wg. Syrien: Das hat ja weniger mit Grübeln, als mit Heulen und Wehklagen tun... Und mehr mit Meinungen, als mit Fakten. Ich kenn die Ecke da unten "ganz gut", war schon wiederholt in Syrien, Jordanien, Libanon und Ägypten - lange Zeit vor diesem sog. Arabischen "Frühling" und was ich zur Situation da unten denke, hat herzlich wenig mit meinem sonstigen links-liberalen, aufgeklärten Gutmenschentum zu tun, und ich trau mich's kaum zu sagen. Vielleicht nur so ein paar Erfahrungsfetzen: Der syrische säkulare Polizeistaat (sowjetischer Tradition) machte es möglich, als religiöse Minderheit, egal ob muslimischer, christlicher drusischer oder sonstiger Provenienz toleriert zu leben. Übergriffe wurden unterbunden. Meine Frau konnte rumlaufen wie sie wollte. Ein "europäischer" Lebensstil war problemlos möglich. Der Libanon, damals noch syrisch kontrolliert, war ähnlich. Syrische Militärposten sorgten für Ordnung, regelten den Verkehr und zeigten der Hisbollah (die mit Syrien verbündet ist), dass sie hier nichts zu sagen hatten. Insofern waren mir Uniformierte mit Kalaschnikows an den Checkpoints immer lieber, da kalkulierbarer. Ägypten war zu Mubaraks Zeiten sicher, kalkulierbar, ein zuverlässiger Verhandlungspartner für den Westen und hatte einen stabilen Frieden mit Israel. Das waren alles keine Demokratien. Klar. Und Kriege gegen die eigene Bevölkerung, oder wenigstens erhebliche Teile davon, sind das Letzte, klar. M.M.n. entstanden diese allerdings durch die Aufstände der "Rebellen" und keiner kann mir erzählen, dass die treibenden Kräfte dabei die liberale Intelligenzia dieser Länder war - es waren und sind die religiösen Fanatiker, die mit dem alten Regime eine riesen Rechnung offen haben und daher geht es dort auch für beide Seiten bis zum bitteren Ende um alles... Was nun die eigentliche Motivation "des Westens" angeht, dort militärisch einzugreifen: Normalerweise stimme ich pauschal zu: Praktisch jeder Krieg hat wirtschafttliche Hintergründe. Im Fall Syrien glaube ich das allerdings weniger. Syrien ist eher strategisch (durch die Lage) als wirtschaftlich interessant. Normalerweise ist der Westen in diesem Gebiet an Stabilität interessiert. Vielleicht sind die Amis tatsächlich so naiv, dass sie meinen, mit den neuen Machthabern könnten sie ihren Einfluss im Mittleren Osten stabilisieren. Die Russen sind jedenfalls genau deshalb so sauer und halten am Assad-Regime fest, weil, Syrien noch ein alter Verbündeter aus dem Kalten Krieg ist. Ich fürchte allerdings, dass Obama und Co. diesmal tatsächlich einen internationalen Konflikt vom Zaun bricht, weil sie persönlich beleidigt sind. Da hat man ne "Rote Linie" gezogen (Giftgas) und der Syrer sagt: "Am Arsch die Locken". Da muss die Welt-Nanny jetzt endlich mal andere Saiten aufziehen... Wer dann tatsächlich was getan hat, und welche Konsequenzen ein internationaler Konflikt für die Region und für die Zivilbevölkerung (Kollateralschaden) hat, bleibt außen vor. Ich halte Obama tatsächlich für solch einen gekränkten Gutmenschen, der jetzt, weil zu wenig Realitätssinn, beleidigt zuschlagen will. (Ich seh da die Snowden-Geschichte und die Wikileaks-Prozesse übrigens ganz analog) Aber wie gesagt: Alles kein "Grübeln statt Googeln" eher "Heulen und Wehklagen" , völlig subjektiv, bestimmt nicht korrekt und just my 5 Piaster