Bahnbrechende Erkenntnis! Das kann man nicht oft genug schreiben Bitte mehr solcher Weisheiten.
Zum 1. und 2. Mod-Revival war die Situation sehr ähnlich zu heute, der Unterschied zur Quadrophenia-Ausstrahlung und dem kursieren von VHS- und Betamax-Kassetten, dem FYC Good Thing Video zum heutigen Hype im Internet sehe ich medial höchstens in der Verbreitung. Was den Unterschied macht, ist, dass es damals™ neben bräsigen VC Bumsstadt 1954 e.V. nur ein Vakuum an Rollerszene bestand, und die VCler sich wie die Händler über das neue Klientel sehr freuten und davon profitierten. Diese gealterte, heutige Szene und deren Infrastrukturen wäre ohne die o.g. medialen Inszenierungen und deren Epigonen in der Form non-existent. Ein Schelm, wer nicht bedenkt, dass diese Kristallisationspunkte Kinofilm, Videos, in Folge keine Wertsteigerung zur Folge hatten. Nicht nur Ritas Selbständigkeit hätte sich ohne dieses Klientel ganz anders entwickelt; alternative Händler wie Ritas Roller-Shop in der Klingerstr. waren Treffpunkte dieser Szene, wo man sich nach der Schule traf oder zu irgendwelchen lustigen Aktivitäten sammelte.
Die Beschwerde, oberflächliche Werte seien das Primat dieser unkrediblen Leute und Pseudo-Szene von heute, ist aus der Sicht von damals™ dermaßen absurd, dass ich mich frage, was du für ein glorifizierendes Bild von dieser einen veritablen Szene und deren Leute hast. Was heute stattfindet, gab es damals auch – weniger professionell, ohne die soziokulturellen Sedimente einer wie auch immer gearteten rolleraffinen (gar nicht mehr so) jugendlichen Subkultur und technischen Entwicklungen, dem technischen Wissen, dass sich erst durch Foren wie dem GSF in einer faszinierenden Qualität und Geschwindigkeit entwickelt und verbreitet. Wenn du wüsstest, wie früher geschraubt wurde, auch von sog. Händlern, all diese urbanen Mythen um Zylinder und seltene Modelle …
Wie oft ich diese Story schon anhören musste, egal von wem. So ist das, nicht nur bei Rollern. Beim Fahrradhändler, beim offiziellen Vertragshändler egal ob BMW oder VW, beim sog. Bäcker (haha), oder superstolzen Apple-Fachleuten … same old story. Gähn™ Mach es selbst oder supporte das nächste Bastelbüro, die Nachbarschaftshilfe, organisiert euch und ändert was – aber haltet die Klappe, wenn ihr es nicht tut. Was habe ich gestaunt, als ich beim WeDi-Wechsel zum ersten mal die von einem deutschlandweit altbekannten Tuner mit Ingenieurdiplom an einem 210er Malle "angepassten" Überströmkanäle in meinem Rally-Gehäuse gesehen habe Tja, war das nun der Herr selber oder sein unterbezahltes, schlecht gelauntes Fußvolk? Wen prangern wir hier an? Aber darum geht's eigentlich nicht.
Bei diesem frankfurt-spezifischen Moment des Diskurses sollte man darüber nachdenken, dass bzw. warum man ausgerechnet in Frankfurt am Main, wo szenemäßig immer vergleichsweise wenig los war und ist, sich eher anfeindet und als unfähig, uncool, oder sonstwie unkredibel darstellt. Als ob man hier eine große Auswahl an Händlern, Scooteristen, Hipstern und younameit hätte. Jeder hier in dieser Großstadt mit Kleinstadtattitüde möchte das Maximum von allem als eigenes Monopol beanspruchen. Statt die Klappe aufzumachen und rumzuätzen, sollte man sich Gedanken machen, was man hier besser machen könnte und dem Taten folgen lassen.
Ich freue mich sehr, dass durch das Internet, Fickbuch, Instakram, Twatter und meinetwegen Tinder, Lovoo und was der moderne Mensch sonst noch nicht braucht, hier mehr Schaltroller auf der Gasse unterwegs sind, die das durch imperial auftretende SUVs und stinklangweilige Automatenroller verunstaltete Straßenbild aufhübschen. Und das schreibe ich ausnahmsweise ganz ironiefrei, unsarkastisch Nur so erhöht sich auch die Zahl von Schaltrollern, die man wenigstens 2x im Jahr bei An- und Abrollern antrifft Wenn mich Max-Meyer-gayschniegelte Fuffis anöden (würden), braucht es nur einen beherzten Dreh am Gasgriff, und die Welt ist bis zur nächsten Begegnung völlig in Ordnung.
Die anderen zwei Läden in FFM beschäftigen sich immerhin offensichtlich und ansehnlich mit Schaltrollern; ostentativ zeigt sich die gelebte Liebe zu diesen alten Kackfässern. Wenn ich von nichts und niemand eine Ahnung habe und auf alte Vespas stehe, mir so was kaufen möchte, dann würde es mich eher zu dem Händler ziehen, der sowas nachweislich selbst täglich fährt und seine Leidenschaft entsprechend präsentiert, als von jemand, der auf einer hässlichen Plastikkarre mit Windschild und Topcase angeritten kommt. Beide, an "ahnungslose Yuppies verhökernde(,) Läden" sind halbwegs im urbanen Zentrum Frankfurts. Kann man als oberflächlich abtun, aber all das spricht mehr Leute an, hier sein Geld zu lassen, als an einer ranzigen Halle ohne Licht; im Sinne von: hier sieht's lecker aus, da gehe ich auch essen. Wenn ich mal fix ein Teil brauche, bin ich dort in wenigen Minuten per Hipsterbike und werde bedient. Das ist schon was anderes, als in engen Zeitfenstern raus nach Nieder-Erlenbach zu müssen, was man mit dem Rad und ÖPNV in realiter vergessen kann. Für diese Erkenntnisse muss man nicht auf der Frankfurt School of Finance Marketing studiert haben. Ich stelle die steile These auf: Ahnungslose Yuppies gibt es immer überall, ahnungslose Yuppies sind das Klientel, dass einem Laden wie deinem und Läden wie die der "Anderen" das nötige Geld zum Überleben einbringt. Der altgediente, mit allen Wassern gewaschene und alles selbst schraubende Scooterist, der schon immer™ dabei war, nicht. Konkurrenz belebt das Geschäft, Wissen prosperiert durch institutionelle Vielfalt, Monopole behindern Fortschritt.
Dieses Geläster und Gejammere, dass es den Kunden dort mehr kohlemäßig als qualitativ besorgt würde, ist eben einer von den wenigen diskursiven Allgemeinplätzen die stets ungeachtet der Realitätsnähe gut zu funktionieren scheinen, weil man sonst nicht viel zu sagen hat oder sagen möchte, in der Hoffnung, die eigene Eisscholle möge nicht weiter abschmelzen. Dass man sich damit stückweise selbst obsoletiert, weil die "Anderen" einen immer mehr hassen, kann dann schon passieren.