Abgesehen davon, dass der Topic-Titel einfach als Referenz zu einer Subkultur-Reportage aus den 80'ern zu verstehen ist: Stil ist die bewusste Abgrenzung von der Gesellschaft als Ganzes und eine gleichzeitige Zugehörigkeitserklärung an eine selbsterwählte Peer-Group, seien das nun die anderen Versicherungsmanager im tschechischen Puff oder die Punks am Spritzenplatz. Leute mit selbstkreiertem Stil sind Freaks. Normalos sind Normalos. (14-jährige Mädels, die in den Tuschkasten gefallen sind, können noch nichts dafür...)
Zum Stil im allgemeinen ist zu sagen, dass es spätestens beim eintreten in den Beruf erwartet wird, dass man sich gemäß seiner Einkommensstufe gewandet. Da sucht man sich ab einem gewissen Level die Patek Philippe Uhr nicht mehr aus, weil sie einem so gut gefällt. Andererseits geht man damit auch nicht zur Betriebsratsversammlung. DAS ist ganz schlechter Stil...
Stil ist in diesem Zusammenhang aber in seiner reinen Form auf einer Lebensphilosophie begründet, es geht um den visuellen Ausdruck einer persönlichen Sicht der Dinge, gesetzte Prioritäten werden offen verkündet. Ein paar wenige Beispiele sind "Savoir-faire" (im richtigen Augenblick das für sich Richtige zu tun wissen: ein klares Ideal für Mods und smarte Skins, aber auch z.B. die zentralen Popper, ohne dass deren Verhältnis deswegen jetzt von ausgesprochener Liebe und Verständnis füreinander geprägt gewesen wäre), "Savoir-vivre" (Hedonismus: Raver) oder auch "Laissez-faire" (Leben und leben lassen: Dreadlock-Hippies). Je größer die Subkultur ist, desto schwerer lässt sich das eingrenzen, die Grenzen verschwimmen, man kann auch als Eingeweihter nicht mehr unbedingt vom äußeren Erscheinungsbild auf die Ideale des einzelnen schließen.
Dazu kommt, dass wir von der Moderne in die Postmoderne übergegangen sind. Wir haben unseren Krempel (Musik, Roller, Klamotten, Informationen) damals gewertschätzt, weil wir ihn uns mühsam und passgenau zusammensuchen mussten. Da konnte man noch aus wenig viel machen, Kreativität und Stilsicherheit waren absolute Voraussetzungen. Markenware war eher der bequeme Weg und etwas weniger angesehen. Heute gibt es alles, was das Kiddie-Herz begehrt auf Knopfdruck, Prestige bringt bei den heutigen Subkulturen (fast) allein das Preisschild. Die Hipster dagegen klauben sich aus den vergangenen Jahrzehnten, ganz Postmoderne, einfach zusammen was gerade angesagt ist, aber bloß nie zuviel nur aus einer Richtung, da könnte man im Eifer die nächste Trendwende verpassen und eventuell auch nicht bei absolut jedem angesagten Thema mitreden (oder, ganz schlimm, als Nerd rüberkommen. Vom Supergau, auf einem Trend hängenzubleiben, einfach weil der einem so gut gefällt, gar nicht zu reden...!) Also lieber immer nur safe an der Oberfläche rumdümpeln. Ein Beispiel für besagte Postmoderne ist die Musik: da stecken seit Jahren keine neuen Impulse mehr drin, es wird mittlerweile einfach immer nur etabliertes neu vermischt.
Was ich aus der Zeit damals nicht vermisse, ist dieses "alle gegen alle" der Subkulturen aus den Mittachzigern. Was ich vermisse, ist der gegenseitige Respekt der Übriggebliebenen Core-Members der einzelnen Subkulturen füreinander ab Ende der 80'er, die Szenen waren soweit geschrumpft, dass es noch sinnloser geworden war, sich gegenseitig die Birne zu malträtieren. The Kids Were United!