Prosimo Largeframe E-Umbau – mein Erfahrungsbericht Mitte letzten Jahres bin ich bei meiner Internetrecherche erstmals auf interessante Elektro-Umbausätze für Vespas gestoßen. Damals gab es von Prosimo allerdings nur Kits für Smallframe. Ich habe Simon von Prosimo daraufhin einfach mal kontaktiert und gefragt, wie es mit einem Largeframe-Kit aussieht. Zu der Zeit hatte er bei eBay Kleinanzeigen tatsächlich eine Largeframe stehen – wohl ein früher Prototyp – sowie eine Smallframe, die mit rund 100 km/h Spitze und ca. 100 km Reichweite angegeben war. Genau das war auch meine Zielvorstellung: Ein alltagstauglicher Roller, der gut 100 läuft und realistisch 100 km schafft. Ich bin dann bei denen in Springe vorbeigefahren und durfte Probe fahren. Unter anderem eine Primavera mit dem 100er-Kit – und was soll ich sagen: Das Ding ging brutal nach vorne. Laut Simon entspricht das etwa 30 PS Zweitakt, und so fühlte es sich auch an. Das hat mich komplett geflasht. Im Gespräch kamen wir dann auf ein Largeframe-Kit zu sprechen. Das war zu dem Zeitpunkt noch in Entwicklung, aber Simon bot an, den Umbau im Rahmen des Prototypenbaus an meiner VNB umzusetzen. Nach einigem Hin- und Herschreiben habe ich ihm Ende letzten Jahres meine VNB gebracht mit der Vorgabe: „Leistung: LEISTUNG“ Der Umbau hat etwas Zeit gebraucht, aber im August konnte ich die Vespa endlich abholen – und was soll ich sagen: FETT! Sie hat jetzt drei Akkus mit insgesamt 6,6 kWh an Bord (je 2,2 kWh): einer an der Tankposition einer in der Seitenbacke einer vorne in der Tasche Mit den drei Akkus liegt das Gesamtgewicht bei rund 120 kg, was natürlich deutlich über einer klassischen VNB oder PX liegt. Das Mehrgewicht merkt man allerdings weniger beim Fahren als vielmehr im Stand oder beim Rangieren: Wenn man den Roller schiebt oder im Sitzen mit den Füßen bewegt, spürt man die zusätzliche Trägheit, die vor allem durch den rund 20 kg schweren Akku vorne auf dem Trittblech entsteht. Ich bin den Roller auch schon ohne die vordere Tasche bzw. ohne den Frontakku gefahren – dann fühlt er sich beim Schieben und Umsetzen tatsächlich „vespiger“ und deutlich leichter an. In der Bewegung selbst relativiert sich das Gewicht dagegen fast vollständig. Fahrdynamisch ist der Frontakku allerdings ein echter Gewinn: Ohne ihn hebt das Vorderrad beim Beschleunigen immer wieder leicht ab, und bei höherem Tempo wirkt der Roller trotz der Leistung unruhiger. Mit Akku vorne bleibt das Vorderrad sauber am Boden, der Geradeauslauf wird deutlich stabiler und das Fahrgefühl bei hohen Geschwindigkeiten spürbar souveräner und entspannter. Für die enorme Leistung ist die zusätzliche Masse vorne aus meiner Sicht klar ein Vorteil. Beim Scooter Center Open Day waren wir mit dem Roller auf dem Prüfstand. Dort wurden gut 42 PS am Hinterrad gemessen. Da Prüfstände für Verbrenner ausgelegt sind und E-Antriebe dort erfahrungsgemäß eher konservativ gemessen werden, dürfte das ein realistischer, wenn nicht sogar vorsichtiger Wert sein. Das Fahrgefühl ist schlicht gigantisch. Ich bin inzwischen so um die 1.500 km gefahren und hatte zu keinem Zeitpunkt Reichweitenangst. Ich fahre seit vielen Jahren Vespa, habe unzählige Umbauten hinter mir – inklusive geschrotteter Kolben, Kupplungen, Kurbelwellen, you name it. Aber so einen leistungsfähigen, alltagstauglichen, zuverlässigen und gleichzeitig brachial schnellen Roller bin ich noch nie gefahren. Reichweite (realistisch, aus meiner Praxis):Dauer-Vollgas / Autobahn (~110 km/h): ca. 70 km Überland mit Spaß & viel Gas: ca. 100 km Gemächlich / Stadtverkehr: 120 km, im Sommer eher 130 km Für meine Anforderungen ist das mehr als ausreichend. Zumal ich demnächst ein Onboard-Ladegerät von Prosimo nachrüste, mit dem ich an jeder normalen Wallbox mit 3kw laden kann. (Momentan müsste ich mein stationäres Ladegerät mit 800w Ladeleistung mitnehmen). Es gibt mittlerweile einige Videos mit detaillierten Umbauinfos zu meinem Roller, die ich hier auch noch verlinken werde (u. a. vom Prosimo-Youtube Kanal). Natürlich war der Umbau nicht günstig – aber ganz ehrlich: Ein BFA- oder EGIG-Motor oder ein aufwendiger Scooter-&-Service-Umbau ist das auch nicht. Dazu kommt: Ein getunter Verbrenner mit vergleichbarer Leistung hat niemals die Standzeit eines E-Umbaus. Und ich bezweifle stark, dass man 40 PS bei einem Verbrenner legal eingetragen bekommt. Bei mir ist alles TÜV-legal eingetragen, völlig stressfrei – auch mit Blick auf die nächsten HU-Termine. Seit einigen Wochen gibt es das Largeframe-Kit jetzt auch regulär zum Selbstumbau auf der Prosimo-Website zu konfigurieren und zu bestellen. Simon hat dazu auch ein sehr informatives Video veröffentlicht – für alle, die sich ernsthaft damit beschäftigen wollen. Ich habe mir vor dem Umbau auch intensiv andere Lösungen angeschaut, u. a. das Retro-Kit. Optisch finde ich das Motorgehäuse von denen durchaus cool, allerdings hat man dort weiterhin: Getriebe Lager mehr mechanische Geräusche Gerade das Surren des Getriebes, das man in vielen Videos hört, würde mich persönlich beim Fahren eher stören. Beim Prosimo-Radnabenmotor ist das überhaupt kein Thema – Leistung ebenfalls nicht. Auch ein Umbau-Kit aus England stand bei mir kurz im Raum. Technisch spannend, aber ohne realistische Möglichkeit, TÜV-Papiere für Deutschland zu bekommen. Und genau da liegt für mich der große Vorteil von Prosimo: Für alle relevanten Komponenten gibt es Gutachten, sodass man ganz normal zum TÜV fahren und alles sauber eintragen lassen kann. Für uns in Deutschland ist das einfach Gold wert. Unterm Strich: Ich kann den Umbau uneingeschränkt empfehlen und bin nach wie vor begeistert und freu mich jedesmal wenn das Wetter nicht zu furchtbar zum Roller fahren ist und ich mit meiner VNB durch die gegend Jage. Für mich aktuell das Beste, was man einer Vespa antun kann - zumindes wenn man sich vom Zweitaktduft, der Handschaltung und der Geräuschkulisse trennen mag.