Ich versuche das zu beantworten. Wie bei allen Hobbys/Liebhabereien gibt es unterschiedlich Varianten der Ausübung und auch unterschiedliche Ansichten darüber, was unter dieses Hobby/die Liebhaberei zu subsumieren ist. Es gibt die eingefleischten Originalitätsfetischisten, die sich einen abwichsen, wenn die Vespa/Lambretta absolut original aufgebaut wird, die versuchen selbst den Hundekot von 1956 am Hauptständer im Original zu bekommen und fahren dafür sonst wohin und bezahlen alles teuer. Es gibt die Tuningaffen, die einen Zylinder, Auspuff, Vergaser am anderen auf die Vespa/Lambretta pflanzen und sich auf der Straße oder dem Prüfstand ihren Ständer polieren, weil sie wieder 0,5 PS mehr rausgeholt haben. Dann gibts die Customvögel, die den großen Auftritt auf Rudi Carells-Showbühne lieben, sich jeden BlingBling an die Karre heften und mit dem gewonnen Pokal zuhause richtig bumsen. Dann gibts die "Normalen" (die aber auch nicht normal sondern auch komplett krank sind) und die einfach mit ihrem Bock fahren, ein bisschen schrauben und von 9-17 Uhr ihrer Schaltertätigkeit bei der Post nachgehen etc. Und es gibt noch viel mehr Strömungen und auch die Mischungen aus allen diesen Strömungen. Und dann gibt es auch noch die, die das Hobby so interpretieren, dass man sich auch neuen Entwicklungen (also nicht etwa nur neu entwickelten Scheibenbremsen, neuen Zylindern etc.) nicht verschließen darf und die auch eine Scomadi (einen aus Plastik gebauten 4-Takt-Automatikscooter mit optischen Anleihen an eine Lambretta DL/GP) als absolut vertretbar ansehen. Dabei spielen unterschiedliche Gründe für diese Haltung eine Rolle. Und weil man meist alles immer und irgendwie auch vertretbar argumentieren kann (man muss es für sich nur wollen und dass ist das Entscheidende!), finden sich dann auch durchaus Gründe, warum man dann auch mit einer Scomadi selbstverständlich auf Runs der Vespa-/Lambretta-Szene fahren kann. Ich habe versucht, es ganz wertfrei darzustellen. Für mich sehe ich das so: Es wird der nicht ferne Tag kommen, da werde ich meine Gichtfinger zum Handshiften nicht mehr biegen können. Es wird der nicht ferne Tag kommen, da werde ich mit meinen klapprigen und muskelschwachen Beinchen nicht mehr den Kickstarter treten können. Es wird der nicht ferne Tag kommen, an dem ich mit meinen altersschwachen, zittrigen Händen nicht mehr den Messbecher für das Abfüllen des 2-Taktöls beim Tanken werde halten können. Es wird der nicht ferne Tag kommen, an dem es nicht mehr political correct oder sogar verboten sein wird, einen stinkenden 2-Takter zu fahren. Es wird der nicht ferne Tag kommen, an dem mehr Menschen als heute eine Scomadi (oder ein ähnliches bis dahin entwickeltes Produkt) fahren werden. Und dann, eventuell dann, werde auch ich auf eine Scomadi umsteigen (müssen).