Das MV Tuning geht weiter:
Nachdem ich festgestellt habe, dass der MV 160 Zylinder nicht wirklich draufpasst, weil die ÜS Fenster versetzt sind, müsste man am Motorgehäuse rumfräsen und aufschweissen oder 2K Zeux draufpappen. Das kam für mich nicht in Frage, vor allem auch, weil die Überströmschlitze im Zylinder genau gleich gross sind. Wäre also nichts gewonnen. Ich hatte ja gehofft, dass der 160er Zylinder grössere Kanäle hat. Aber die Zylinder sind fast identisch, bis eben auf Bohrung und ÜS an der Dichtfläche:
Zwischenzeitlich ist jetzt der Malle 221 alt mit 28er Keihin und PD S-Box3+ in der Motovespa geparkt, das macht schon auch ne Menge Spass! Aber der Originalmotor muss dann doch wieder rein, weil der Malle für ne andere Kiste vorgesehen ist. Der 28er Keihin mit ScootRS Stutzen hat jedenfalls massig Platz in dem Chassis und steht exakt senkrecht, mit etwas Anpassung an der Zylinder-Abdeckung. Die Ausbeulung im Chassis, die ich da vorsichthalber vorm Lackieren oben reingedengelt hab, war unnötig:
Nun liegt der 150er Zylinder auf dem OP Tisch:
Meteor Kolben "Spagna" in 61.5mm bei Grand-sport bestellt und Zylinder aufgebohrt, was nicht ganz billig war, weil erst aufbohren, dann honen.
Mit den 61.5mm bleibt noch die Möglichkeit für einen Übermasskolben mit 62mm.
Der Meteor Kolben wirkt sehr massiv und stabil und wiegt allein 208gr.; inkl. Ringe und Bolzen stolze 265 Gramm. Die mitgelieferten 2.5x2.55mm Kolbenringe haben ein Ringstosseinbauspiel von 0.35mm, was für meinen Geschmack minimal weniger sein dürfte, hält man sich an die Empfehlung von GS. Der Kolben selbst hat an seiner dicksten Stelle 61.4mm, nach Piaggio Methode 61.35mm. Eingestellt hat der Motorbearbeiter ihn auf 11-12/100 Spiel an der dicksten Stelle, also unten am Kolbenhemd.
Nun hat der Zylinder also knapp 170ccm. Durch den grösseren Bohrungsdurchmesser "schrumpft" meine Auslass-Bogenmass (38mm) von Sehne von 62% auf 58%. Der darf also wieder breiter werden, ich denke ich werde so auf unter 42-42.5 mm gehen, dann sind es knapp 63-64%. Da die Auslassform oval bleibt, werden das die Gussringe wohl dauerhaft mitmachen (der Motor soll ja ein standhafter Langstreckentourer werden).
Ich werde mit der ÜS Zeit (123-124°) wieder etwas runter gehen, da ich bei Pipedesign gelesen habe, dass die Box-Anlagen generell nicht so viel ÜS Zeit benötigen, zuviel sogar kontarproduktiv sein könnte. Ich vertrau da jetzt einfach mal drauf, sie haben ja genügend Anlagen getestet...
Also die 0.8mm FuDi raus und ne 0.5mm geschnitzt (ne gute Lochsäge hilft da ungemein ), mit der lande ich dann bei 122°.
Der Auslass muss dann aber noch etwas nach oben, um die angestrebten 165° wieder zu erreichen.
Nun stellte sich noch die Frage nach dem geeigneten Kopf! Da hab ich in meinem Sammelsurium mal einiges ausprobiert: Köpfe von modernen 177ccm Kits (Polini, MMW, Malossi, etc.) haben neben einem 1.5mm grösseren Durchmesser auch die falsche Quetschspaltenform, da der Meteorkolben im Vergleich zu moderenen Kits ein sehr hohes Kolbendach hat, wie eben alle alten originalen Kits die 7mm. Damit ergibt sich immer eine grauslig negative Quetschspalte (wenn man das noch so nennen kann). Der 160er Kopf passt auch nicht besser, denn er sieht praktisch gleich aus wie der der 150er - Beide haben diese Fase um den Durchmesserunterschied auszugleichen. Damals gabs wohl nur einen Kopf für alle
Bleibt also nur, die 150er Köpfe zu überarbeiten. Ein LML 150 Kopf mit zentralem Brennraum sah erst vielversprechend aus, aber wegen der O-Ring Nut ist eine Durchmesservergrösserung auch suboptimal, ausserdem hat der nen viel zu grossen Brennraum, was zu ner sehr geringe Verdichtung führen würde. QS ist ausserdem aufgehend, ich hätte lieber ne parallele:
Ich strebe eine geometrsiche Verd. von 9.5-10:1 an, also hab ich wieder den Sprint 150 Kopf hergenommen, auch wenn der Brennraum asymmetrisch ist...hier mal rot markiert was stört:
Der Rand mit 1.75mm muss weg!
Da es mal wieder schnell gehen musste und ich fürs Bearbeiten dieser asymmetrischen Köpfe leider noch keine gute Möglichkeit hier in der Gegend habe, wurde es dann doch die "russische" Variante, die aber trotz der Gefahr von Kratzern im Kolben/Zylinder sehr gut funktioniert hat (auf keinen Fall nachmachen! )
Zuerst mit Halbrundfeile, dann vorsichtig mit Dremel Fächerschleifer die Fase gesetzt und das "Zuviel" grob entfernt:
Dann kam die Idee auf, den Kolben mit Hilfe des Zylinders als Zentrierung auf den Kopf einzuschleifen. Also schnell aus einer alten Nadellagerhülse der Sprint-Gabel und nem Rohr ein "Antriebsdorn" für den (alten) Kolbenbolzen geschweisst. Kolben mit 400er Schleifleinen beklebt (gutes Doppelklebeband!), am Rand alles sauber abgeschnitten, um keine Kratzer in die Zylinderlauffläche zu machen. Kopf auf den Zylinder geschraubt (Zentrierung durch den Steg! Alles sauber gereinigt, Grate peinlich genau entfernt, ), massig Bohröl in den Zylinder und Kopf und rein mit dem Kolben! Antrieb langsam durch den Akkuschrauber:
Man muss halt wirklich seeehr vorsichtig sein. Absolut kein Dreck zwischen Kolben und Zylinder! Am Besten vor dem Honen machen.
Bei mir hat man an der Laufbahn praktisch nichts gesehen, am Kolben konnte man minimal Spuren erkennen, aber das sollte kein Problem sein. Die Drehriefen waren tiefer.
Nach zwei Durchgängen war auch schon gut:
So siehts dann fertig aus: Richtiger Durchmesser und ne schön parallele Quetschfläche:
Dann noch mit QS=0 und Wasser den Brennraum verwiegen:
Das ergibt mit QS=1 mm eine geom. Verd. von knapp 10:1 - Ziel erreicht
Ich bin sehr gespannt wie das läuft!!