Ich hatte es an anderer Stelle schon mal geschrieben, meine Wahrnehmung zu diesem Thema ist: die Agrar-Diesel-Geschichte und die Sache mit der Kfz-Steuer haben das Ganze letztlich nur zum überlaufen gebracht. Seit Jahren werden die Landwirte mit immer mehr Vorschriften, Einschränkungen, Vorgaben usw. zugeschüttet (nicht zuletzt durch die EU und zumeist durch unsere zuständigen Minister kommentar- und tatenlos durchgewunken). Egal ob es dabei um Düngerausbringung, Pflanzenschutz, Vorschriften bezgl. der Erzeugung von Bio-Lebensmitteln, Vorgaben der BG, Einhaltung der Tierschutzverordnung oder was auch immer geht, es wird schlichtweg immer mehr. Nicht alles ist dabei sinnbefreit, aber wohl doch ein riesengroßer Teil! Oft sind landwirtschaftliche Betriebe nicht sehr groß was die Anzahl der Beschäftigten angeht, und hier sind das zumeist Leute aus der eigenen Familie, würden diese nicht mithelfen, dann könnten wohl viele den Aufwand überhaupt nicht mehr stemmen.
Denkt man mal darüber nach wieviel Zeit in diesen Job investiert wird (und wieviele Stunden das am Tag sind bzw. sein können), was man noch an anderen Einschränkungen hat (30 Tage Urlaub im Jahr? Haha... Krank? --> Pech gehabt,...), was man alles können muß (Traktor fahren ist noch das wenigste, dazu sind Mechanikerfähigkeiten gefragt wenn was kaputt geht, kaufmännisches Wissen ist wichtig, Verträge müssen ausgehandelt werden, Kenntnisse bezüglich Planzen, usw. ). Ich denke, daß die meisten Landwirte bei Berücksichtigung der wirklich erbrachten Arbeitszeiten unter Mindestlohn arbeiten! Hinzu kommen Existenzängste wenn Ernten schlecht ausfallen, zugesagte Abnahmepreise nicht eingehalten werden, unvorhergesehene Defekte an Maschinen zigtausende Euros auffressen usw. Das gilt vielleicht nicht für alle, aber mit Sicherheit für sehr viele Betriebe.
Der überwiegende Teil der Leute, welche hier so schlaubergerhaft den Bauern die öffentliche Darstellung ihres Unmuts abspricht wäre wohl nicht mal ansatzweise in der Lage, einen landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt zu führen! Vielleicht würde es die Augen öffnen, wenn diejenigen mal zwei oder drei Tage eine Art Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb machen um sich einen kleinen Überblick zu verschaffen was dort geleistet werden muß um den Laden über Wasser zu halten.
Wahrscheinlich gibt es dann wieder Leute welche die Meinung vertreten, daß die Bauern ja selbst Schuld seien und nicht zu ihrem Job gezwungen werden. Ja, sowas kann man als Nichtbetroffener leicht sagen, ist man in der Tretmühle aber erst mal drin und es läuft nicht wie geplant, dann sieht die Wahrheit schon etwas anders aus.
Die aktuellen Proteste sind hier das Ventil womit die Bauern auf ihre Situation aufmerksam machen, im Gegensatz zu den "Klimaaktivisten" halten sich die Bauern aber an Regeln, die Demos sind genehmigt und sie beschädigen nicht fremdes Eigentum! Ausserdem nötigen sie nicht die Exekutive zum entfernen irgendwelcher an Gegenständen festgeklebten Objekte!
Wie gesagt: das ist meine Meinung!