Vielen Dank für die ausführliche und so ehrliche Antwort.
Alles was Du schreibst und auch kritisierst, entspricht 1:1 der Realität und auch meinen gemachten Erfahrungen in Deutschland und auf der Welt, ohne dass ich das Reisen je so wie du praktiziert habe, außer in Ansätzen einmal während des Studiums für 8 Wochen als Backpacker und mit extrem wenig Geld durch Bali und Java. Aber das war ein Witz im Vergleich zu deinen monate- bzw. jahrelangen Reisen.
Ich behaupte auch und habe diese Erfahrungen gemacht, dass nirgendwo auf der Welt man mit Fremden schlechter und weniger freundlich und weniger hilfsbereit umgeht, wie in Deutschland. Unabhängig davon, dass Deutschland (verglichen mit dem Rest von Europa) viele Ausländer/Flüchtlinge aufgenommen hat.
Und Schubladendenken, Bürokratie, Neid, Missgunst, Egoismus und soziale Kälte ist diesem Volk der Deutschen "in die Wiege gelegt" und ist es schon seit sehr langer Zeit.
Richtig weit haben wir uns vom preußischen Staat und dem Hauptmann von Köpenick nicht entwickelt. Die Uniformen haben wir weitgehend abgeschafft, aber in den Köpfen nicht wirklich aufgeräumt.
Meine Frau ist beispielsweise Künstlerin/Malerin. Es ist unglaublich, wie viele Menschen das mit Nichtstun, brotloser Kunst oder einfach Müßiggang assozieren und selbst in der Familie zum Teil. Und ich bin stolz auf sie und bekomme Gänsehaut, wenn mein (verbales) Schwert auf dieses ganze Kleinbürgertum herunter fährt und die sich unhöflich und missgünstig äußernden Fratzen in zwei Hälften teilt.
Man sagt immer "Reisen bildet", aber das tut es nur dann, wenn man a). auch wirklich reist und nicht Urlaub macht und b). wenn man beim Reisen offen, neugierig, unbefangen und in der Lage ist, Neues kennen lernen zu wollen und im Kontext zu verstehen bereit ist.
Wer schon mal in - von uns aus gesehen - südlichen und sehr heißen Ländern war, wird dann schnell verstehen (außer er liegt mit 3 Longdrinks im All-in 5*-Ressort am Pool), dass man dort von mittags bis 16/17 Uhr schlicht nicht oder nur sehr schwer hart arbeiten kann und es demzufolge völlig richtig ist, wenn das dort anders gehandhabt wird, als bei uns.
Uns allen in Deutschland (einschließlich mir) geht es viel zu gut und wir sind (einschließlich mir) zu weit weg von der restlichen Welt, in der es unzähligen Menschen so schlecht geht, weil Kriege herrschen oder sie schlicht nicht wissen, was sie heute, morgen oder übermorgen essen sollen, weil sie nichts haben.
Und weil wir das bestenfalls in der Glotze in der Tagesschau 1 Minute untermalt mit 3 Bildern sehen (die meisten nicht mal das, weil schon lange auf Netflix oder Fickflix), kapiert das auch keiner.
Wir (einschließlich mir) sind in einem eigenen Kosmos, der mit dem Rest der Welt nichts zu tun hat.
Bitte reise weiter und mache es genauso, wie du es machst! Und ich freue mich sehr, weiter von dir zu lesen und vor allem auch von deiner Philosophie!
Vielleicht finde ich auch eines Tages den Mut, den ganzen Kack hier hinter mir zu lassen und mit viel weniger irgendwo anders viel glücklicher zu sein. Die Pflanze in mir wächst.........
In Ergänzung:
Dass dich manche fragen, woher du das Geld für das monatelange Reisen hast, ist eine hirnverbrannte Frage, auf die es nur eine Antwort geben kann, die sich jeder selber geben können sollte:
"Je weniger man sich selber mit geldfressenden Anschaffungen wie Wohnungen, Häuser, Autos und sonstigen Dingen umgibt, desto weniger muss man tagtäglich dafür buckeln und sich zum Sklaven seines Besitzes machen. Und desto mehr Zeit und Ressourcen hätte man, um zu reisen und um zu leben."
Mir ist das schon lange klar und trotzdem bin ich zu dumm, es zu ändern.
Noch dümmer ist die Frage, wo es am schönsten war.
"Superlative sind an sich schon blöd und 'am schönsten' gibt es nicht, weil es vollkommen subjektiv ist und weil es auch darauf überhaupt nicht ankommt. Es ist so blöd wie die Frage an eine Mutter, welches ihrer 5 Kinder sie am meisten liebt oder welches ihrer 15 Millionen Haare auf dem Kopf ihr schönstes Haar ist."
Aber wer alles "in Schubladen" einsortiert und verwaltet, der sortiert und verwaltet auch die für ihn schönste Briefmarke und den für ihn schönsten Stempel, um die Briefmarken damit schön zu entwerten.