Bin nicht sicher, ob es sinnvoll ist, zu antworten, denn ich fürchte, das Feindbild steht bereits fest.
Nur, dass die Hilfen viel zu niedrig bemessen sind (mit den unmöglichsten Einschränkungen, Rückausnahmen und Begrenzungen), dafür können die Steuerberater wirklich auch nichts. Ganz im Gegenteil, als sie sich ziemlich lautstark für deutliche Verbesserungen (so ziemlich jeder mir bekannte Berater hat selbst mindestens einen Brief an Herrn Altmeier oder Herrn Scholz geschrieben und mit den Kammern in den Ausschüssen telefoniert) gab es aus vielen Richtungen massives Gegenfeuer. Mir wurde z.B. gesagt, man hätte eigentlich noch schnell drei Restaurants aufmachen müssen bei den großzügigen Hilfen und bei mir würde jetzt ja wohl fett die Honorarkasse klingeln. Da bin ich nach ziemlich harten Monaten, des oft vergeblichen Aufreibens und als Bote der schlechten Nachrichten inzwischen auch etwas dünnhäutig.
Ich persönlich, habe mit meinen knappen geistigen Ressourcen nicht Stunden, sondern Wochen gebraucht, um die unzähligen völlig unterschiedlichen Hilfsprogramme, allein schon sieben Direktzahlungsprogramme, ansatzweise zu verstehen. Nun brauche ich mehrere Stunden pro Mandant, um zu ermitteln, welches Förderinstrument in Frage kommt und nochmal mehrere Stunden, um den Anspruch zu berechnen und den Antrag zu stellen. Also gehe bitte nicht davon aus, dass die Honorarrechnung den Stundenlohn widerspiegelt. Mir ist klar, dass den betroffenen das Wasser bis zum Hals und darüber hinaus steht, aber die Situation wird für euch nicht besser, wenn der Berater für umsonst arbeitet, denn das Honorar ist in der "Kostenerstattung" bereits enthalten. Die Hilfszahlung wäre also um 70% der Beraterkosten niedriger. Mit der Antragstellung ist es ja auch nicht getan, denn dann kommen ja noch die unglaublich dämlichen Rückfragen der Bewilligungsstellen und Anforderungen von eigens erfundenen Belegerfordernissen. Ende des Jahres kommt dann nochmal die Gegenrechnung der Prognose mit den tatsächlichen Zahlen mit dem gleichen Aufwand.
Ja, es kann sein, dass das Honorar im einzelnen Fall nicht gerade niedrig ist, und das Verhältnis zwischen Honorar und der Leistung unerträglich ist, aber dafür kann der Berater nichts. Zum einen verkaufen wir nicht Arbeitszeit, sondern teuer erarbeitetes Wissen, Haftungsrisiko und dann auch die Arbeitszeit. Leider hab ich auch viele erlebt, die sich ohne Not auf Kosten der Hilfsprogramme den Taschen füllen wollten, was ein Schlag ins Gesicht für die Notleidenden war. Aber wenn ich als prüfender Dritter für dieses Risiko haften soll, dann will ich dafür auch ein Honorar haben. Die Diskussion, ob diese Tätigkeit von der Haftpflichtversicherung überhaupt abgedeckt ist steht auch noch aus und dürfte für manchen Berater noch für ein böses Erwachen sorgen.
Ich kann Dir nur raten, den Berater auf die Honorarbemessung anzusprechen und zu fragen, ob das laufende Buchhaltungshonorar noch mit dem derzeitigen Aufwand übereinstimmt und hier vielleicht eine befristete Änderung passend wäre. Bei mir ist es so, dass wegen der Fristen für die Hilfen die Eile plötzlich deutlich gestiegen, dafür aber auch der Arbeitsaufwand oft etwas zurückgegangen ist.
Bei allem Verständnis für die unerträgliche Situation ist das allerdings klar und eindeutig Unfug. Wenn die Rechnungen über die Betriebsausgaben den Gewinn zu 100% mindern, dann muss die Erstattung voll steuerpflichtig sein, damit Du bei genau Null Euro Steuer aus diesem Vorgang landest. Alles weitere wäre eine ungerechtfertigte Doppelbegünstigung.
Vielen betroffenen Unternehmen bleibt nur noch Hartz-4 und daraus sollen sie dann auch noch die restlichen 30% der Fixkosten zahlen. Warum das so sein muss und wie das gehen soll, konnte mir bisher noch keiner erklären. Ebensowenig, warum die Banken die Kfw-Darlehen verweigern dürfen und die Not mit Dispozinsen ausnutzen dürfen. Das ist das eigentliche Problem.