anstatt Beflammen kann man die Teile auch in einen Plasmaschrank oder mit Corona behandeln. Bei der Corona-Behandlung werden durch elektrische Entladungen die Radikale erzeugt, die sich nach gleichem Prinzip dann mit der Oberfläche verbinden und so die Oberflächenenergie bzw. Spannung erhöhen für eine bessere Benetzbarkeit. Vorteil ist, dass hitzeempfindliche Bauteile nicht durch die Flamme Schaden nehmen, so lassen sich z.B auch Folien "aktivieren". Bei Youtube kann man sich das ansehen "BMW I3 production - part 1" Ab Minute 8:10 sieht man, wie die Akkus für das Verkleben mittels Corona vorbehandelt werden. Hier könnte Beflammen zu einem gefährlichen Zustand führen, wenn die Fertigungslinie stehen bleibt. Ich glaube, teils sieht man in diesen Videos später noch das Beflammen. Ich denke, entweder ist das günstiger in der Fertigungslinie anzuwenden, oder es ergibt abhängig vom Kunststoff eine höhere Oberflächenenergie. Die Oberflächenenergie lässt sich einfach ermitteln mit Testtinte oder etwas aufwändiger mit Kontaktwinkelmessung. So kann man den passenden Lack oder Klebstoff ermitteln, dabei sollte die Oberflächenenergie des Bauteils etwas höher sein. Ein Primer funktioniert nicht aufgrund der Oberflächenenergie, sondern erzeugt eine chemische (feste) Brücke zwischen Bauteil und Lack bzw. Klebstoff. Der Primer muss also zum Kunststoff (-Bauteil) und dem Lack oder Klebstoff chemisch genau passen, sonst bringt der nix. Um das herauszufinden, gibt es von den Herstellern Datenblätter. Wichtig ist auch die genaue Anwendungstemperatur der Primer, manche haben eine minimale und/ oder eine maximale Ablüftezeit (Lösungsmittel muss verdampfen), entsprechend dieser Zeit muss der Lack oder Klebstoff drauf. Bei der Anwendung ist auch zu achten, wie der Primer richtig aufgetragen wird z.B. nur eine Schicht. Viel hilft viel ist oft falsch, bei doppeltem Auftragen kann z.B. keine chemische Brücke mehr erzeugt werden da der Abstand zu groß wird, dann hält der Lack später nicht. Die Vorbehandlung des zu lackierenden Teils ist wichtig, man benötigt rückstandsfreie Reinigungsmittel (Isopropanol), insbesondere wegen der "Silikonverschmutzung". Wenn man Reinigungsmittel, Seife, Haarspray nutzt, das Silikon, Silikane, usw. enthält (das Zeug ist fast überall drin), setzt sich dies bei Berührung oder durch die Luft sehr gerne an der Oberfläche fest, und bildet eine stumpfe Oberfläche wo nichts mehr richtig hält. Dies ist dann eine sehr feste Verbindung und lässt sich nicht durch Beflammen usw. beseitigen, sondern fast nur durch mechanischen Abtrag. Daher findet man bei Klebstoffen z.B. den Hinweis, dass diese nur zu verwenden sind in Bereichen wo Silikon nicht verarbeitet wird, und es wird auf die Gefahren von Silikon hingewiesen. In industriellen Bereichen darf daher die Putzfrau nur mit silikonfreien Mitteln reinigen.