Weiter geht`s:
Das, was nach der Gabelgeschichte anstand, habe ich dann erstmal den Sommer über vor mir hergeschoben: Die Karosserie.
Ich habe mir an irgendeinem besonders heißen Sommertag mal den Rahmen geschnappt, bin damit zur Do-It-Yourself - Waschstation gefahren und erstmal ordentlich mit der Hockdrucklanze da drüber gegangen. Ich weiß, den Einen oder Anderen wird diese Vorstellung grausen, denn schließlich wirkt das Einbringen von Wasser in die Ritzen der Rostbildung üblicherweise nicht unbedingt entgegen. Ich hab das Teil danach allerdings erstmal den Tag über bei 30 Grad in der Sonne stehen lassen, und danach auf dem Speicher bei im Sommer tagsüber gefühlten 60 Grad bis zum Winter hin gelagert. Ich denke, das Teil war relativ schnell wieder knochentrocken.
Die zwei kleinen Beulen in den Seitenbacken liessen sich recht gut mit nem Kunstsoffhammer ausbeulen. Der verbeulte Kotflügel war mit meinen Möglichkeiten nicht mehr zu retten. Da hab ich mir aber einen schönen Gebrauchten als Ersatz besorgen können.
Mittlerweile habe ich mich entschieden, die Teile zum Sandstrahlen zu bringen und die Lackierung anschliessend selbst zu machen.
Eine professionelle Lackierung sollte zwar immer das schönste Ergebnis bringen, hätte mein Budget allerdings gesprengt. Und wenn ich ehrlich bin war ich da ein wenig geizig. Einen Haufen Geld in die Lackierung einer Vespa stecken, von der ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht genau wusste, ob sie überhaupt jemals wirklich wieder fahrbar sein würde...?
Ich konnte zwar schon als Kind nicht sonderlich gut malen und habe auch noch nie in meinem Leben irgendwas lackiert, aber -hey!- irgendwann ist immer das erste Mal.
Also ab zum Sandstrahlen damit:
Sieht alles von der Substanz her viel besser aus als erwartet. An den Falzen erkennt man so dunkle Stellen; anscheinend ist da früher mal mit Fluidfilm oder ähnlichem gearbeitet worden, was dann beim Strahlen da rausgekommen ist.
Als ich die Teile beim Meister abhole meint er nur, er sei da auf ein "kleines Problemchen" gestoßen:
Da habe es beim Strahlen plötzlich angefangen zu rauchen und dann sei er auch schon durch gewesen
An diesem Punkt wird mir erstmal schwindelig und ich sehe vor meinem inneren Auge das Projekt über den Jordan springen...
Das GSF meint aber, kann man flicken.
Nun ist Schweißen Können auch so eine Fähigkeit, die ich leider nicht habe. Ist sicherlich was, das man lernen kann, aber ein halbwegs anständiges Equipment bekommt man ja auch nirgendwo geschenkt. Ich nehme mir vor: "Irgendwann machst du mal einen Schweißkurs für Dummies in der VHS!"
Aber nicht heute.
Also beschließe ich, Schweißen zu lassen, die zweite und letzte Aktion, die ich an dem Roller nicht selbst gemacht habe.
Das Ergebnis schaut gut aus:
Die Löcher, an denen früher das Seitenprallschutzrohr befestigt war, wurden gleich mit verschlossen
und auch die Mutter für den Sitzbankzapfen haben mir die Jungs freundlicherweise wieder hinten ins Separee gepunktet.
Jetzt kann`s weitergehen!
Am Rahmen musste snst eigentlich nicht mehr viel gemacht werden. Lediglich an ein oder zwei Stellen habe ich kleinere "Rostkraterfelder" verzinnt und geglättet.
Warum Zinn? Weiß nicht, fand ich irgendwie so schön Oldschool, passt zu nem alten Fahrzeug besser als schnöde Polyersterspachtelmasse. Zinn zieht außerdem auf jeden Fall kein Wasser. (Ich weiß, auch über die Hygroskopischen Eigenschaften von Spachtelmasse lässt sich trefflich steiten!). An der Vespa ist verzinnen auch nicht so sonderlich schwierig, da man immer die Möglichkeit hat, in der Horizontalen zu arbeiten.
Auch an einer Seitenbacke war ein kleiner Beulenknick mit dem Hammer nicht 100 %ig rauszukriegen:
Verzinnt, geschliffen, fertig.
Das Karosseriezinn habe ich dann auch verwendet, um das kleinere Bohrloch im Handschufach zu verschliessen:
Ist wahrscheinlich gepfuscht, ist mir an der Stelle aber egal.
Da gestrahlte Teile nicht unbedingt allzu lang liegen bleiben sollten, habe ich dann recht zügig auch grundiert:
Über die "Beschlagnahme" des Dachbodens war die ganze Familie natürlich hellauf begeistert. Blöd auch, wenn man sonntagmorgens mit der ganzen Aktion anfangen will und merkt, man hat vergessen, sich stabile Fäden zu besorgen, um die ganzen Teile zum schweben zu bringen. Ein etwas breiteres Geschenkbank (siehe Bild oben links) geht zur Not auch und hat tatsächlich gehalten (Besser nicht nachmachen!).
Grundiert wurde mit
aus dem KSD. Lässt sich gut aufbringen, hat leicht füllernde Eigenschaften und lässt sich auch anständig schleifen. Ich würd`s wieder nehmen.
Bevor es an die endgültige Lackierung ging ist mir noch eingefallen, dass ein ordentlicher Unterbodenschutz ja eigentlich nicht so verkehrt sein könnte, aber bitte nicht so, wie`s vorher gemacht war.
Gesagt, getan:
Eine Dose reicht für einen Roller aus.
Auch für den Koti hat`s noch gereicht.
Soweit so gut. Jetzt ist erstmal Zeit, sich für eine Farbe zu entscheiden.
Fortsetzung folgt...