ihr mit berücksichtigt. Das ± bezieht sich auf die Umstellung der Formel mittels der bekannten p - q Formel, welche ihr sicherlich kennt. Es sind rechnerisch zwei Ergebnisse möglich, wobei aber nur eine ein richtiges Ergebnis liefert. Der Definitionsbereich der Umkehrfunktion von cos liegt zwischen -1 und 1. Bei anderen Werten erhaltet ihr ein Error auf eurem Rechner.