Du generierst über einen längeren Einlaßwinkel mehr Zeitquerschnitt, was bei dem (original ja recht kleinen) Drehschieberausschnitt immer mit Leistung belohnt wird.
Prinzipiell ist die Vorgehensweise aber falsch. Der richtige Weg wäre, mehr Fläche bei zum angepeilten Drehzahlband passenden Steuerwinkel zu fräsen.
Mit steigenden Einlaßwinkel sinkt (theoretisch) das angesaugte Volumen.
Selbst, für uns noch als relativ zahme geltende, 185°Gesamtansaugwinkel reichen (in der Theorie bei dazu passender Ansaugsfläche) locker für eine fünfstellige Nenndrehzahl.
Sprich ideal sind kurze Winkel mit viel Fläche. Geht aber bei den Vespamotoren systembedingt nicht.
Daher der zwangsweise Umweg über längere, bzw. im Regelfall für die angestrebte Drehzahl bereits zu lange, Einlaßwinkel.
Das das in der Praxis dennoch gut klappt ist ja hinlänglich bewiesen.
Zu lange Winkel: Motor gewinnt deutlich an Leistung bricht bei zu langen Winkeln im ganz unteren Drehzahlbereich aber etwas ein, hier bei vergleichbaren Motoren (1. Diagramm Polini 207) einmal mit voll geöffnetem Einlaß vor und nach O.T. (rot) und einmal original belassen (blau).
Der lange Einlaßwinkel vor O.T. ermöglicht es dem Motor nicht ausreichend Unterdruck aufzubauen bzw. spuckt er bei zu langem Öffnungswinkel nach O.T. wieder etwas davon zurück.
Dadurch kann es schwierig werden den Motor im ganz unteren Drehzahlbereich (unter 3500U/min) sauber abzustimmen.
Der Effekt ist zudem auch häufig selbstverstärkend. Werte um die 120° v.O.T. haben sich daher für normale Straßenmotoren als guter Kompromiss herausgestellt.
Wer seinem Motor allerdings nicht die gleiche Laufkultur wie einem originalen abverlangt, sprich eher konstant sportlich unterwegs ist, den dürfte dieses Manko kaum stören.
Quattrini M232
Blau unbearbeitete Welle
Rot überarbeitete Welle/Gehäuse
Je nach Überschneidung mit den Überstromwinkeln des Zylinders kann es, bei sehr langen Steuerwinkel nach dem oberen Totpunkt (>70°), zu einem zurückspucken in den Vergaser kommen.
Auch hier leidet die Abstimmung im unteren Drehzahlbereich, Der Motor kann (bei wenig Grundleistung) im unteren Drehzahlbereich beim plötzlichen aufmachen des Gasgriffes regelrecht versaufen.
Wenn der Motor die zusätzliche Fläche nicht sinnvoll verarbeiten kann ergibt sich durch zu lange Einlaßwinkel zudem auch häufig eine Art Gummibandeffekt.
Das gesamte zur Verfügung stehende Drehmoment sinkt zugunsten eines verbreiterten Drehzahlbandes.
Aber auch hier habe ich schon das Gegenteil gesehen...
In und aus der Praxis heraus hat sich bei den PX Motoren ein Wert um die 65° n.O.T. als recht optimal erwiesen.
Grundsätzlich spricht nichts dagegen auch mit 140°/80° zu fahren, meist ist das aber kontraproduktiv und die daraus resultierenden Probleme stehen in keinem Verhältnis zum Gewinn.
Das ganze hängt aber von vielen Faktoren ab die in Gesamtsumme nur schwer zu überblicken und die gegenseitige Beeinflussung noch schwieriger vorherzusagen ist.
Nicht zuletzt vom verwendeten Vergaser und dem daraus resultierenden Ansaugweg.
Größere Vergaser, die zwangsweise auf einem längeren Ansaugstutzen sitzen, kommen deutlich besser mit einem übersteuerten Motor klar da hier die Ansaugschwingung etwas gedämpft ist bzw. eine rücklaufende Welle den Vergaser nicht zeitig erreicht um für eine Überfettung zu sorgen.
Auch die Grundregel, das die Ansaugsteuerwinkel idealerweise hautpsächlich über die Kurbelwelle anstatt den Ausschnitt im Motorgehäuse zu generieren sind, interessiert den PX Motor wenig.
Jeglicher Flächengewinn ist primär dominierend. Eine T5 hat z.B. einen deutlich breiteren Drehschiebereinlaß, macht dafür auch bereits um 55° nach O.T. wieder zu.
Wenn man dem T5 Motor einen Einlaßwinkel von 70° nach O.T. gibt hat man sofort massive Probleme im unteren Drehzahlbereich ohne dabei wirklich Leistung zu generieren.
Sprich hier ist die Fläche für die allermeisten Tuningvorhaben bereits ausreichend groß.
Gruß