Ganz kurz und bündig: Trauer ist für die Hinterbliebenen da. Egal, ob man glaubt, dass da nach dem letzten Schnapper was auf einen wartet oder nicht, braucht man als Toter die, die am Grab oder dem Lüftungsschacht stehen nicht mehr. Trauer ist der vielfältige Weg mit einem Verlust (echt oder gefühlt) oder einem großen Schrecken umzugehen. Das gibt's still, mitteilsam, extrovertiert, hysterisch, besonnen, reflektierend, selbstverliebt, berechnend, gemeinsam, alleine, ... so wie die Leut halt sind. Es ist auf jeden Fall eine extrem subjektive Sache, denn über Millionen verhungernder Kinder kräht kein Hahn - ein sterbenskrankes krebskrankes Kind kreist jahrelang durch die Medien und führt zu Weinkrämpfen bei wildfremden Menschen. Was auch heißt: Trauer ist unfair, weil subjektiv. Dein Trost mag sein: Da es den Verstorbenen eh nicht interessiert, ist das halb so schlimm. Grund zum zornig sein kann die Trauer der anderen schon sein. Áuch für mich. Dafür hab ich schon zu viele Leute unter ganz merkwürdigen Umständen beerdigen müssen. Aber ich versuch mich immer zu beherrschen. Denn so ne Trauerattacke hat zuweilen auch eine große reinigende Wirkung. Und außerdem kann ich in einen Trauernden, der sich aus meiner Sicht unangemessen verhält, letztendlich nicht reinschauen. Es ist also besser, kein Urteil über Trauernde zu fällen. Und dass John Lennon 1980 erschossen wurde, hab ich heut noch nicht verwunden und weine jedes Mal, wenn ich Mind games höre.