Hallo zusammen, eineinhalb Monate liegt unser einmaliges Vespa Reiseerlebnis nun schon zurück, nun dachten wir es ist endlich mal an der Zeit auch das GSF dran Teil haben zu lassen. Über die Ostertage entschlossen wir uns fast Hals über Kopf und ohne große Vorplanung mit unseren Vespas mal eine "richtige" Ausfahrt zu machen. Als Ziel war das Standardziel eines jeden verrückt gewordenen Fuffifahrers angepeilt, der Gardasee. Während der Reise wurde dann auf Meran umdisponiert, da es zum zelten doch noch etwas zu kalt war und mehrere Übernachtungen für unseren studentischen Geldbeutel dann doch etwas zu kostspielig geworden wären. Unser Hauptinteresse bei der Reise lag ganz klar beim Vespafahren, unser wahres Ziel war der Weg, deswegen gibts auch keine Touri-Fotos von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten sondern "nur" Vespabilder. Als Fahrzeuge wählten wir unsere treuen Alltagsvespas, Simon fuhr mit seiner 1966er V50N die er letztes Jahr aufwändig selbst restauriert hat, bei mir musste meine 1965er V50N ran. Jeder von uns hatte seinen Motor etwa 5000km vor der Tour komplett revidiert, leistungstechnisch waren wir zumindest nah am Original, in der 66er Rundlicht arbeitete während der Tour ein 102er Polini, in meiner 65er ein 75er DR. Als schwächer motorisierter fuhr ich meist voraus. Die Route hatten wir mehr oder weniger im Kopf, ein Navi oder anderen neumodischen Schnickschnack benutzten wir nicht, wozu gibts denn gute Straßenkarten? Als Ersatzteile fuhren Ersatzzüge, Schraubnippel, Birnchen, ein fertig montiertes Ersatzrad, zwei Zündkerzen, Klebeband und etwas Kleinkram mit. Für den Fall eines Klemmers hatten wir zudem noch einen montierfertigen 75er DR dabei, der aber glücklicherweise nicht zum Einsatz kommen musste. Für Simon, meinen guten Kumpel und Mitfahrer startete die Reise bereits in Puchheim bei München: Sein Moped ist fertig gepackt und bereit für die Fahrt. Sein erster Weg führte ihn zu mir nach Starnberg: Wie bereits erwähnt ging alles mehr oder weniger ohne große Vorbereitung, ansonsten hätte ich auch eine andere Isomatte als die mit den schwulen Kirschen drauf auf die Tour mitgenommen, aber was solls, die Zeit drängt! Unseren ersten Stopp legten wir an einer Esso-Tankstelle in Starnberg ein, ich fahre mit meinem Roller jeden Tag 60km in die Uni und zurück, natürlich war der Tank leer: Den Geldbeutel bereits um etwa 8,50 erleichtert (Osterspezialpreise von 1,68€ pro Liter ) ging es weiter den Starnberger See entlang Richtung Penzberg, wo wir aufgrund des zusehens grauer werdenden Himmels einen Stopp einlegten: T-Shirt war dann doch etwas zu frisch... Weiter gings durchs schöne Alpenvorland nach Kochel am See und als wir uns versahen waren wir bereits am Kesselberg angekommen. Dort wo es die hirnlose Knieschleifer-Fraktion immer richtig krachen lässt genossen wir den schönen Ausblick auf den Kochelsee. Weiter gings über die kurvenreichen Landstraßen und nachdem wir kurz vor Mittenwald mal kurz die Orientierung verloren haben waren wir auch schon nicht mehr in Deutschland: Trotz der immer bergigeren Straßen hielten sich die Roller wacker und wir machten streckentechnisch gute Fortschritte. Nachdem wir die deutsch-österreichische Grenze überschritten hatten hielten wir zur weiteren Routenplanung kurz an, in einer beeindruckend schönen Landschaft: Unser nächstes Ziel war Innsbruck, das folgende Foto entstand auf dem Weg dort hin an der Landstraße Richtung Inntal: Und da sind wir auch schon in Innsbruck, Ortsansässige kennen den Parkplatz des Einkaufszentrums bestimmt, es war Ostermontag und es war kein Mensch unterwegs. Zu dem Zeitpunkt waren wir schon etwa 4 bis 5 Stunden unterwegs und so langsam meldeten sich unsere plattgehockten Hinterteile sowie unsere leeren Mägen zu Wort, was liegt also näher als beim amerikanischen Spezialitätenrestaurant "Gasthaus zum güldenen Doppelbogen" einzukehren? Frisch mit Big Macs und Cheeseburgern gestärkt ging es auf den Weg nach Sterzing: Auf dem Weg dorthin: unser zweiter Tankstopp, dieses Mal zu vernünftigen Spritpreisen Kleine Vespa, großer Bus. Der hatte es auch noch etwas weiter nach Hause als wir... Als es begann dunkel zu werden machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit. Nachdem wir auch nach zig Kilometern noch keinen Campingplatz finden konnten entschieden wir uns für eine Übernachtung in einer Herberge. Kostete zwar 37€ pro Mann inkl. Frühstück, dafür gabs aber ein warmes Bett, eine warme Dusche und Fernsehen. Luxus pur Foto oben: Unsere Roller vor der Pension Maibad in Sterzing. Wir konnten es zu dem Zeitpunkt auch noch nicht so richtig fassen, innerhalb eines Tages waren wir mit der Fuffi von München durch Österreich bis nach Italien gefahren. Am nächsten Tag entschieden wir uns dann für die Änderung der Route, das ursprüngliche Ziel (der Gardasee) wurde verworfen, anstelle dessen entschieden wir uns den Jaufenpass in Richtung Meran zu nehmen und von dort aus über Österreich wieder zurück nach Hause zu fahren. Bei Simons Roller war am Morgen die erste kleine Reparatur notwendig, er musste seine Schaltzüge etwas nachstellen: Es sollte die einzige Reparatur auf unserer Reise bleiben. EDIT: Dranbleiben, geht gleich weiter! Da soll es nun raufgehen: Es geht aufwärts: Kleine Pause auf dem Weg nach oben, ordentlich kalt war es noch... Vielleicht waren aufgrund der Kälte nur sehr wenige Motorradfahrer unterwegs, den größten Teil des Aufstiegs fuhren wir allein. Was für ein Ausblick! Und noch heute könnte ich mich dafür ohrfeigen die bescheuerte Isomatte nicht für das Foto abgenommen zu haben. Dann war es so weit, wir hatten mit den Fuffis den Gipfel erklommen: Die wenigen Motorradfahrer die wir oben trafen waren aber erstaunt, dass "so alte Kisten" den Pass geschafft haben, noch erstaunter waren sie allerdings, als wir ihnen erzählten, dass wir aus München hergefahren sind. Nachdem wir uns Kilometer lang den Berg herunterrollen haben lassen erreichten wir folgenden Aussichtspunkt, einfach atemberaubend, die schöne Natur: Bis ans Ende des Tals sollte es gehen, irgendwo da hinten ist Meran! Foto oben: Kurze Pause an der Landstraße. Dann hatten wir es bis kurz vor Meran geschafft: Und sind schließlich angekommen: Kurze Pause und Fotoshooting mit einer ortsansässigen PX: Nachdem wir hinter Meran kurz vom rechten Weg abgekommen waren machten wir uns wieder auf den Weg nach Österreich, es war früher Nachmittag als wir die italienisch-österreichische Grenze wieder überquerten. Kurz darauf hatten wir den Schluss gefasst, an einem Stück nach Hause zu fahren. Gesagt, getan fuhren wir also über Nauders, Pfunds, Serfaus, Imst und Lermoos wieder zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Als es zu dämmern begann legten wir unsere letzte kleine Kaffeepause in Murnau ein: Von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Weilheim. Als ich wieder zu Hause in Starnberg war, war es gerade einmal 20:30Uhr. Simon musste noch nach Puchheim, er fuhr also noch etwa 35 Minuten und 30km mehr als ich. Alles in allem waren es etwa 700km, davon alleine etwas über 400 am zweiten Tag, wir fuhren von 09:30 Uhr morgens bis 20:30 Abends und unsere längste Pause waren mal 20 Minuten für nen Kaffee. Die Roller haben super durchgehalten, bis auf das Nachstellen der Schaltzüge bei Simons Kiste und einer losgerappelten Schraube am Nummernschild bei mir war nix zu erledigen. Getankt haben wir 5 mal und sind ohne Reservekanister gefahren, ich musste nur ein einziges Mal die Reserve in Anspruch nehmen. Ein geiles Erlebnis, können wir nur weiter empfehlen!